„Der schönste Tag in unserem Leben war unser Hochzeitstag.“ Das sagen Rita und Wilhelm Hug nach 60 Ehejahren übereinstimmend. Solch eine Aussage lässt darauf schließen, dass das Jubelpaar alles richtig gemacht hat. „Zufrieden sein und keine hohen Ansprüche stellen“, lautet denn auch das Rezept der beiden für eine gelingende Partnerschaft.

Liebe auf den ersten Blick

Obwohl es Liebe auf den ersten Blick war, als sie sich 1953 bei einer Tanzveranstaltung zum ersten Mal begegneten, warteten sie sieben Jahre lang, ehe sie zum Traualtar schritten. Rita Dresel war beim Kennenlernen schließlich erst 16, Wilhelm Hug 19 Jahre alt. Der Werkzeugmacher aus Neustadt spielte an jenem Abend als Tanzmusiker im Gündelwanger „Lamm“.

Ein Hütejunge mit Musiktalent

Musik war immer schon sein Ding. Autodidaktisch hatte er sich als Bub Akkordeonspielen beigebracht. Als er mit elf Jahren als Hütebub auf einen Bauernhof nach Waldau und ein Jahr später auf einen anderen Hof nach Schwärzenbach kam, war anstatt der Geißel die Ziehharmonika sein Instrument, mit dem er die Viehherden zusammenhielt. Dass Wilhelm Hug ein Musiktalent war, sprach sich herum. Die Bauern holten ihn auf ihre Höfe, wo er zu Unterhaltung und Tanz aufspielte. Bereits mit 14 Jahren spielte er als Alleinunterhalter bei großen Veranstaltungen. Später wechselte er zur Klarinette und war 33 Jahre lang in der Neustädter Stadtmusik aktiv.

Mit dem Fahrrad, später mit dem Motorrad machte sich Wilhelm Hug die sieben Jahre vor der Hochzeit von Neustadt aus auf den Weg nach Gündelwangen. Nach der Heirat zog das Paar zunächst nach Neustadt, 1963 nach Gündelwangen, um das Fuhrunternehmen von Rita Hugs Vater zu übernehmen.

Engagement bei Vereinen

Ihre Tätigkeit als Verwaltungsangestellte einer Krankenkasse in Neustadt gab sie dann auf, um das Büro des eigenen Geschäfts zu führen, aber auch, um sich der Erziehung ihrer beiden Töchter zu widmen. Trotzdem blieb ihr Zeit für das Engagement bei der Gündelwanger Trachtengruppe, in der sie Feste organisierte, die Kasse führte, die Kindergruppe leitete und Trachten nähte. Außerdem leitete Rita Hug zwei Gymnastikgruppen der Landfrauen, eine davon 50 Jahre lang, die immer noch aktive seit 44 Jahren. Freilich nahm sie sich auch Zeit, sich darauf in Sportkursen fachlich vorzubereiten.

Auf Reisen um die ganze Welt

Rita und Wilhelm Hug gingen jahrzehntelang miteinander auf Reisen, bevorzugt mit dem Campingwagen ins Wallis. Mit ihrer Tochter bereiste Rita Hug außerdem so ziemlich alle Kontinente. Wilhelm Hug begeistert sich derweil fürs Radfahren. 30.000 Kilometer ist er allein in den vergangenen neun Jahren mit seinem Elektrofahrrad quer durch den Schwarzwald gefahren.

Das Paar fühlt sich im Eigenheim im Espan rundum wohl und weiß den Alltag so zu gestalten, dass niemals Langeweile aufkommt. Sie beim Häkeln, Stricken oder Anfertigen bunter Kunstblumenkränze, er beim Werkeln in seiner Werkstatt. Rita Hug unterstützt die Tochter, die mit der Enkelin in Hinterzarten ein Kunstblumenatelier betreibt.

Wilhelm Hug schreinert Möbel. Und dann ist da ja auch noch die Urenkelin, die vom benachbarten Kindergarten beinahe täglich frischen Wind ins Haus bringt. Große Pläne hegen Rita und Wilhelm Hug nicht mehr. „Wir machen das, was uns Freude macht und bleiben weiterhin zufrieden mit dem, was noch geht.“