Immer mehr Wölfe werden in Deutschland heimisch – für die einen ein Grund zur Freude, für die Landwirte dagegen ein Anlass zur Sorge. Bei einem Infoabend zum Thema Wolf kamen am Donnerstag die verschiedenen Aspekte zur Sprache. Micha Herdtfelder und Laura Huber-Eustachi von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt informierten über die Lebensweise des Wolfes und Schutzmaßnahmen, bei einer Podiumsdiskussion kamen Vertreter verschiedener Interessengruppen zu Wort.

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Wenn der Wolf zurückkehre, seien viele Tierhalter nicht begeistert, für andere sei die Rückkehr der geschützten Tiere ein Traum, da diese Teil des Ökosystems seien, beschrieb Herdtfelder den Interessenkonflikt. Rund 130 Rudel, 25 Paare und 13 territoriale Einzeltiere sind in Deutschland bestätigt, die meisten in Nord- und Ostdeutschland, aber auch im Nordschwarzwald. Im Südschwarzwald gab es jüngster Zeit ebenfalls einige bestätigte Sichtungen, so Herdtfelder.

Elektrische Zäune als Schutz

Die Hauptbeute der großen Beutegreifer sind Wildtiere, nur etwa ein Prozent sind Nutztiere, so der Fachmann. Einen guten Schutz gegen Wölfe bieten elektrische Schutzzäune mit einer Höhe von mindestens 90 Zentimetern. Wenn der Wolf versuche, einen Zaun zu überspringen und dabei eine „gewischt“ bekomme, lasse er dies, so Laura Huber-Eustachi. Dies bestätigte Herdtfelder, Wölfe lernten, Elektrozäune zu respektieren, sagte er. Die Kosten eines Schutzzaunes mit vier Litzen bezifferte Laura Huber-Eustachi auf Frage aus den Reihen der Versammelten auf rund sechs bis acht Euro pro laufender Meter.

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Bei der von Norbert Schöttel moderierten Podiumsdiskussion kamen Vertreter aus Politik, Landwirtschaft und Jägerschaft zu Wort. Die Höhenlandwirtschaft sei existentiell für den Erhalt der Kulturlandschaft, sagte Bürgermeister Alexander Schönemann. Es sei Aufgabe der Politik, dafür zu sorgen, dass die Lebensgrundlage der Landwirte erhalten bleibe, der Wolf sei da kontraproduktiv. Er habe eine kritische Grundhaltung, aber der Wolf sei eine geschützte Art. Man müsse zu einem Management unter der Einbeziehung aller Betroffenen kommen und versuchen, zu unterstützen, wo es möglich sei, erklärte Landrat Martin Kistler.

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Er werde zu wenig mit den Betroffenen gesprochen, bemängelte Markus Kaiser, Landwirt und Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Schwarzwald Bio-Weiderind. Durch den Wolf werde die Perspektive für junge Landwirte zunichtegemacht, so seine Meinung.Die Offenhaltung der Landschaft könne nur durch Tierhaltung bewerkstelligt werden, der Wolf sei aber kontraproduktiv zu Weidehaltung, sagte Clemens Speicher, Kreisverbandsvorsitzender des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV). Zäune könnten in der Region zum Teil nicht errichtet werden, da Wanderwege durch dir Weiden führten. Zudem sei der Mehraufwand durch die Errichtung der Zäune nicht zu bewerkstelligen.

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Der Wolf gehöre ins Jagdgesetz, nicht um ihn zu erlegen, sondern um ihr zu managen und zu schützen, so die Meinung von Kreisjägermeister Bernhard Kallup. Aus den Reihen der Versammelten – das Kurhaus war voll besetzt besetzt – wurden zahlreiche Fragen an die Teilnehmer der Podiumsdiskussion gestellt. „Vom Wolf nachweislich getötet Nutztiere werden landesweit entschädigt. Einschränkungen gibt es im Nordschwarzwald, wo Tierhalter finanziell für die Errichtung von Herdenschutzmaßnahmen unterstützt werden“, so Herdtfelder. Dort werden Schafe, Ziegen und Gatterwild nur dann entschädigt, wenn Schutzzäune vorhanden sind.

Ersetzt werde nur das getötete Tier, nicht aber der Arbeitsaufwand und eventuelle weitere Schäden, wurde bemängelt. Unter dem Beifall vieler wurde die Frage in den Raum gestellt, warum der Wolf in ganz Deutschland heimisch werden müsse. Man habe auch Wildtieren gegenüber eine ethische Verpflichtung, so die Antwort von Herdtfelder. Auf wolfsfreie Gebiete, wie kürzlich von dem Landtagsabgeordneten Reinhold Pix (Grüne) angeregt, erklärte Landrat Kistler, wenn man wolfsfreie Gebiete fordere, müsse man auch sagen, wie man diese durchsetzen wolle. Dazu müsse nämlich Europarecht geändert werden. Es schaffe nur Verdrossenheit, wenn man Derartiges anspreche, es aber dann nicht hinbekomme, so die deutliche Kritik des Landrates am Vorgehen von Pix.