Brechend voll war das Kurhaus anlässlich des Informationsabends zum geplanten Glasfasernetz in Bernau. Andreas Nauroth von der Gemeinde Hohentengen, Bürgermeister Rolf Schmidt und Sabine Franz vom Planungsbüro Hardy Gutmann erläuterten den zahlreichen Bürgern die Pläne und beantworteten Fragen. „Wenn die Bernauer durchhalten, was sie hier vorlegen, dann sind sie Spitze im Landkreis. So ein volles Haus habe ich noch nie gehabt“, sagte Andreas Nauroth, der sich bei der Vorreitergemeinde Hohentengen um die moderne Kommunikationstechnologie kümmert.

Auch Bürgermeister Rolf Schmidt zeigte sich erfreut, dass so viele der Einladung gefolgt waren. Denn, so erklärte er, der Bau des Glasfasernetzes sei keine Pflichtaufgabe der Gemeinde, wie die Wasserversorgung oder der Betrieb eines Kindergartens, sondern freiwillig. Manche sagten, er sei genauso notwendig, und das sehe der Gemeinderat genauso. Darum appellierte Schmidt an die Bürger, sich möglichst zahlreich an das Netz anschließen zu lassen und damit zur Refinanzierung beizutragen: „Die Gemeinschaft macht uns stark“.

Nauroth erklärte, wie das vom Landkreis geplante Backbone-Netz aufgebaut ist: Mit einer rund 200 Kilometer langen Ringleitung, innerhalb derer Querverbindungen gezogen werden, sollen die Gemeinden, die bisher keinen Zugang zum schnellen Internet haben, via Glasfaser versorgt werden. Jetzt soll es ans Bauen gehen, 2020, so schätzt Nauroth, wird die Leitung fertig sein.

Diese ist so geplant, dass sie bestmöglich gegen Ausfall abgesichert ist, jede Gemeinde soll zwei Übergabepunkte von der Ringleitung ins gemeindeeigene Netz bekommen. Um dieses ging es nun hauptsächlich in Bernau. Im Rahmen einer Interkommunalen Zusammenarbeit (IKZ) haben sich mehrere Gemeinden zusammengeschlossen, um ihre Netze zu planen und Förderanträge zu stellen. Rund 2,15 Millionen Euro wird Bernau so bekommen.

Geplant ist, dass jeder Anschluss zwei Glasfasern nutzen kann. „Niemand teilt sich etwas, wir sind nach oben nur durch die Technik begrenzt, und die wird immer besser“, so Nauroth. Eine Faser werde nach aktuellem Stand für den Zugang zum Internet benötigt, auf der anderen könne beispielsweise das Fernsehprogramm übertragen werden.

„Die Technik ist rein passiv, braucht keinen Strom, oxidiert nicht, ist leicht zu handhaben“, so Nauroth. Das Netz, das Bernau nun bauen werde, halte mindestens 50 Jahre. Das Installieren der Kabelschutzrohre, in die die Glasfasern später mit Luft eingeblasen werden sollen, sei relativ einfach. Ein Fräsgraben von 15 Zentimetern Breite und 40 Zentimetern Tiefe werde mit einer Maschine geöffnet, das Rohr hineingelegt und wieder verschlossen. Für momentan 750 Euro sollen diejenigen, die jetzt einen Anschluss-Vertrag abschließen, einen Zugang auf ihr Grundstück gelegt bekommen. In diesen Kosten ist auch der Hausanschlusskasten enthalten. Selbst tragen müssen Hauseigentümer die Verlegung der Leitung von der Grundstücksgrenze bis ins Haus und die dortige Verkabelung, die ein Fachbetrieb übernehmen muss.

Pro Grundstück/Flurstücknummer soll nur ein solcher Anschluss gelegt werden, erklärte der Bürgermeister, um die Verteilung, etwa in Mehrfamilienhäusern, müssen sich die Eigentümer kümmern. Im Vertrag kann angegeben werden, wie viele Glasfasern benötigt werden, sodass jeder Nutzer zwei Fasern bekommen kann. Eines der verlegten Schutzröhrchen fasse zwölf Einheiten, aber auch größere Einheiten seien möglich. Die einzige Ausnahme soll gelten bei zwei Häusern auf einem Grundstück. Diese, so der Bürgermeister, könnten getrennt angefahren werden, dann werden zwei Mal 750 Euro fällig. Zu den Verträgen, die auslagen, im Rathaus oder auf der Homepage der Gemeinde erhältlich sind, betonten Schmidt und Nauroth, dass unbedingt angegeben werden müsse, wo der Anschluss ins Haus geführt werden kann. Einen Vertrag ohne Lageplan abzugeben, sei wenig sinnvoll. Bürger fragten nach dem Dienstanbieter. Die Gemeinde wird per Ausschreibung einen Anbieter suchen, an den sie das Netz vermieten kann. Dieser wird ein monatliches Entgelt für seine Leistungen verlangen. Es sei aber auch möglich, einen anderen Betreiber auszuwählen.