Mit einer kleinen Reihe soll der Appetit auf eine Ausstellung im Bernauer Hans-Thoma-Museum geweckt werden, die stattfinden soll, sobald das trotz Corona-Epidemie, wieder möglich ist – Ende des Monats wird es wahrscheinlich soweit sei. In Abänderung des geplanten Ausstellungsprogramms soll dann unter dem Titel „Wir sind die Neuen“ ein Teil jener Werke gezeigt werden, die in den vergangenen fünf Jahren dem Haus übereignet wurden. Einige dieser Werke stellen wir vor.

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Diesmal ist es Werk von Hans Thoma selbst. Das Ölbild zeigt die Waldstadt Säckingen und ist auf 1912 datiert. Vor vier Jahren machte Manfred Gerteis die Säckingen-Ansicht der Gemeinde Bernau zum Geschenk. Zuvor war das Bild nirgends in der Thoma-Literatur aufgetaucht. Das Verdienst, das Gemälde identifiziert zu haben, gebührt dem unter anderem auf Thoma spezialisierten Kunsthändler Gottfried Pütz. Er recherchierte akribisch und entdeckte es in einem Berliner Auktionskatalog aus dem Jahr 1933, in dem es abgebildet war. Vor der Übergabe an das Bernauer Museum wurde das Säckingen-Bild von Peter Waldeis, dem früheren Chefrestaurator am Frankfurter Städel-Museum, aufwendig restauriert.

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Hans Thoma hat sich der Hochrheinlandschaft häufig gewidmet. Besonders bekannt sind die Gemälde, die die vier Waldstädte Waldshut, Laufenburg, Säckingen und Rheinfelden zeigen, die der Künstler 1870 im Auftrag des Säckinger Fabrikanten Otto Bally anfertigte. Aber bekannt sich auch andere Ansichten Säckingens von Thomas Hand, jenem Städtchen, in dem Cella Bertenender und der Künstler im Jahr 1877 heirateten und in dem seine Mutter und seine Schwester von 1867 bis zum Umzug nach Frankfurt im Jahr 1877 lebten.

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Dass das Säckingen-Gemälde bei einem Abstecher anlässlich der Übergabe der beiden Altarbilder an die Bernauer Kirche am Johannistag des Jahres 1912, wie man vielleicht meinen könnte, entstand, erscheint eher unwahrscheinlich. Denn Thoma fühlte sich, nach eigenem Bekunden, in dieser Zeit längst altersschwach. So schreibt er etwa am 8. Juli 1912 mit Rückblick auf seinen Aufenthalt in der Heimat an seinen Freund Henry Thode: „So ein Fest, wie das in Bernau, ist für einen 73-jährigen Greis eine schwere Sache … Das Alter ist eine Krankheit … Ich habe mich gefreut, als die Einladung zu den Generalproben aus Bayreuth kam …, aber gar bald kam die Einsicht, dass ich auch hier entsagen muß. Das Gehen wird mir beschwerlich…“. Vermutlich hat Thoma für das Gemälde von 1912 auf eine Zeichnung aus dem Jahr 1870 zurückgegriffen, die im Zusammenhang mit dem Bally-Auftrag entstand. Auch diese recht frühe Zeichnung konnte Gottfried Pütz ausfindig machen.

Mit Distanz gemalt

Das Bernauer Säckingen-Gemälde ist anders als das Bally-Auftragswerk von 1870. Mehr als 40 Jahre liegen zwischen den beiden Ansichten, und das Bild von 1912 vermittelt ganz den Eindruck, als sei es aus zeitlicher und räumlicher Distanz und mit dem Herzblut des Heimwehs gemalt. Die Stadt mit dem dominierenden Münster und den Bergen des Hotzenwalds im Hintergrund erscheint ein wenig in die Ferne gerückt. Und keine Staffagefigur lenkt von der Hauptsache ab.