Bei strahlendem Sommerwetter – „Das ist am Hans-Thoma-Tag natürlich selbstverständlich!“, so der scheidende Bürgermeister Rolf Schmidt bei der Begrüßung der Gäste – wurde im Kurpark Bernau der NaturEnergie-Förderpreis 2018 verliehen. Preisträgerin ist in diesem Jahr die Zeichnerin und gebürtige Freiburgerin Eva Früh (48). Ihr wurde die Urkunde und der Preis von Edmund Martin als Vertreter der NaturEnergie AG verliehen.

Preisträgerin Eva Früh und Laudator Jürgen Glocker im Hans-Thoma-Museum in Bernau vor einer Installation der Künstlerin. Bild: Rosemarie Tillessen
Preisträgerin Eva Früh und Laudator Jürgen Glocker im Hans-Thoma-Museum in Bernau vor einer Installation der Künstlerin. Bild: Rosemarie Tillessen | Bild: Rosemarie Tillessen

Die Laudatio hielt dann Kulturwissenschaftler Jürgen Glocker, eher bekannt als ehemaliger Kulturreferent des Landkreises Waldshut, der damit auch die begleitende Ausstellung „Linie. Fläche. Raum“ eröffnete und sehr engagiert und differenziert in das Werk der Künstlerin einführte. Er brachte das zeichnerische Werk der Künstlerin in Verbindung zu Hans Thoma, der ebenfalls begeisterter Zeichner gewesen war: „Nehmen Sie sich Zeit. Beschäftigen Sie sich mit dem sehenswerten Werk von Eva Früh. Es lohnt sich!“ Zeit sollte man sich wirklich nehmen. Denn das Werk von Eva Früh, die heute in Waldshut und Berlin lebt, ist anspruchsvoll: Man sieht auf unzähligen kleinen Papierblättern mit dem Tuschestift festgehaltene Zeichnungen in ganz eigener Handschrift, die sie anschließend zu Blöcken zusammenfügt. Sie sind in wochenlanger Arbeit in Räumen entstanden – etwa in einem Technikmuseum, einer Klinik, einer Stasizentrale oder in einer Werkstatt.

Besucher der Ausstellung in Bernau vor der Installation "Technikmuseum" der Künstlerin Eva Früh. Bild: Rosemarie Tillessen
Besucher der Ausstellung in Bernau vor der Installation "Technikmuseum" der Künstlerin Eva Früh. Bild: Rosemarie Tillessen | Bild: Rosemarie Tillessen

Man entdeckt Vertrautes wie Möbel, Bücherstapel, Büroeinrichtungen, eine Liege, viel Kabel und immer wieder Pflanzen. Man entdeckt aber auch Befremdliches – seltsam ausufernde Gebilde wie etwa ausgefranste Schuhe oder Linien, die sich zu Formen und Mustern verselbständigen. Jürgen Glocker sprach in diesem Zusammenhang von „Linien, die sie zu wohlkalkulierten Flächen gruppiert“. In Bernau werden 10 solcher „Blöcke“ gezeigt. Sie werden von Eva Früh bei jeder Ausstellung neu arrangiert und zusammengestellt. Auf die Frage, warum sie das tue, antwortet sie lebhaft: „Ich mache das ganz aus dem Gefühl heraus, ich komponiere die Einzelteile neu wie eine Partitur in der Musik!“ So entstehen bei ihr neue „Räume im Raum“ mit neuen Bildrhythmen. Und die Ausstellungsbesucher scheinen Spaß an diesen menschenleeren „Such- und Rätselbildern“ zu haben. Hier fügt sich moderne Kunst und Traditionskultur zusammen, denn der Weg zu Hans Thomas’ berühmten Bildern ist nicht weit, nämlich nur ein Stockwerk tiefer.

Eine Einzelzeichnung der Preisträgerin Eva Früh im Hans-Thoma-Museum in Bernau zum Themenblock "Klinik". Bild: Rosemarie Tillessen
Eine Einzelzeichnung der Preisträgerin Eva Früh im Hans-Thoma-Museum in Bernau zum Themenblock "Klinik". Bild: Rosemarie Tillessen | Bild: Rosemarie Tillessen

Ausstellung und Preis: Die Ausstellung „Linie. Fläche. Raum“ ist bis zum 14. Oktober mittwochs bis freitags von 10.30 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr geöffnet und am Wochenende von 11.30 bis 17 Uhr. Der Naturenergie-Förderpreis wird alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Hans-Thoma-Staatspreis verliehen. Er ist mit 5000 Euro dotiert.