Im Hans-Thoma-Museum in Bernau ist die Ausstellung „Babberger und die Höll“ eröffnet worden. Mit ihr wird eine Künstlergruppe aus dem Raum Dachsberg im Südschwarzwald wiederentdeckt, die dort Anfang des 20. Jahrhunderts – genauer zwischen 1919 bis 1936 – lebte und ein ganz eigenes Kunstverständnis vertrat. Sie geriet dann völlig in Vergessenheit. „Wir erleben eine Wiederentdeckung der Frühmoderne des 20. Jahrhunderts,“ so Kunsthistoriker Andreas Gabelmann, der anschaulich und eindrucksvoll in die Ausstellung einführte.

"Berglandschaft am Vierwaldstätter See", 1917, von August Babberger.
"Berglandschaft am Vierwaldstätter See", 1917, von August Babberger. | Bild: Rosemarie Tillessen

Kopf der kleinen Künstlerkolonie, die nur aus vier Künstlern bestand, war der aus der Nähe von Lörrach stammende August Babberger (1885 bis 1936). Er wurde früh von Hans Thoma gefördert, wurde 1920 Kunstprofessor an der Karlsruher Akademie und 1933 als „entarteter Künstler“ von den Nationalsozialisten entlassen. Heute zählt er zu den bedeutenden Vertretern des Expressionismus. Er selber schreibt einmal von seiner „lebensfüllenden Landschaftsliebe“ zum Südschwarzwald und zur Schweiz. Allerdings lebte er in der Höll nur wochenweise im Frühling und Herbst auf der Durchreise in die Schweiz.

"Rothorn" am Klausenpass, von August Babberger.
"Rothorn" am Klausenpass, von August Babberger. | Bild: Rosemarie Tillessen

In der Höll hatten sich seit 1919 seine Künstlerkollegen Rudolf Gudden (1863 bis 1935), Hans Brasch (1882 bis 1972) und Robert Hoffmann (1868 bis 1935) niedergelassen. Alle Vier waren Stadtflüchtlinge und auf der Suche nach Ursprünglichem, nach der unberührten Natur und einer alternativen, selbstbestimmten Lebensweise, so Gabelmann. Sie malten besessen die Nah- und Fernsicht der Berglandschaften, entwickelten dabei aber ganz unterschiedliche Stile, wie man in Bernau deutlich feststellen kann: Gubben malte impressionistisch beeinflusst, Hoffmann eher realistisch und Barsch und Babberger – beide jünger und moderner – expressionistisch.

Von allen Vieren sieht man in Bernau rund 60 Arbeiten, dazu historische Fotografien, Skizzen und Tagebücher. Schwerpunkt liegt dabei auf August Babberger, dem sicherlich bedeutendsten der Vier. Er findet in seinen Ölbildern, Aquarellen und Drucken zu einem kraftvollen, dynamischen Linienschwung und wendet sich bewusst ab von jeder Idylle und Romantik.

Foto von August Babberger in seinem Karlsruher Atelier.
Foto von August Babberger in seinem Karlsruher Atelier. | Bild: Repro: Rosemarie Tillessen

Besonders kostbar dabei sind zwei große Keramikbilder aus Majolika-Kacheln, die noch aus seinem Wohnhaus in der Höll stammen. Er malt Berge wie plastische Kokons und umfährt seine reduzierten Wolken, Felder und Häuser oft mit dunklen Linien. Interessant auch die verschiedenen Selbstporträts der einzelnen Künstler, doch der Schwerpunkt liegt in der Darstellung der von ihnen geliebten Natur. Es gibt viel zu entdecken in dieser interessanten, abwechslungsreichen Ausstellung.

Öffnungszeiten: Bis 29. Juli, mittwochs bis freitags von 10.30 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet und am Wochenende von 11.30 bis 17 Uhr.