Im Hans-Thoma-Kunstmuseum ist seit Sonntag eine neue Ausstellung mit dem Titel „Mykhailo Demtsiu trifft Hans Thoma“ zu sehen. Wie kommt diese Verbindung zustande? Nun, Mykhailo Demtsiu kommt nicht zum ersten Mal nach Bernau, seine Bilder sind auch nicht das erste Mal im Hans-Thoma-Kunstmuseum zu sehen. Bereits im Mai 2001 wurden Arbeiten von ihm im Bernauer Museum ausgestellt, ein weiteres Mal vor zehn Jahren im Rahmen des Projektes „Über die Berge“ – eine deutsch-ukrainische Begegnung mit Malern und Schriftstellern. Geboren wurde der Künstler 1953 in L’viv, dem früheren Lemberg in der Ukraine, wo er heute noch sein Atelier hat und mit seiner Familien wohnt. Seine Kindheit verbrachte er in einem kleinen Dorf am Fuße der Karpaten. An der Iwan-Trusch-Akademie für angewandte Kunst in Lemberg wurde er zum professionellen Künstler ausgebildet. Seit Beginn der 80er-Jahre arbeitet er als freiberuflicher Künstler mit Schwerpunkt Aquarell- und Ölmalerei. Seine frühen Werke zeigen vornehmlich Motive aus der Stadt Lemberg und dem Alltagsleben in den Karpaten, Frauenbildnisse und Ikonen.

Durch seine Reisen ins Ausland erweiterte sich entsprechend die Motivwahl. Städte, Meere, Begegnungen spiegeln sich nun in den Gemälden wieder. Neben den Reisen ins europäische Ausland unternimmt Demtsiu regelmäßig Reisen in die Karpaten, hier findet er Ruhe und Kraft für seine farbgewaltigen Bilder. Sein expressionistischer Stil findet in ganz Europa begeisterte Anhänger. Sein kraftvoller Ausdruck, seine pastöse, fast reliefartige Malweise, seine Sicherheit in Komposition und Farbgebung begeistern.

In der Ukraine ist Demtsiu ein anerkannter Künstler, der einerseits durch seine Offenheit für neue Inspirationen und andererseits durch die Verbundenheit mit der Tradition seines Landes vielen seiner Landsleute als Vertreter der Ukraine gilt. Er ist langjähriges Mitglied des Künstlerverbandes der Ukraine, 2009 wurde er vom Präsidenten mit der höchsten Auszeichnung für Kulturschaffende geehrt als „Nationaler Künstler der Ukraine“. Demtsius Werke haben ihren Weg in Museen und private Sammlungen in ganz Europa gefunden. Seit 1993 wurden seine Bilder außer in Kiew vor allem in Deutschland, Frankreich und Belgien gezeigt. Die 2006 in Bernau entstandenen Bilder werden jetzt den Bildern von Hans Thoma gegenübergestellt. Die diesjährige Ausstellung ist wiederum Katrin Gerz, Kulturagentin, Dolmetscherin und Russisch-Übersetzerin zu verdanken. Sie hatte auch schon die früheren Aufenthalte des ukrainischen Künstlers nach Bernau vermittelt, nachdem Bernau-Hof seit vielen Jahren ihr bevorzugter Urlaubsort ist. Der Künstler spricht kein Deutsch, seine Auffassung war schon vor zehn Jahren bei seinem Aufenthalt in Bernau: „Schaut meine Bilder an, dann wisst ihr, was ich sagen will“. Gezeigt wird die Ausstellung bis zum 23. April.

Begleitprogramm: Am Mittwoch, 19. April, sowie Donnerstag, 20. April, Workshop mit Miroslav Radisch, Ukraine, und Johannes Köpfer, Bernau: „Wie schafft man es, traditionelle ukrainische Kerbschnitzerei mit einem Hans-Thoma-Stuhl zu kombinieren?“ (Forum Erlebnis Holz, 14 bis 17 Uhr). Am Freitag, 21. April, werden im Forum Ostereier im traditionellen ukrainischen Stil verziert, Zuschauer sind von 14 bis 17 Uhr willkommen. Um 20 Uhr lädt das Forum mit dem Katholischen Bildungswerk zu einem Vortrag ein: „Spurensuche im Schwarzwald und in den Karpaten nach traditionellem Handwerk".