Zu einem fachlichen Austausch mit Vertretern der Landwirtschaft und Bernaus Bürgermeister Alexander Schönemann ist die Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD), auf den Goldbachhof von Markus Kaiser in Bernau gekommen. Eine große Rolle spielte dabei das Spannungsfeld zwischen Interessen der Landwirtschaft und Naturschutz.

Die Themen

Viele die Landwirte betreffende Themen kamen bei dem Treffen in Bernau zur Sprache, zu dem auch die Kreisvorsitzenden des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, Clemens Speicher und Oswald Tröndle, gekommen waren. Es ging unter anderem um die Haltung und Vermarktung von Weiderind, die Offenhaltung der Landschaft, Förderrichtlinien, aber auch die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der Europäischen Union.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Landwirtschaft sei ein kompliziertes Handwerk, das regional sehr unterschiedlich und nicht vergleichbar sei, sagte die Staatssekretärin. Es gelte, auch unter Einbeziehung des Naturschutzes, zu entscheiden, was von Bedeutung sei und Kompromisse zu finden. Eines sei wichtig, so Schwarze­lühr-Sutter: „Am Ende des Tages muss der Betrieb um die Kurve kommen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Ihre Frage nach der Kommunikation zwischen der unteren Naturschutzbehörde und den Landwirten beantwortete Speicher. Der Austausch habe stark nachgelassen, sagte er. Man habe den Eindruck, dass vonseiten des Naturschutzes vieles einfach durchgeboxt werde. Als Landwirt habe man kaum noch Entwicklungsmöglichkeiten, da sich viele Flächen in FFH- und Naturschutzgebieten befänden. Die damit verbundenen Anforderungen könnten häufig nicht mehr erfüllt werden. „Die Schlinge wird immer enger“, formulierte er es. Viele Betriebe geben daher auf, sagte er bedauernd. Vieles sei einfach nicht mehr nachvollziehbar, ergänzte Tröndle, als Landwirt habe man keine Spielräume mehr.

Die Vorschriften

Für einige Mitarbeiter der Naturschutzbehörden seien die Vorschriften „wie die Bibel“. Und wenn man manches nicht mehr machen könne, verbunden mit einem Rückgang des Ertrages, werde die Produktion ins Ausland verlegt, brachte Tröndle einen weiteren Aspekt ins Spiel. Viel Verständnis zeigte die Staatssekretärin für die Anliegen und Probleme der Landwirte. Sie brach aber eine, wie sie sagte, Lanze für den Naturschutz, indem sie auf den dramatischen weltweiten Artenrückgang hinwies, der durch Schutzgebiete aufgehalten werden solle. „Es braucht ein funktionierendes Ökosystem, damit auch die Landwirtschaft funktioniert“, fügte sie an.

Kompromisse

Aber warum bekommt man nicht alle an einen Tisch? Gibt es gemeinsame Workshops, um die Probleme anzugehen? Workshops gebe es zwar in Rahmen des Biosphärengebietes, beantwortete Speicher die Fragen der Staatssekretärin. Aber danach gingen alle wieder ihren eigenen Weg. Es sei wichtig, beide Seiten zu sehen und sich zu fragen, wie es funktionieren könne, sagte Schwarzelühr-Sutter. Aber: „Es geht“, zeigte sie sich zuversichtlich.

Bürgermeister Alexander Schönemann sprach ein weiteres Problem an: Die Offenhaltung der Landschaft. Die Weidelandschaft mit ihrer Artenvielfalt müsse erhalten werden. Es gebe aber zu wenig Hände, um die Offenhaltung zu schaffen, sagte er. Man müsse in der Gesellschaft ein entsprechendes Bewusstsein schaffen. Landwirt Markus Kaiser nannte als Beispiel für helfende Hände eine private Initiative in Bernau, die sich für die Offenhaltung eines Bereiches engagiert.