Wenn der Herbst seinen Einzug hält, freuen sich viele Kunstfreunde auf eine neue Ausstellung in den Räumen von SLG-Kunststoff in Bernau. Seit 19 Jahren gibt es diese Tradition. Dabei werden Beispiele aktueller Kunst gezeigt. Nun hat Dieter Stockkamp die diesjährige Ausstellung „Marc Felten, Straßburg“ eröffnet.

Stockkamp hat dazu viele Gäste aus Nah und Fern begrüßt, so viele wie schon länger nicht mehr, stellte er fest. Seine besonderen Grüße galten dem Künstler Marc Felten, der von Straßburg nach Bernau gekommen war. Sein Dank ging an den Ausstellungsmacher und Bildhauer Jürgen Knubben, der wie seit Beginn den Künstler ausgesucht und die Ausstellung organisiert hatte sowie eine Einführung in dessen Werke gab. Die Gäste waren diesmal zu einer französischen Eröffnung eingeladen. Der französische Musiker Gerard Delaye sorgte für die musikalische Umrahmung, die Gäste genossen zudem französische Spezialitäten.

Marc Felten sei durch und durch Elsässer. Er sei in Straßburg geboren, lebe auch bis zum heutigen Tag in dieser Stadt und spreche auch immer noch Elsässisch, so stellte Jürgen Knubben den Künstler in seiner Einführung vor. Die elsässische Sprache sei ein alemannischer Dialekt, merkte er an, weshalb im Schwarzwald seine Sprache so gut verstanden werde.

Die wechselvolle Geschichte des Elsass sei an den Menschen und vielen Dingen des Alltags bis heute sichtbar geblieben, das erkläre auch, weshalb viele Künstler dieser Region nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland Erfolg haben, das politische Hin und Her präge auch das Schaffen der Künstler, sagte Knubben. Sie seien ein wenig rebellisch, aber gleichzeitig heimatbezogen. So spiele bei ihnen der Storch eine wichtige Rolle, der im Frühjahr komme und im Herbst wieder gehe.

Bei Felten sei der Storch ein Mischwesen, der Kopf stammt vom Vogel, der Rest sei menschlicher Natur. Und dann ist die Kreatur – oder besser Kreation – auch noch schwanger. Eigentlich seien Feltens Bilder ausschließlich dem Phänomen der Mischwesen, der Chimären, gewidmet, sagte Knubben. In seinen Bildern seien der Stier, der Hirsch, der Adler oder der Affe, das Zebra oder das Nashorn vor allem mit ihren Köpfen, aber auch ganzen Körpern immer kombiniert mit nicht unwesentlichen Teilen menschlicher Figuren, männlich oder weiblich. Vielleicht sei ihm daran gelegen, eine Harmonie zwischen den so unterschiedlich agierenden Kreaturen künstlerisch umzusetzen, mutmaßte Knubben. Mensch und Tier hätten sich weit voneinander entfernt, der Mensch lebe nicht mehr mit den Tieren, sondern beherrsche sie. Knubben schilderte das Verhältnis von Mensch und Tier und meinte, dass man in Feltens Bildwelt eine Art Gleichberechtigung feststellen könne, Mensch und Tier begegneten sich auf Augenhöhe, dennoch blende der Künstler Unterschiede nicht aus.

Die Farben würden in Feltens Werken dominieren, die zum Teil grell und flächig aufgetragen seien, versehen mit grafischen Elementen. Marc Felten nenne sich selbst einen Maler des Expressionismus, sagte Knubben, doch benutze er im gleichen Maße die Farbauswahl der Pop-Artisten. Das Resultat sei eine unverwechselbare eigene Handschrift, seine Bilder signalisierten eine große Portion Optimismus und Lebensfreude, ergänzte der Laudator und wünschte den Gästen, in die Malerei und Grafik von Marc Felten einzutauchen. Er sei in und mit seinen Bildern ein begnadeter Geschichtenerzähler und gleichzeitig ein liebenswerter Mensch. „Seien wir alle an diesem Abend ein wenig Elsässer“, meinte Knubben abschließend, was mit viel Beifall honoriert wurde.

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