Das Jahreskonzert des Musikvereins Dillendorf im ehemaligen Dillendorfer Schul- und Gemeindesaal war nicht nur ein musikalischer Hochgenuss hinsichtlich Qualität und Können, es hatte auch hohen Unterhaltungswert und zwar auf feinem Niveau.

Was die Vorsitzende Melanie Dietsche zur Eröffnung ankündigte, ergänzte in der Folge Christian Podeswa als Moderator und das 32-köpfige Blasmusikorchester mit Marco Peter am Schlagwerk und Clemens Büche als Dirigent setzte das Versprechen perfekt um. Zehn Kompositionen unterschiedlichster Stilrichtungen und mehrere frenetisch geforderte Zugaben hörten und genossen die Feiertagsgäste im rappelvollen Saal.

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Der ruhige, klangvolle Auftakt mit der „Yorkshire Ballad“ mündete in die kurzweilige Ouvertüre des Komponisten Martin Scharnagel, der damit bewies, dass er auch im Bereich der konzertanten Blasmusik zuhause sein kann. Beides setzten die Musiker bestens vorbereitet um, ein erster Hinweis auf weitere Genussstücke. Mit seiner Klarinette, auf der er jüngst das goldene Jungmusikerleistungsabzeichen in Gold abgelegt hatte, bot Andreas Jehle als Solist im Duett mit dem Gesamtensemble eine frenetisch gefeierte Meisterleistung; sein Stück: „Czardas“ von Vittorio Monti, arrangiert für Blasmusik von Kurt Sorbon.

Ehrung für verdiente Mitglieder

Auf „Blues Factory“ aus der Feder von Jakob de Haan, einem holländischen Komponisten, mit softem Bluesbeginn, der sich zum jazzigen Rock-Stil hin steigerte, und der Polka „Zeitlos“, Komponist wiederum Martin Scharnagel, folgte eine Pause. Die Konzertpause wurde auch genutzt für Ehrungen. Melanie Dietsche und der Vize-Vorsitzende Klaus Rebmann zeichneten vier verdiente Vereinsmitglieder aus.

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Der zweite Konzertteil begann mit dem Marsch „Salemonia“, ihm folgte ein Sprung in die Musikszene der 80er Jahre, „Eighties Flashback“, Arrangeur Paul Murtha, und „Burgler‘s Holiday“, ein Stück von Leroy Anderson, bei dem das sechsköpfige Trompetenregister, ein Mädchen, fünf Jungs, demonstrierten, wie gekonnt sie mit dem doppelten Zungenschlag umzugehen wissen. Das Ende des Konzertes bildete „Take On Me“ ein Titel der norwegischen Gruppe A-ha aus dem Jahre 1985, dem obligatorisch mehrere Zugaben folgen sollten.

30 Märsche in einem Konfetti

Zuvor – und dies war unbestritten der unterhaltsame Höhepunkt des Abends – zeigten der Musikverein und sein Dirigent, welch komödiantisches Talent neben dem musikalischen in ihnen steckt. 30 verschiedene Märsche, arrangiert von Xaver Lecheler, in einem sensationellen „Marschkonfetti“ gerieten in einer Sonderversion zu einer zirkusreifen Sensationsdarbietung. Nicht nur, dass die Posaunisten ständig eigene Melodien einbrachten, nein, das gesamte Orchester spielte nicht das, was Clemens Büche auf seiner Partitur als Dirigent sah und gerne gehört hätte.

Clemens Büche im Duell mit dem spanischen Stier beim „Marschkonfetti“ in der ganz eigenen Version des Musikvereins.
Clemens Büche im Duell mit dem spanischen Stier beim „Marschkonfetti“ in der ganz eigenen Version des Musikvereins. | Bild: Erhard Morath

Narrhallamarsch mit Konfettisalven, Jägermarsch mit Schuss aus der Flinte und schließlich tauchte gar ein „Stierungetüm“ auf und stürzte sich auf den Dirigenten, der sich flugs als Torero mit rotem Tuch ebenso gut als zuvor mit dem Taktstock aus der Affäre zog. Völlig am Ende, so das Finale, riss Clemens Büche seine Noten in Stücke, als das Holzregister während des Spielens zu einer Bierpause ansetzte. Beschreiben lässt sich dieser unterhaltsame Teil des Jahreskonzertes in Dillendorf nur ansatzweise, man musste es erlebt haben. Und bei aller Begeisterung für den Klamauk, die dafür erforderlichen Proben, bewusstes Falschspielen ist schwieriger als man glauben würde, dürften sehr zeitaufwendig für die Musiker gewesen sein.

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Am Ende eines großen und erlebnisreichen Programmabends duften mehrere Personen Blumen und Dankesbotschaften entgegennehmen. Ganz nebenbei schaffte es der Musikverein, erstmals im Gemeindesaal Bühne und Publikum seitenverkehrt zu platzieren. Die Bühne wurde zur Tribüne und Loge für die hinteren Reihen und das Orchester musizierte vis-a-vis auf einer eigens für den Abend errichteten neuen Bühne. Und bei allem Klamauk fürs Auge, musikalisch gelang es den Musikern und dem Dirigenten sich erneut ein gutes Stück zu verbessern, so der allgemeine Tenor.

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