"Floras Fauna" heißt die neue Ausstellung im Hans-Thoma-Museum in Bernau mit Arbeiten von Paul Flora (1922 bis 2009). Der gebürtige Südtiroler war einer der wichtigsten Zeichner, Karikaturisten, Grafiker und Illustrator des 20. Jahrhunderts. Und es gab nichts, was vor seinem spitzen humorvollen Stift sicher war!

Die Witwe Ursula Flora neben Floras Markenzeichen, dem Raben und dem Bild „Heuschober“.
Die Witwe Ursula Flora neben Floras Markenzeichen, dem Raben und dem Bild „Heuschober“. | Bild: Rosemarie Tillessen

Bürgermeister Alexander Schönemann begrüßte bei der Vernissage die knapp 100 Besucher und auSch die anwesende Witwe des Künstlers, Ursula Flora. Nur durch einen Zufall war diese hochkarätige Ausstellung zustande gekommen: Der frühere Kulturreferent Jürgen Glocker, der heute die Ausstellungen des Museums betreut, lernte im Skiurlaub Floras Galeristen und Sammler Karl Peter kennen, der sich zusammen mit der Witwe Flora bereit erklärte, aus ihrem Fundus diese Flora-Schau zu ermöglichen.

„Verwurzelten Tiroler“, liebevoll gezeichnet von Paul Flora.
„Verwurzelten Tiroler“, liebevoll gezeichnet von Paul Flora. | Bild: Rosemarie Tillessen

Das Ergebnis ist sehr sehenswert: In einem großen Themenreigen werden alle Facetten dieses überschäumend kreativen Künstlers gezeigt. Es beginnt mit einer ganz frühen Arbeit, dem "Marktplatz", den der Zwölfjährige unbekümmert und stark linear festhält. Und verweist abschließend auch auf die politische Arbeit des Künstlers, der von 1957 bis 1971 Karikaturist der Wochenzeitung "Die Zeit" war: Dazu hängen einige Zeitungsexemplare zum Stöbern aus.

Eine politische Karikatur aus dem Jahr 1958, erschienen in der Wochenzeitung "Die Zeit".
Eine politische Karikatur aus dem Jahr 1958, erschienen in der Wochenzeitung "Die Zeit". | Bild: Rosemarie Tillessen

Der Maler und Zeichner Nino Malfatti, der Paul Flora noch persönlich gekannt hatte. führte anschaulich in dessen Werk ein: Er würdigte dessen ironischen Humor und seine verwunschene Welt, die er "mit sicherer Federführung und schwindelerregenden Schraffuren festhielt". Fast lyrisch und voll Bewunderung zitierte er abschließend sein Gedicht zum 85. Geburtstag des Künstlers.

Ein frühes "Selbstportrait" von 1942 von Paul Flora.
Ein frühes "Selbstportrait" von 1942 von Paul Flora. | Bild: Rosemarie Tillessen

Man sollte sich für diese ganz eigene Welt Floras Zeit nehmen: Da ist einmal der grazile Strich, die feinnervigen Umrisszeichnungen und dann – etwas später – die größeren Liniengeflechte und flächendeckenden Schraffuren, etwa in der Serie der Venedigbilder. Aber da ist vor allem auch der Spott, der Witz und zugleich auch viel menschliche Wärme im einzelnen Bild – etwa wenn der Ballspieler ballettös tänzelt, die "Verwurzelten Tiroler" aus der Erde zu wachsen scheinen oder unzählige Chinesen an der chinesischen Mauer dem Betrachter entgegen quellen. Fast anrührend schließlich ein Mond in weiter Wüstenlandschaft, in der der Mensch wie ein Winzling zu verschwinden scheint. Es gibt wirklich viel zu entdecken!