Der Holzmarkt und die Waldeigentümer stehen derzeit unter Druck. Schädlingsbefall, der Klimawandel und auch die möglichen Verkaufserlöse erschweren die Forstwirtschaft. Spannend ist die Ökokontierung für die Gemeinde Bernau, sagte Bürgermeister Alexander Schönemann im Gemeinderat. Vorgestellt hat das System und die Möglichkeiten der Gebietsleiter Nord des Kreisforstamts, André Eickmann.

Für jeden Eingriff in Natur und Landschaft muss ein Ausgleich geschaffen werden. Erschließt die Gemeinde Bernau oder eine andere Kommune beispielsweise ein Baugebiet, muss eine Naturfläche an anderer Stelle in irgendeiner Weise aufgewertet werden.

Wenn Kommunen oder private Eigentümer ihre Waldflächen aufwerten, ohne einen Ausgleich zu schaffen, können sie Ökopunkte auf einem naturschutzrechtlichen Ökokonto gutgeschrieben bekommen. Interessant für die Gemeinde Bernau sei, dass solche Ökopunkte auch einen Wert haben und gehandelt werden können.

Die möglichen Maßnahmen, für die man Ökopunkte erhalten kann, seien genau festgelegt, erläuterte Eickmann. Die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Waldshut, die die naturschutzrechtlichen Ökokonten auch führe, müsse die Maßnahmen genehmigen und kontrollieren. Möglich seien beispielsweise die Umsetzung eines Alt- und Totholzkonzepts oder auch ein Waldumbau, erläuterte der Fachmann.

Jeden Eingriff ausgleichen

In jedem Wald, so auch im Bernauer Forst, finde man Flächen, deren Bewirtschaftung sich nicht wirklich lohne, die vielleicht auch heute schon extensiv bewirtschaftet werden. Diese könnten zum Beispiel stillgelegt werden, erklärte Eickmann. Oder Fichten entlang eines Bachlaufs könnten entfernt und die Fläche zu einem Auwald umgebaut werden, nannte der Forstexperte ein weiteres Beispiel.

Ziel sei es, durch solche Maßnahmen die Artenvielfalt zu erhalten oder zu erhöhen. Jedes umgesetzte Projekt wird nach einem bestimmten Bewertungssystem in Ökopunkte umgerechnet, die wiederum einen bestimmten Wert haben – im Landkreis Waldshut, so Eickmann entspreche ein Ökopunkt etwa 80 Cent. Ersetze man beispielsweise Fichten durch Eichen, erhalten man pro Hektar ungefähr 60.000 Punkte. Und während ein Fichtenforst pro Quadratmeter 14 Ökopunkte einbringe, seien es beim Auwald 23 Punkte.

Gehandelt werden diese Ökopunkte nicht an irgendeiner Börse und schon gar nicht weltweit, der Verkauf könne „in erster Linie im selben Naturraum“ erfolgen, erläuterte Eickmann. Bernau gehört laut Eickmann zum Naturraum Schwarzwald, Freiburg zum Südlichen-Oberrhein-Tiefland.

Möchte zum Beispiel eine Kommune ein Projekt umsetzen, ohne selbst den entsprechenden Ausgleich schaffen zu können, könnte sie also bei der Gemeinde Bernau die benötigten Ökopunkte als Ausgleich kaufen. Ob es dann aber tatsächlich Interessenten geben wird, die Ökopunkte der Gemeinde Bernau abkaufen wollen, könne Eickmann nicht versprechen.

Der Bernauer Gemeindewald sei bereits kartiert, sagte Eickmann. Ein schneller Überblick, welche Flächen sich möglicherweise dafür eignen, Ökopunkte zu generieren, könne das Waldshuter Kreisforstamt der Gemeinde deshalb verhältnismäßig einfach erstellen. Erst wenn dieser vorliegt, will sich der Gemeinderat mit dem zuständigen Revierförster genauere Gedanken über mögliche Maßnahmen machen, hieß es. Aufgeschlossen für diese Möglichkeit sind die Mitglieder des Bernauer Gremiums aber auf alle Fälle.