In der aktuellen Sonderausstellung „Zurück ins Rampenlicht. Gemälde aus einer süddeutschen Privatsammlung“ im Hans-Thoma-Kunstmuseum in Bernau ist neben vielen anderen Werken ein besonders gelungenes Winterbild von Karl Biese zu sehen, das den Kennerblick des Kunstsammlers ebenso unter Beweis stellt wie die außergewöhnliche Begabung des Künstlers. Es handelt sich um ein Aquarell auf Papier, und die Arbeit misst lediglich 29,6 mal 45,4 Zentimeter. Aber diese kleine Malfläche hat es in sich. Die Ausstellung ist bis zum 24. April zu sehen.

Der Karlsruher Kunsthistoriker Rudolf Theilmann hat das Wesentliche zu Leben und Werk des Malers gesagt: Biese wurde 1863 in Hamburg geboren. Er durchlief zunächst eine Lehre im Maler-Handwerk und arbeitete dann als Theatermaler. Im Alter von 20 Jahren kam er aufgrund eines Stipendiums an die Kunstakademie Karlsruhe, wo er, zuletzt als Meisterschüler von Gustav Schönleber, studierte. 1899 übersiedelte er nach Grötzingen und unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu Hans Thoma, dessen Schüler er zeitweise war.

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Seine Themen fand Biese in der Umgebung von Karlsruhe und, nach dem Umzug nach St. Märgen, im Schwarzwald, wo Ölstudien, Gemälde, Aquarelle und Lithographien entstanden. Die bewusste Reduktion auf charakteristische Erscheinungsformen der Außenwelt verdankt sich dem Einfluss seines Freundes Gustav Kampmann. Insbesondere inspirierten Biese die müden, zurückgenommenen Farben des Winters, die er wie kaum ein anderer beherrschte. So kam es, dass er den Beinamen „Schnee-Biese“ erhielt. Er war ein Meister der leisen Töne.

Sein Aquarell „Winter am Titisee“, das um 1910 entstand, führt den Betrachtern das souveräne Können des Künstlers deutlich vor Augen. Das farblich äußerst zurückhaltende Bild ist klar gegliedert: Der Hintergrund „im goldenen Schnitt“ wird von einigen bläulichen und weißgrauen Baumgruppen gebildet, die weitgehend abstrahiert sind. Darunter folgen der weiße Talgrund und, im Zentrum, nochmals Bäume sowie eine Häusergruppe mit braunen Fassaden und weiß verschneiten Dächern. Biese starb 1926 in Tübingen. Seine Werke befinden sich in verstreutem Privatbesitz, zugleich in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe und in der Städtischen Galerie Karlsruhe.

Die Öffnungszeiten (coronabedingt bis zum 8. Februar geändert): Mittwoch bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 11.30 bis 17 Uhr. Weitere Infos im Internet.

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