Historische Bauwerke faszinieren viele Mitmenschen. Am Tag des offenen Denkmals gab es vielerorts Gelegenheit zu Besichtigungen unter fachkundiger Anleitung. So auch in Boll, wo Ernst Albert die Türen der alten Mühle öffnete. Sein Publikum war außergewöhnlich fachkundig. Dies zeitigte denn auch Dialoge, die beinahe Expertenqualität hatten.

Recherche für eigenes Projekt

Bernhard Rudigier etwa war aus Albbruck gekommen. Der Schmiedemeister ist auf historische Schlösser und Beschläge spezialisiert und erhoffte sich vom Besuch der Mühle in Boll neue Impulse. Die braucht er, denn er unterstützt derzeit Oliver Albrecht vom Windberghof in St. Blasien. Dieser baut dort eine andernorts abgetragene alte Mühle auf und dazu braucht es, außer einer gehörigen Portion Idealismus, auch jede Menge Expertenwissen und traditionelle Handwerkskunst.

Auch für Einheimische noch Neues

Ernst Albert hielt mit seinem Fachwissen derweil nicht hinterm Berg. Bereitwillig erklärte er den Besuchern die einzelnen Komponenten der alten Mühle, der dazugehörenden Maschinen und auch ein wenig aus dem Mülleralltag vergangener Jahrhunderte, wie wir ihn uns heute noch vorstellen können. Die Besucher lauschten gespannt. Eine Frau aus Bonndorf, die als Kind in Boll am Dorfbach gespielt hatte, wusste bis vor Kurzem gar nicht, dass dort eine Mühle steht. Auch ein Mann aus Eggingen war da, der ein Faible für Denkmäler hat und demnächst ein eigenes Projekt realisieren möchte. Aus Löffingen, Ühlingen-Birkendorf und Waldshut kamen Interessierte, jeder erhielt fundierte Antwort auf seine Fragen.

Wertvoller Mahlstein

Ernst Albert merkte man dabei den Stolz auf „seine“ Mühle an. „Das ist einer der wertvollsten Mahlsteine, die es überhaupt gibt“, hob er dessen hohen Anteil von Süßwasserquarzen aus dem Marnetal östlich von Paris hervor. Stolz führte er den 1902 eingebauten Fahrstuhl vor, dabei erbebte das Gebäude. Er erläuterte auch, weshalb sowohl Holz als auch Eisen bei den Mühl- und Zahnrädern verwendet werden. Nichts anderem als dem Brandschutz war dies geschuldet, denn bei so viel Staub, wie er in einer Getreidemühle anfällt, hätte der zwangsläufige Funkenflug, den es bei der Reibung von Metall gibt, fatale Folgen gehabt.

Ehrfurcht angesichts historischer Handwerkskunst

Fritz Hugel, Vertreter der Inhaberfamilie der Mühle, unterstützte Ernst Albert bei seinen Ausführungen. Bis Anfang der 1970er Jahre nutzte Hugels Vater Friedrich die Mühle noch. 90 Jahre zuvor hatten seine Vorfahren das Anwesen übernommen. Kein Zweifel – so eine historische Mühle übt eine große Faszination aus, hat etwas Geheimnisvolles und lässt die Besucher ihre Sinne anspannen, wenn der jahrhundertealte Holzboden unter den Füßen zu vibrieren beginnt, sobald Ernst Albert eine der Maschinen zu Vorführzwecken in Gang setzt. Dieser investiert viel Zeit in die Pflege dieser historischen Anlage – zur Freude vieler Besucher, aber auch zur Bewahrung einer der traditionellsten Technik- und Handwerkskulturen.

Auch diese alte Saatgut-Reinigungsanlage tat dereinst in der Boller Mühle ihren Dienst.
Auch diese alte Saatgut-Reinigungsanlage tat dereinst in der Boller Mühle ihren Dienst. | Bild: Martha Weishaar