Dieses Jahr stapften Susanne Spachholz und Harald Hien, beide mit Familienanhang, bereits Mitte September übers Feld und sammelten ein besonderes Gewächs. Bei einem Hüfinger Landwirt versorgten sich die Vorstandsmitglieder – eigentlich den Handels- und Gewerbeverein Bonndorf – etwas früher als sonst üblich, mit Runkelrüben. Aus der Futterrübe entstehen im Vorfeld des Herbstfests der Löwenstadt jahrein jahraus kleine Kunstwerke.

Die Künstler haben die Auswahl zwischen wenigen Zentimeter großen Exemplaren der Runkeln, wie sie Susanne Spachholz in Händen hält, und 30 Zentimer langen Exemplaren der Futterrübe, wie sie Harald Hien zeigt.
Die Künstler haben die Auswahl zwischen wenigen Zentimeter großen Exemplaren der Runkeln, wie sie Susanne Spachholz in Händen hält, und 30 Zentimer langen Exemplaren der Futterrübe, wie sie Harald Hien zeigt. | Bild: Stefan Limberger-Andris

Gegen 13.30 Uhr rumpelte am Mittwoch ein alter Leiterwagen, befüllt mit rund 150 Stück Runkelrüben, durch das Hauptportal des Sparkassengebäudes in den Schalterraum. Für Passanten ein ungewohnter Anblick. 20 Minuten später war am und um den Wagen alles herbstlich dekoriert – Annette Dietsche, Nathalie Wörz, Susanne Spachholz und Harald Hien hatten ganze Arbeit geleistet. Nun können sich Künstler, ob alt oder jung, die am Runkele-Schnitzwettbewerb teilnehmen möchten, bis einschließlich Freitag, 18. Oktober, kostenlos orange-rote Runkelrüben abholen, in dem ansonsten Geldgeschäfte abgewickelt werden.

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In früheren Jahren lagen die Runkeln vor den Geschäften aus, nun gibt es sie also ausschließlich im Sparkassengebäude. Warum die Änderung? Zwar war die Hackfrucht bis zum Herbstfest bislang weitgehend mitgenommen worden, der dann doch deutlich geringere Rücklauf bereitete dem HGV-Vorstand jedoch schon seit langem Stirnrunzeln. Mag sein, dass etliche Rüben als Tierfutter verwendet wurden, grübelt Susanne Spachholz. Was letztlich nichts Verwerfliches sei, jedoch dem Sammelaufwand durch den HGV im Vorfeld des Herbstfestes nicht gerecht werde.

Wie lange es den Runkele-Schnitzwettbewerb, so heißt die Geschichte offiziell, bereits gebe? Susanne Spachholz überlegt kurz – dies könne sie nicht genau sagen. Wohl seit eineinhalb Jahrzehnten, schätzt sie. Eines könne sie jedoch sicher sagen, der Wettbewerb gehöre einfach zum Bonndorfer Herbstfest dazu, das in diesem Jahr zum 17. Mal veranstaltet wird. Diesmal lautet das Thema des Schnitzwettbewerbs übrigens „Unter Wasser“. Abgegeben werden können die Kunstwerke, die in den Tagen vor dem Herbstfest bei etlichen Familien zu Hause entstehen, dann am Veranstaltungssonntag in der Sparkasse. Dort gibt es auch die Prämierung.

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Also, ein wenig Tradition steckt schon hinter der Geschichte. Und damit diese fortbesteht, wurden zusätzlich zu den in der Sparkasse deponierten Runkeln drei Körbe vollgepackt mit Runkelrüben an die Grundschule Bonndorf abgegeben. Die Lehrer, so der Grundgedanke des HGV-Vorstands, können den Schülern dann zeigen, wie so eine Runkelrübe ausschaut und zeigen, dass man daraus durchaus etwas Tolles schnitzen kann.

Runkele auch in kulinarischer Form?

Die Motivation zur Teilnahme am Runkele-Schnitzwettbewerb sei in späteren Lebensjahren dann vielleicht größer. Susanne Spachholz ist jedoch auch Realistin. Falls das Interesse irgendwann einmal gänzlich nachlassen sollte, werde sich der HGV etwas Neues überlegen. Vielleicht die Runkelrübe als kulinarische Leckerei in Suppenform anbieten – Speck, Zwiebeln und gekochte Rübenstückchen? Derweil gilt allerdings noch der Wettbewerb – immerhin jährlich werden zwischen 15 und 20 künstlerische Kreationen abgeliefert.

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Die 150 Runkelrüben vom Feld eines Hüfinger Landwirts landeten Mitte September zunächst in einem Autoanhänger, dann bei Harald Hien im dunklen, kühlen Kellerraum. Nun lagern sie im Sparkassengebäude. Vorteil dort: Die Schnitzer können sich ihre Runkelrüben aussuchen, ganz so, wie sie es künstlerisch benötigen, erläutert die HGV-Vorsitzende – vom drei Zentimeter Mini- bis hin zum rund 30 Zentimeter langen Exemplar. Bislang sei die Hackfrucht in doch recht kleinen Körben vor den Ladengeschäften ausgelegt gewesen, vielleicht drei oder vier Stück pro Korb. Ach ja: Sollten diesmal weniger Rüben fürs Künstlerische Verwendung finden als ausliegen, verteile der HGV einen Runkele-Restposten gerne an Interessenten zur Verfütterung an Tiere, versichert Susanne Spachholz.