Den diesjährigen Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg erhält am Samstag die Künstlerin Ulrike Ottinger für ihr „ungeheuer reiches und vielfältiges Lebenswerk“, wie Kunststaatssekretärin Petra Olschowski Anfang März im Vorgriff auf die Verleihung erklärte. Die Künstlerin sei „eine der aktuell einflussreichsten Künstlerinnen aus Baden-Württemberg“. Im Anschluss an die Verleihung öffnet die Ausstellung im Hans Thoma-Kunstmuseum ihre Pforten, in der Ulrike Ottinger anhand ihrer Werke Bezüge aufzeigt zwischen Mexiko, der Mongolei und Europa.

Das könnte Sie auch interessieren

Als Hinweis auf diesen Hintergrund der Exponate hat die „Filmemacherin, Fotografin und Weltensammlerin“, wie sie anlässlich einer Ausstellung in Berlin bezeichnet wurde, ein abgewandeltes Goethezitat des Kulturwissenschaftlers Aby Warburg aus dem Jahr 1923 über dem Eingang zu den Ausstellungsräumen angebracht. Es lautet „Es ist ein altes Buch zu blättern, Athen – Oraibi alles Vettern“.

Wie Warburg die fortwährende Zeitgenossenschaft indigener und europäischer Kultur zu seinem Thema machte, so setzt sich auch Ulrike Ottinger in ihrer Ausstellung mit Parallelen der Kulturen auseinander. Dies tut sie in erster Linie mit ausgesprochen imposanten fotografischen und filmischen Mitteln. Daneben macht sie anhand von bearbeiteten Landkarten Geschichte greifbar.

Wie schon in der Ausstellung „Floating Food“ 2011 im Berliner Haus der Kulturen der Welt, aus der einige Ausstellungsstücke übernommen wurden, verwandelt die Künstlerin die ganze Ausstellungsetage in eine Inszenierung, eine begehbare Collage sozusagen. In einem als Minikino eingerichteten kleinen Ausstellungsraum ist ein dreiteiliger, insgesamt achtstündiger Film zu sehen, der dokumentarisch anhand unterschiedlicher Themenbereiche wie etwa der Arbeit eines Silberschmiedes oder dem Gespräch mit einer alten Schamanin die Kultur der Mongolen ausbreitet.

Im Eingangsbereich zum großen Ausstellungsraum sehen sich ausdrucksstarke großformatige Porträts von Mongolen rechterhand und Mexikanern auf der linken Seite gegenüber. Durch die Mongolei reiste Ulrike Ottinger in den Jahren 1987/88 und nochmals 1991, in Mexiko war sie im Jahr 2004. Im großen Ausstellungsraum hängen sich das großformatige Foto eines Rentiernomadenpaares vor ihrem Zelt und Impressionen von der kanarischen Insel El Hierro gegenüber. Die Fotos von Fischen und einem als Opfer drapierten Fischerboot stammen aus den Anfangsachtzigern und verweisen auf ein Filmprojekt, das Nomadenpaar in Sibirien besuchte Ulrike Ottinger im Jahr 2014.

Das könnte Sie auch interessieren

In der Mitte des Raumes prangt als Symbol für Europa ein großes Zelt, auf dem verschiedene Abbildungen zu sehen sind, von Max Beckmanns „Raub der Europa“ von 1933 über der Darstellung einer Schlachtung und einem richtigen Stierfell zum Ursprung des Europa-Mythos in Form einer Vasenmalerei und zur symbolistischen Variante der Geschichte in einem Ausschnitt aus Gustave Moreaus Bildnis Europas mit dem Stier.Mehrere bearbeitete Landkarten vervollständigen diese Präsentation.

Eine davon zeigt den Stand der Erforschung Asiens aus mehreren Jahrhunderten, eine andere Routen von Weltreisen wie der Adelberts von Chamisso 1815, mit der sich auch der jüngste, 2014 entstandene Film von Ulrike Ottinger beschäftigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Dekoriert – ein eigentlich viel zu banales Wort für dieses das Atmosphärische dieser Präsentation als wesentlichen Bestandteil der Kultur identifizierende Ambiente – sind die einzelnen Teilbereiche mit imposanten Federteppichen oder Vogelinstallationen, Weltreisende der Lüfte, passend zur Darstellung der Weltreisen auf den Landkarten. „Diese ganze bunte Vielfalt, diese eindrucksvolle Kulturpräsentation ist etwas ganz Anderes als alle bisherigen Ausstellungen“, schwärmt Museumsleiterin Margret Köpfer.

Die Ausstellung „Mongolia – Mexico – Europa“ von Hans-Thoma-Preisträgerin Ulrike Ottinger ist vom 15. August bis zum 17. Oktober im Hans-Thoma-Kunstmuseum in Bernau zu sehen.