Purer Zufall war es, dass Heinz Ruppenstein vor 61 Jahren Toni Jüngst kennen gelernt hat. Sie war von ihrem älteren Bruder zu einer Tauffeier nach Höchenschwand eingeladen worden, er saß zufällig mit einem Freund im selben Gasthaus. Kaum hatte er sie gesehen, hatte es bei ihm gefunkt. „Sie trug so ein schönes Kleidchen“, erinnert sich der 84-Jährige an die erste Begegnung. „Und er war von Anfang an aufsässig“, lacht seine Frau. Sie hat noch gut vor Augen, wie der Fremde sich penetrant Zugang zu der „geschlossenen Gesellschaft“ der Tauffeier verschaffen wollte, während ihr Bruder ihm diesen zunächst ebenso hartnäckig verwehrte. Wenig später verstanden die Beiden sich dann schon prächtig.

Höchenschwand als Erinnerungsort

Ein Jahr darauf, am 25. November 1961, heirateten Heinz und Toni Ruppenstein in Höchenschwand, wo sie sich auch kennengelernt hatten. Auch zur goldenen Hochzeit kehrten sie in jene Dorfkirche zurück. Heute feiern sie mit ihrer großen Familie in Dillendorf das Fest ihrer diamantenen Hochzeit – wegen Corona ohne kirchlichen Segen und ohne großes Tamtam. Fünf Kinder, zwölf Enkel und sechs – bald sieben – Urenkel feiern mit ihnen. Mit viel gegenseitigem Vertrauen und Zufriedenheit, auch wenn man sich nicht immer alles leisten konnte, steuerte das Paar glücklich durch sechs Jahrzehnte. „Wir haben eine gute Familie, unsere Kinder unterstützen uns gerade jetzt, da wir darauf angewiesen sind, aufs Beste“, würdigt Heinz Ruppenstein das harmonische Miteinander im Familienverbund. Denn nach schwerwiegenden Erkrankungen ist das Paar inzwischen auf die eine oder andere Hilfestellung angewiesen.

Nachhaltiges Leben

Geradezu Vorbildcharakter haben Toni und Heinz Ruppenstein in Sachen Nachhaltigkeit. Das Paar lebt seit etwa 50 Jahren in Dillendorf – und zwar ohne Auto. Sie schafften es immer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln dahin zu gelangen, wo sie hin wollten oder mussten. „Für einen Besuch beim Kinderarzt war man dann eben einen halben oder ganzen Tag unterwegs“, blickt die 81-Jährige zurück. „Heute haben die jungen Leute diese Zeit nicht mehr, alles muss schnell gehen.“ Mit Obst und Gemüse versorgte man sich aus dem eigenen Garten, so viel wie möglich wurde eingekocht, um Vorräte zu haben.

Hobbys

Wandern war die Passion des Paares. Das geht heute nicht mehr. „Mit Wehmut schauen wir auf die schönen Wanderwege, wenn unsere Tochter uns hin und wieder mit ins Allgäu nimmt“, sagt Toni Ruppenstein. Indes wiegen die Erinnerungen an Reisen schwerer als die Tatsache, dass im Alter vieles nicht mehr möglich ist. Nun denkt man vor dem Ofen zurück an schöne Landschaften in Schweden, Spanien, im ehemaligen Jugoslawien oder in Alpenländern. Und erfreut sich an spannenden Sportübertragungen. An ihre Geburtsstätten in Ostpreußen, von wo sie 1944 vertrieben wurden, kehrten beide nie zurück.