„Flattermann“ ist der Titel der neuen Sonderausstellung mit Werken von Thomas Putze im Hans-Thoma-Kunstmuseum in Bernau. Als realer Flattermann gestaltete der Künstler die Vernissage in Form einer Performance im Anschluss an die von Katrin Burtschell, Dozentin an der Freien Kunstakademie Nürtingen, gehaltene Laudatio selbst mit. Am Samstag, 25. Juni, wird er um 19.30 Uhr außerdem ein Konzert in der Ausstellung geben.

Der Bär, neben der Krähe Putzes bevorzugtes Sujet, hat im kleineren Ausstellungsraum im Obergeschoss des Museums seine eigene Bärenhöhle bekommen. Er sei aus der unfreiwilligen Winterruhe der vergangenen beiden Jahre erwacht, so Katrin Burtschell, hätte die Ausstellung doch ursprünglich im Mai 2020 stattfinden sollen. Noch ein wenig benommen trete er ans Tageslicht, und es sehe so aus, als würde er angesichts der momentanen Situation auf unserem Planeten auch in diesem Frühling seine Energieressourcen nicht leicht wieder auffüllen können.

Das Hans-Thoma-Kunstmuseum in Bernau zeigt derzeit eine Ausstellung mit Werken von Thomas Putze.
Das Hans-Thoma-Kunstmuseum in Bernau zeigt derzeit eine Ausstellung mit Werken von Thomas Putze. | Bild: Susanne Filz

Die Beschäftigung mit dem Material Holz und mit einer Tierwelt, die oft als Spiegelbild menschlicher Verhaltensweisen erscheine, stellt sich für Katrin Burtschell als logische Konsequenz von Thomas Putzes Werdegang dar. Seine Naturverbundenheit habe sich in seiner Tätigkeit als Landschaftsgärtner und Baumpfleger niedergeschlagen. Mit der Schöpfung habe er sich auch während seines Theologiestudiums auseinandergesetzt, bis ihn das Verlangen nach der eigenen Schöpfung zum Kunststudium gebracht habe.

Diese Flattermann-Statue von Thomas Putze ist Teil der aktuellen Ausstellung im Hans-Thoma-Museum in Bernau.
Diese Flattermann-Statue von Thomas Putze ist Teil der aktuellen Ausstellung im Hans-Thoma-Museum in Bernau. | Bild: Karin Stöckl-Steinebrunner

Der Bär als Verkörperung von Massivität und im Gegensatz dazu der Vogel als Überwinder der Schwerkraft – beide seien bei Putze ambivalent. Stehe der Bär für Kraft, aber auch für maximale Beweglichkeit bei maximalem Körpergewicht, so erkundeten Vögel mit Leichtigkeit den Raum, seien aber bei Weitem nicht immer die majestätischen Fürsten der Lüfte. Als Bild der komplexen Gedankenwelt des Künstlers dominieren und kommentieren Bär und Krähe seit vielen Jahren Putzes Werk, „frech, schonungslos, klug, voller Witz und Formenreichtum“, wie Katrin Burtschell feststellte, und sie treten damit selbst als Künstler in Erscheinung.

Gesägt, behauen, aber meist auch ein Stück weit roh belassen, wirken die Bärenskulpturen beinahe wie Relikte aus einer anderen Welt. Putzes Vögel hingegen, oft aus einem Materialmix von Holz, Metall und Alltagsgegenständen gestaltet, flattern, ganz Gegenwart, wild, draufgängerisch oder selbstironisch und mitunter auch ziemlich jämmerlich einher. In den großformatigen Tuschezeichnungen wirken die Bären und Vögel höchst präsent und in der Reduktion auf eine bestimmte Pose oder eine Bewegung ausgesprochen ausdrucksstark.

In den Jahren zwischen 1994 und 1998 war Thomas Putze vor seinem Studium der Malerei und der Bildhauerei freiberuflich als Illustrator und Musiker tätig, und auch heute noch gibt es kaum eine Ausstellungseröffnung seiner Werke, bei der er keine Performance geplant hätte. So wurden die mehr als 60 Besucher der Vernissage im Anschluss an die Laudatio zu einer kleinen „Maiwanderung“ zum Parkplatz am Köpfle-Lift aufgefordert. Als „Flattermann“ kam der Künstler den Hang heruntergesegelt, wurde mit vereinten Kräften von dort zum Musikpavillon im Kurpark getragen und sang dort das Lied über den „Flattermann“, tatkräftig unterstützt durch den Luftzug, den die Besucher durch rhythmisches Schwingen von Aktendeckeln erzeugten. Alle Anwesenden beteiligten sich freudig an der Aktion, die Stimmung war ausgezeichnet.