Die älteste Bürgerin im Tal, Luise Schäuble (geborene Bregger) hat ihren 105. Geburtstag im Bernauer Ortsteil Innerlehen gefeiert. Rüstig und interessiert verfolgt Luise Schäuble das Geschehen im Ort. Sie sei eine besondere Persönlichkeit und niemand könne sich erinnern, dass in Bernau jemand so alt geworden sei, hieß es in der Festgesellschaft.

Man kommt aus dem Staunen nicht heraus: Ihre Tageszeitung liest die Jubilarin immer noch ohne Brille und im Kopfrechnen macht ihr so schnell niemand etwas vor. Luise Schäuble ist eine geborene Bernauerin, ihre Mutter stammt vom Resenhof, ihr Vater vom Gasthaus "Rössle". Nach ihrer Schulzeit besuchte sie das Mädcheninstitut St. Agnes in Freiburg, um Hauswirtschaft und Kochen zu erlernen.

Nach dem Abschlussexamen mit gerade mal 18 Jahren begann ihre Herrschaft in der Küche des renommierten Hauses „Kehrwieder“ in St. Blasien, wo sie 60 Gäste aus aller Welt zu bekochen und zu versorgen hatte. Immer noch gibt es ein von ihr handgeschriebenes Kochheft, in dem sie ausführlich festgehalten hat, was es wann für die Gäste zu essen gab.

Köchin und Saaltochter

Die Eigentümer der Villa wollte ihr das Haus vermachen, doch sie lehnte ab, weil sie lieber wieder zurück ins Heimattal in ihr Elternhaus wollte, erzählt Luise Schäuble. Kurzfristig nahm sie Stellungen als Saaltochter an im "Titisee-Hotel" und im "Schwarzwaldhotel" in Titisee, später im "Klosterhof" und im "Ochsen" in St. Blasien.

Zwischendurch musste sie immer wieder mal in der Landwirtschaft und im Haushalt in Bernau helfen. Da begegnete ihr eines Tages Max Schäuble, ein Elektriker aus Zell im Wiesental, der zur Heuernte in Bernau war. Im Januar 1947 wurde Hochzeit gefeiert, zwei Töchter wurden geboren.

Ein Feuer zerstörte 1949 ihr Elternhaus. Beide gingen sofort mit großem Eifer daran, ein neues Haus zu bauen, in das sie schon ein Jahr später einziehen konnten. In diesem Haus richteten sie 1956 ein kleines bescheidenes Andenkenlädele ein. Dieses wurde zwischenzeitlich mehrfach umgebaut, erweitert und modernisiert.

Seit 1978 führt Tochter Ursula das Geschäft, doch die Jubilarin ist mitunter noch hinter der Verkaufstheke anzutreffen, um die Kunden zu beraten und zu bedienen. 1997 konnten Luise und Max Schäuble das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Ihr Mann Max starb vor 13 Jahren.

Schicksalsschläge blieben ihr nicht erspart, 2004 verstarb ihre Tochter Marlies, von ihrer Enkelin Anja musste sie sich 1992 für immer verabschieden. Geblieben sind Luise Schäuble vier Enkel und zwei Urenkel.

Treue Kirchgängerin

Seit mehr als 50 Jahren gehört Luise Schäuble dem Frauenverein Bernau an. Sie ist die treueste Besucherin der Vorabendmessen am Samstag und der sonntäglichen Messen in der Pfarrkirche. Einmalig dürfte sein, dass sie bisher noch keine Messen versäumt hat, worauf sie besonders stolz ist, sagt Luise Schäuble. Gern trinkt die Jubilarin ein Gläschen Rotwein, verriet sie, und ab und an darf es auch schon mal ein Whisky sein.

Beide Bernauer Musikvereine ließen es sich nicht nehmen, der ältesten Bürgerin der Gemeinde gemeinsam an ihrem Ehrentag ein Ständchen zu bringen, was sie sichtlich genossen hat – sie klatschte tüchtig zum Takt mit, vor allem beim Badnerlied. Auch Bürgermeister Rolf Schmidt gehörte zu den Gratulanten. Er überreichte ihr neben einem Blumengebinde ein sehr persönliches Glückwunschschreiben von Ministerpräsident Winfried Kretschmann.