Herr Schönemann, in Bernau gibt es immer viele Veranstaltungen, die 2020 größtenteils ausgefallen sind. Welche Zwischenbilanz ziehen Sie für das Jahr?

Es ist definitiv anders und es ist durchaus ein tristeres Jahr. Die Hauptversammlungen, Konzerte und Feste und viele andere Aktivitäten sind weggebrochen. Sehr spürbar waren die Auswirkungen auch im Tourismus – alles ist, zumindest bis Ende Mai, weggebrochen.

Und wie geht es den anderen Branchen in der Gemeinde?

Die meisten Gewerbebetriebe in Bernau, von groß bis klein, sind bisher noch glimpflich davongekommen.

Macht Corona 2020 zum tristen Jahr?

Es ist schon trister, wir hoffen alle, dass es nicht noch so ein Jahr gibt. Aber nicht nur Corona macht uns Probleme: Im Wald hat sich schon im letzten Jahr eine weitere Tristesse angekündigt. Weder Sturm noch Trockenheit haben uns verschont. Wir konnten schon früh annehmen, dass es für den Wald ein schlechtes Jahr werden wird – mit allen finanziellen Auswirkungen.

Wie sieht es überhaupt finanziell für die Gemeinde aus?

Der Tourismus hatte das Problem, dass eine lange Zeit lang überhaupt keine Gäste da waren. Über ein Viertel des Jahres gab es einen Komplettausfall. Der ist nur schwer wieder aufholbar. Es fehlt nicht nur den Betrieben das Geld, der Gemeinde fehlen die Einnahmen aus der Kurtaxe und die Fremdenverkehrsabgabe. Es war jedoch für uns gar kein Thema, beispielsweise laufende Vorauszahlungen von Betrieben auf Antrag bis auf Weiteres auszusetzen.

Wie kommt Bernau damit zurecht?

Für Bernau ist das im Moment noch kein Drama, die Liquidität war bislang nie ein Problem.

Wie sieht Ihre Prognose aus?

Mittelfristig werden wir zurückgehende Gewerbesteuereinnahmen und auch geringere Zahlungen des Landes zu spüren bekommen. Im Wald werden wir uns auf Nullrunden oder sogar auf Verluste einstellen müssen. Im Zusammenhang mit den geringeren Steuereinnahmen wird das auch seine Spuren hinterlassen.

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Eine schlechte Prognose bedeutet, dass Sie sich auch mit Einsparmöglichkeiten beschäftigen?

Wir müssen uns natürlich überlegen, wo wir den Rotstift anlegen müssen.

Können Sie Beispiele nennen?

Die Automatisierung der Beschneiungsanlage und auch der Gehweg bei Riggenbach sind zum Beispiel für dieses Jahr gestrichen oder verlegt. Der Bauhof bekommt jetzt auch keinen Elektrostapler. Das alles, damit wir bei der Liquidität nicht zu schlecht rauskommen. Das größte Projekt, der Breitbandausbau, läuft dagegen jetzt richtig gut. Der Ausbau ist aber finanziell abgesichert und überhaupt nicht in Gefahr. Auch andere Maßnahmen, zum Beispiel Straßensanierungen, werden in diesem Jahr abgeschlossen.

Schulden sind für Bernau auch weiterhin kein Thema?

Ich gehe davon aus, dass wir auch in diesem Jahr keine Schulden machen müssen. Wie das in den Folgejahren aussieht, weiß man nicht.

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Das Gemeinschaftsleben war und ist eingeschränkt. Wie wirkt sich das aus?

Ja, die Gemeinschaft war viel stärker betroffen. In den Vereinen und bei Veranstaltungen engagieren sich sehr viele Menschen, die nicht mehr zusammenkommen konnten. Aber in den vergangenen Monaten wurde das Gemeinschaftsgefühl auch gestärkt. Jugendliche, deren Ausbildung durch Corona ins Stocken geriet, haben sich für andere Menschen eingesetzt. Und der Frauenverein, der viel im Hintergrund tätig ist, war auch zu Corona-Zeiten viel unterwegs. Als die Einschränkungen am stärksten waren, war es spürbar, dass die Menschen sich Gedanken gemacht haben, wie man helfen und zusammenstehen kann.

Welche Gedanken machen Sie sich zur zweiten Corona-Welle?

Ich hoffe, dass es nicht so schlimm kommt und nicht so einschneidende Maßnahmen getroffen werden. So ein Einschnitt würde auf das kommende Haushaltsjahr große Auswirkungen haben, da müsste man schon auf das Geld schauen.

Denken Sie an etwas Bestimmtes?

Das geplante Feuerwehrhaus und auch eine Sporthalle können wir ohne Zuschüsse nicht bauen. Auch der Kindergarten ist ein Thema: Die Gemeinde hat derzeit keine Krippenplätze, weil wir die räumlichen Möglichkeiten nicht haben. Eine Krippe ist für die Zukunft wichtig, also muss man sich zwangsläufig Gedanken dazu machen. Feuerwehr und Kindergarten sind Pflichtaufgaben. Das Feuerwehrhaus ist für mich deshalb auch keine Frage. Die Frage ist nur, wann wir es umsetzen können. Ich bin schon gespannt, wie es mit den Förderprogrammen weitergeht.

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Gibt es etwas Positives zum Schluss?

Touristisch sieht es im Moment gut aus. Die Betriebe haben ausgebuchte
Zimmer und volle Restaurants. Die Buchungen für Juli und August waren überdurchschnittlich. Auch der verbesserte Wohnmobilstellplatz wird sehr gut angenommen. Wenn das so anhält, kann das Minus aus den Corona-Hauptmonaten zu einem guten Stück doch wieder aufgeholt werden. Außerdem haben auch die Vereine wieder vorsichtig mit ihren Aktivitäten angefangen und das jeweilige „Zusammen“ kehrt langsam zurück. Ich hoffe zudem, dass der kommende Winter wieder ein normaler Schwarzwaldwinter wird und wir das beliebte Schneeskulpturenfestival, wenn auch unter Corona-Bedingungen, wieder durchführen können.