Bonndorf – Kurz nach dem Jahreswechsel erhielt die Firma Landmaschinen Müller im Gewerbegebiet Breitenfeld Besuch von Bundes- und Landespolitikern. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Dörflinger und MdL und Bundestagskandidat der Christdemoraten im Wahlreis Waldshut, Felix Schreiner, statteten dem nach Einschätzung von Firmenchef Werner Müller "deutschlandweit am besten eingerichteten Landmaschinenwerkstatt" einen Besuch ab. Hintergrund war auch die Fördersumme von 171 000 Euro, die der Tüftler und Entwickler vom Bund für seinen ganz besonders intelligenten Allradantrieb erhielt.

Werner Müller hat bis jetzt sieben oder acht Patente angemeldet: "So genau weiß ich das gar nicht." Seit acht Jahren entwickelt er einen Fahrzeug-Antrieb, der vorab und automatisch agiert, statt auf kritische Verkehrssituationen zu reagieren. Wie der Entwickler den Politikern erläuterte, ersetzt seine Innovation den Einbau eines Differenzials durch Komponenten, die ein Durchdrehen der Räder verhindern und ein optimales Fahrverhalten von Fahrzeugen ermöglichen. Das garantiere: kein Durchdrehen der Räder.

Stolz ist der Firmenchef auf Preise, die er 2014 mit diesem Forschungsprojekt, bei dem er vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt wird, in Genf erhalten hat. Für die beste Technologie wurde er bei der Erfindermesse bei der Vorstellung der LT3-Antriebstechnik von der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO), der Stadt Genf und der Bundesrepublik jeweils mit dem ersten Preis ausgezeichnet. "Ich war überrascht, immerhin saßen 32 Ingenieure in der Jury", sagt Müller.

Wie er den Politikern erläuterte, hat er bis heute 1,3 Millionen Euro in dieses Projekt investiert. "Der Zuschuss vom Bundeswirtschaftsministerium hilft da schon", betont Werner Müller. Damit seien die Kosten für das Patent (120 000 Euro) jedenfalls abgedeckt. Felix Schreiner betonte, dass die Förderung ein Beispiel dafür sei, dass die Politik durchaus erkenne, wo man fördern müsse.

Interesse an diesem in Bonndorf entwickelten Antriebssystem hat bisher aber kein deutscher Konzern angemeldet. Damit können zum Beispiel Flächen mit einer Neigung von 47 Grad bewirtschaftet werden, wie Müller anhand eines kleinen Films demonstrierte. An der variablen Drehmomentverteilung, individuell und völlig automatisch auf alle Antriebsräder, hat auch das Militär Interesse bekundete. Herausforderung sind hier Fahrzeuge mit acht angetriebenen Rädern Antriebsverspannungen. Die Lizenz von Werner Müller geht hierfür "ins europäische Ausland", wie Müller erzählte. Ins Detail durfte er bei diesem militärischen Projekt nicht gehen.

Noch nicht endgültig entschieden ist, ob die LT3-Technik auch in Allradbetriebenen Personenwagen und Geländewagen zum Einsatz kommen wird. Gespräche mit Interessenten sind noch im Januar von Werner Müller angekündigt. "In der Automobilbranche hat ein Tüftler aus Bonndorf keine Chance", bleibt Müller skeptisch. Er glaubt, dass Entwickler in Konzernen oft nur in eine Richtung denken und Lösungen suchen. "Aber man muss eingetretene Pfade verlassen und anders denken. Es sind oft einfache, praktische Lösungen", gibt Müller die Richtung für seinen Weg vor.

Max Nägele, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, weiß um die Vorzüge des Entwicklers: "Ein Mann mit tollen Ideen und wir in Deutschland verschlafen das..." Thomas Dörflinger wies darauf hin, dass viele Dinge schon in Deutschland entwickelt, später dann aber im Ausland erfolgreich produziert wurden. Bürgermeister Michael Scharf appellierte an die beiden Politiker, dass Zuschüsse wieder in Betriebe fließen und nicht in den Wohnungsbau: "ELR-Mittel für Neugründungen, Umsiedlungen oder Entwicklungen sind für diese Betriebe Gold wert."

Angesprochen wurde auch noch die E-Mobilität. "Auch dafür habe ich eine Lösung", sagte Werner Müller. Dass sie für Landwirtschaftsmaschinen komme, hält er aus heutiger Sicht eher für unwahrscheinlich.

Entwicklung des Unternehmens

Die Firma Landmaschinen Müller zog 2014 vom Gewerbegebiet Allmendstraße in das neue, fünf mal größere Gebäude im Breitenfeld. Drei Millionen Euro wurden investiert.

  • Mitarbeiter: Derzeit beschäftigt das Unternehmen 25 Mitarbeiter, davon sind sechs Auszubildende. Sie finden im 90 Mal 28 Meter großen Gebäude auf 3000 Quadratmetern ideale Arbeitsbedingungen vor. Selbst Schreibtische und Werkbänke wurden von Werner Müller selbst entworfen. Allein in Bonndorf hat die Firma nach eigenen Angaben 2600 Kunden. Im Bereich Kleingeräte wurde seit dem Umzug ein Zuwachs von 85 Prozent registriert, sagt Müller. Das Ersatzteillager umfasst über 55 000 verschiedene Teile.
  • Die Firma: Die Müller Landmaschinen GmbH ist unterteilt in Verkauf und Reparatur von Land-, Forst- und Baumaschinen. Derzeit laufen die Entwicklungsprojekte LT3 und HP600. Beim Forschungsprojekt HP600 geht es um den Aufbau eines Prüfdemonstrators, Ziele sind der Automotivbereich (Vernetzung der Einzelsysteme) sowie bezahlbare E-Mobilität. Zusammen mit der Firma Kendrion soll das E-Mobility-Projekt am 23. Januar in Villingen vorgestellt werden. Das Allradsystem LT3 soll in allen Schlepperfabrikaten und Mähdreschern eingesetzt werden können.
Gerald Edinger

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