Krämermärkte sind nichts, um rasch Einkäufe zu erledigen. Da lassen sich die Leute in der Regel etwas mehr Zeit. Sie überzeugen sich von der Reinigungskraft eines speziellen Fenstertuches oder lassen sich darauf ein, dass ihre Brille mit einem Spezialmittel gründlich geputzt wird. Die einen kommen des Magenbrots wegen, andere wegen Nachhemden, Strickjacken, Geldbörsen oder Socken. Wieder andere wollen nur eine Marktwurst oder süße Striebele verzehren.

Natürlich strömen zu Scharen Kinder herbei, die sich am kunterbunten Spielwarenstand so gar nicht entscheiden können, wofür sie ihr „Marktgeld“ ausgeben sollen. Sogar Handyhüllen sind im Angebot, so was gibt’s auf dem Land sonst ja nicht zu kaufen. Dieses Sammelsurium aus Nützlichem, Schönem, manchmal auch Kuriosem, vermischt mit typischem Mandel-Marktduft lockt die Menschen auch im Internetzeitalter auf die Märkte.

Roland Mayer ist mit seinen Süßigkeiten schon lange auf dem Krämermarkt präsent.
Roland Mayer ist mit seinen Süßigkeiten schon lange auf dem Krämermarkt präsent. | Bild: Martha Weishaar

Zeit für Beratung und Gespräche

Beim Martinimarkt in Bonndorf hat das Wetter mitgespielt, die Besucher kamen reichlich, aus Bonndorf und vielen umliegenden Gemeinden. Wenn auch nicht in den Scharen, die sich die Marktleute wünschten. Die zeigen sich dennoch überwiegend zufrieden.

Peter Schützelhofer, der für die Arbeitsgemeinschaft Märkte maßgeblich die Organisation der Bonndorfer Krämermärkte innehat, ist viel beschäftigt. „Sie sehen ja, dass der Markt gut angenommen wird.

Die Atmosphäre ist familiär, man hat Zeit für ein persönliches Gespräch und Beratung. Das kriegen die Leute im Internet oder bei den großen Handelsketten nicht“, lautet sein Loblied auf den Markt. „Die Mischung des Angebots stimmt und seit wir den Standort näher zum Schloss verlegt haben, auch das Ambiente.“

Diese Verlegung war dem Umbau der Stadthalle geschuldet. Da sich das neue Marktareal attraktiver als das bisherige in der Schwimmbadstraße erwies, blieb man dabei. Seit einem Vierteljahrhundert ist Peter Schützelhofer regelmäßig auf dem Bonndorfer Markt.

Spielwarenhändler Peter Schützelhofer (rechts) nimmt sich Zeit für die Kundenberatung. Für die "Arge Märkte" organisiert er die Bonndorfer Krämermärkte maßgeblich.
Spielwarenhändler Peter Schützelhofer (rechts) nimmt sich Zeit für die Kundenberatung. Für die "Arge Märkte" organisiert er die Bonndorfer Krämermärkte maßgeblich. | Bild: Martha Weishaar

Manfred Klein kommt sogar schon seit 30 Jahren. Durch Zufall habe er vom Bonndorfer Markt erfahren. „Damals waren hier unwahrscheinlich viele Kinder auf dem Markt“, erinnert sich der Händler, der seither mit Kräutern und frisch gepresstem Leinöl regelmäßig präsent ist.

Sabine Jeretzky aus Schwenningen führt den Verkaufsstand ihrer Eltern weiter, die ebenfalls seit drei Jahrzehnten eine treue Stammkundschaft für Unterwäsche und Nachtwäsche deutscher Markenherstellern haben. „Man sollte unbedingt an der Markttradition festhalten. Märkte sind Treffpunkt, man kann sich unterhalten, und zwar nicht virtuell, sondern direkt“, sagt die Textilhändlerin.

Sabine Jeretzky führt den Handel ihrer Mutter mit deutscher Markenwäsche weiter.
Sabine Jeretzky führt den Handel ihrer Mutter mit deutscher Markenwäsche weiter. | Bild: Martha Weishaar

Freilich gibt es auch unzufriedene Händler. Aziz Ahmed aus Breisach klagt, dass er selten so wenige Socken verkaufte, wie am Donnerstag, obwohl er einziger Anbieter war. Trotzdem kommt der 74-Jährige Pakistaner seit mehr als 30 Jahren auf die Bonndorfer Märkte. „Besser als zu Hause rumhocken und die Decke anstarren.“ Und auch bei dem indischen Textilhändler Raghtir Singh verläuft das Geschäft eher verhalten, was den Mann aber nicht sonderlich aufzuregen scheint.

Markttradition darf nicht sterben

Dass sich Verkaufsstände billiger Importtextilien in Grenzen halten, dafür sorgt die Arbeitsgemeinschaft Märkte im Interesse einer ausgewogene Angebotspalette. Die Arge organisiert den kompletten Marktbetrieb in Bonndorf, nachdem die Stadt Bonndorf vor einigen Jahren in Erwägung zog, die Krämermärkte ganz abzuschaffen. Ein Aufschrei sei damals von den Marktleuten gekommen, erinnert sich Hauptamtsleiter Harald Heini. Mit der neuen Organisationsform sind beide Seiten mehr als zufrieden. Die Markttradition war also gerettet.

Und damit auch eine weitere Tradition, nämlich die des Marktausklangs im „Sonntag“. Wenn die Marktstände längst abgebaut und die Händler wieder abgefahren sind, herrscht dort bei Volks- und Lumpenliedern noch lange geselliges Treiben – vor allem nach dem Martini-Markt.