Seit dem Jahr 2006 kartiert der Schwarzwaldverein die Weidbuchen im Südschwarzwald, die Kartierung soll bis zum Jahresende abgeschlossen sein. In Bernau haben Helga und Hartwig Günther ehrenamtlich die Darstellung des Bestandes übernommen und rund 200 Standorte mit mehr als 500 bis 600 einzelnen Bäumen erfasst.

Weidbuchen sind auf den Weidfeldern im Südschwarzwald, auf denen die Bauern seit Jahrhunderten ihr Vieh weiden lassen, zu finden. Mit Unterstützung des Naturparks Südschwarzwald und des Biosphärengebietes ist der Schwarzwaldverein damit befasst, die bis zu 250 Jahre alten Weidbuchen im Südschwarzwald von Oberried bis ins Wiesental, in Bernau, Menzenschwand, Dachsberg und dem Hotzenwald zu kartieren, sagt Peter Lutz, Naturschutzreferent des Hauptvereins.

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Weidbuchen in ihrer heutigen Form entstehen dadurch, dass die auf den Weiden wachsenden Jungbäume immer wieder von Rindern verbissen werden. Dicht über dem Boden treibt der junge Baum zu den Seiten wieder aus, es entsteht ein sogenannter Kuhbusch. Ein Vorgang, der sich über Jahre und Jahrzehnte wiederholt.

Wie abgeschnitten sehen die Weidbuchen im unteren Teil aus, Blätter und Zweige werden von Rindern abgefressen.
Wie abgeschnitten sehen die Weidbuchen im unteren Teil aus, Blätter und Zweige werden von Rindern abgefressen. | Bild: Christiane Sahli

Bäume, die nur eine Höhe von einem halben Meter haben, können schon bis zu 50 Jahre alt sein, zeigte Lutz an einem Beispiel. Nach Jahrzehnten erreichen die Bäume eine Höhe und Breite, dass die Rinder die Mitte des Kuhbusches nicht mehr erreichen können. Dann streben die Triebe nach oben, nach und nach schaffen es immer mehr der kleinen Triebe, nach oben durchzukommen.

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Dadurch entstehen Bäume mit mehreren Stämmen aus einer Wurzel, bei ihrer Kartierung hat Helga Günther 24 Stämmen eines einzigen Baumes gezählt. Und noch eines zeichnet die großen Weidbuchen, die unter anderem auch Flechten und Moosen einen Lebensraum bieten, aus: Sie sehen im unteren Bereich aus wie abgeschnitten, da die Rinder die erreichbaren Triebe und Blätter abfressen. Und dadurch, dass die Weidbuchen auf dem freien Feld mehr Platz als die Bäume im Wald haben, entwickeln sie meist eine kugelähnliche Form.

Kartiert werden konnten im Südschwarzwald seit 2006 rund 2000 Standorte mit mindestens 10 000 Bäumen. In Bernau haben die Günthers inzwischen 200 Standorte, teilweise mit zahlreichen Bäumen, aufgenommen, insgesamt mindestens 500 bis 600 einzelne Bäume. Bis Ende des Jahres soll die Kartierung im gesamten Südschwarzwald abgeschlossen sein. Die Ergebnisse sollen Naturpark und Biosphärengebiet zur Verfügung gestellt werden, sie sollen aber auch öffentlich zugänglich und Grundlage für Zukünftiges sein, sagte Lutz. Und auch Gespräche mit Weidewarten und anderen für die Weiden Verantwortlichen soll es geben. Denn die Offenhaltung der Landschaft mit dem Erhalt der Weidbuchen auf den Weidefeldern unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer ganz einfach.

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