Mit dem Planfeststellungsverfahren für das Pumpspeicherwerk Atdorf befasste sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung. Es ging um eine Stellungnahme der Gemeinde und um ein Grundstück der Gemeinde, das die Schluchseewerk AG für Ausgleichsmaßnahmen nutzen will. Bürgermeister Rolf Schmidt zeigte sich erstaunt darüber, weil die Gemeinde keine Ahnung gehabt habe, daran beteiligt zu sein, und lediglich Planunterlagen zugestellt bekommen habe. Im Vorfeld sei nicht das Gespräch mit der Gemeinde gesucht worden, dem Rathaus seien auch keine Informationen zur Verfügung gestellt worden.

Über das Vorhaben und das Verfahren mit Beteiligung der Gemeinde informierte ausführlich Hauptamtsleiter Bruno Maier. Mit dem Bau des Pumpspeicherkraftwerks sei ein riesiger Flächenbedarf verbunden, der von der Schluchseewerk AG durch Kompensationsmaßnahmen ausgeglichen werden müsse. Dafür sollen auch Flächen in Bernau in Anspruch genommen werden, sagte Maier. Betroffen ist in Innerlehen ein Bereich des Verbindungsweges Bildstöckle-Stöckerwald, im Oberlehen geht es um Flächen entlang der Landesstraße 146 vom Feriendorf bis zum Loipenhaus und um eine Fläche am Raineweg. Größte zusammenhängende Fläche seien die Zornmatten in Riggenbach zwischen der L 149 und dem Albweg, erfuhren die Ratsmitglieder. Die bisher im Landschaftsschutzgebiet liegenden Flächen sollen aufgewertet und wahrscheinlich in FFH-Schutzgebiete umgewandelt werden. Maier informierte, dass diese Flächen von der Schluchseewerk AG als Vorhabensträger im Planfeststellungsantrag darzustellen seien, um die wasserrechtliche Erlaubnis zum Bau des Speicherbeckens zu bekommen.

Damit sei frühestens 2018 zu rechnen. Erst wenn die Genehmigung vorliege, werde mit den Eigentümern über den Erwerb des Grundstückes verhandelt oder würden entsprechende Pflegeverträge abgeschlossen. Bürgermeister Schmidt sprach sich dagegen aus, Flächen, die gemäht oder beweidet werden, als Kompensationsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen. Er habe nichts gegen das Pumpspeicherwerk Atdorf, würde jedoch vorschlagen, andere Flächen der Gemeinde in das Verfahren einzubeziehen, die nicht beweidet werden und nur durch entsprechende Mittel hergerichtet und aufgewertet werden können. Bernau sei nicht so gravierend betroffen wie andere Kommunen, man wolle Einschränkungen bewirtschafteter Flächen nicht hinnehmen, wenn es andere Möglichkeiten gebe, die man anbieten könnte, sagte er. Der Bürgermeister schlug deshalb vor, dass die Eigentümer der grundsätzlich nur privat betroffenen Flächen persönliche Stellungnahmen abgeben sollten und sich mit dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) in Verbindung setzen, um einheitlich vorzugehen. Die Gemeinderäte folgten den Argumenten und dem Vorschlag des Bürgermeisters, vor allem um Flächen für den eigenen Bedarf zurückzuhalten. Bei einer Stimmenthaltung wurde beschlossen, dass sich die Gemeinde nicht gegen das Pumpspeicherwerk ausspreche, aber gegen die in Bernau geplanten Flächen als Kompensationsmaßnahmen im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens. Die Gemeinde sei bereit, andere Flächen zu suchen, die für einen Ausgleich genutzt werden können.