Im Martinsgarten, direkt an der Martinstraße Nr. 19, steht eine unscheinbare Säule, deren Spitze von einem gegossenen Stadtplan mit der Überschrift „Heimatpfad“ gedeckelt wird. Die Frontseite zieren drei Bohnenranken. Sie dienen als Takt- und Hinweisgeber und sind einem alten Bonndorfer Wappen nachempfunden. Leider lässt sich der Verlauf des Heimatpfades mit seinen 21 Sehenswürdigkeiten an Hand der Säule mit Metallplatte nicht so ohne weiteres nachvollziehen. Dank einer papiergebundenen Version (Idee Theo Hany, Gestaltung Schwarzwaldverein Bonndorf), die es in der Bonndorfer Touristinformation gibt, sehe ich das Ganze klarer.

Fürstabt Gerbert-Denkmal

Die erste Station nehme ich im Vorbeigehen mit, das Denkmal des Fürstabts Martin II. Gerbert von St. Blasien, anno 1856 errichtet, kenne ich bestens. Über dessen ausgemachte Vorliebe für Bonndorf und den Amtsbezirk ist viel bekannt. Dies ist ein guter, gerechtfertigter Start am Beginn des Heimatpfades, wird das Denkmal dem Wirken dieses Mannes (1720 bis 1793) mit Weitblick doch gerecht.

Rathausensemble

Als Nächstes stapfe ich hinüber zum Rathausgebäude, vorbei an der zweitältesten Sparkasse Deutschlands. Der Rathausneubau von 1823 fiel bereits vier Jahre später einem Großbrand zum Opfer und wurde 1828 als Rat- und Schulhaus wieder aufgebaut. Der Balkonanbau, deutlich erkennbar die Handschrift des Neoklassizismus, erfolgte 1900, als Kaiser Wilhelm II. sich anschickte, Deutschland als Weltmacht etablieren zu wollen. Das Rathausgebäude bildet ein rechtwinkliges Dreieck in Form eines „L“ und wird von einem Glockenturm samt eines sagenumwobenen „Glöckleins“ gekrönt.

Den Marienbrunnen ziert eine barocke Muttergottesstatue aus dem Nachlass des Berauer Frauenklosters.
Den Marienbrunnen ziert eine barocke Muttergottesstatue aus dem Nachlass des Berauer Frauenklosters. | Bild: Erhard Morath

Schräg gegenüber, Richtung Roggenbuckel, plätschert Wasser in den Brunnentrog des Marienbrunnens. Seinen Namen erhielt er wohl ob einer barocken Muttergottesstatue, die den Brunnstock immer noch ziert. Diese Figur erwarb Bonndorf aus dem Nachlass des Berauer Frauenklosters nach dessen Auflösung im Jahre 1817. Die Sanierung des Brunnentroges in jüngerer Zeit wurde vorrangig zweckmäßig verwirklicht. Der barocke Stil des Gesamtensembles blieb dabei leider auf der Strecke.

Philosophenweg

Nun schlendere ich die Brunnenstraße hinauf, lasse das einstige Wohnhaus des Heimatdichters Alois Burger (1908 bis 1959) in der Spiegelstraße 2 links liegen und gelange über die Lindenstraße, wahlweise auch übers Adlerfußwegle, in den Philosophenweg.

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Beinahe topfeben zieht sich der Fuß-, neuerdings auch Radweg, bis zum ausladenden Lindenplatz hin. Der Blick auf Bonndorf zu meinen Füßen einerseits und bergseitig auf verschiedene Sinnsprüche kluger Menschen andererseits, entlockt mir Zustimmung – wahrlich prächtig. Dies gilt sowohl der Anlage des Weges, dem feinen Umfeld als auch der Namensgebung des Weges.

Die Allee Philosophenweg ist eine Besonderheit an sich.
Die Allee Philosophenweg ist eine Besonderheit an sich. | Bild: Erhard Morath

Während das weitläufige, direkt am Weg liegende Damwildgehege bereits im Heimatpfadtext Erwähnung findet, ebenso die davor angelegte Teich-Brunnen-Landschaft, fehlt logischerweise ein Hinweis auf die heimelige Kreuzkapelle. Nicht verwunderlich, schließlich wurde sie von privat erst vor wenigen Jahren mit Liebe zum Detail erbaut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. An Silvester und den frühen Neujahrsstunden verfolgen von hier oben aus viele Bonndorfer die Vielzahl von berstenden und Funken sprühenden Feuerwerkskörpern über Bonndorf.

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Gelegentlich unterhalten sich auch ältere Semester „Weisch no sellmol“ über ein zweitägiges Lichterfest, das der Schwarzwaldverein hier oben einst ausrichtete. Von Hand und aus Holz gefertigte Marktbuden, Lichter und Laternen, Musik, Bier, Wein und leckere Speisen unter Bäumen und freiem Himmel entfalteten besonders in der Dämmerung und des Nachts eine unbeschreiblich schöne Feierstimmung.