Der Künstler Platino wurde am Hans-Thoma-Tag mit dem gleichnamigen Landespreis für Bildende Kunst ausgezeichnet. Bei strahlendem Sonnenschein waren zahlreiche Einheimische und Gäste zur feierlichen Ehrung in den Bernauer Kurpark gekommen, um hinterher im Hans-Thoma-Museum die Arbeiten des für sein Lebenswerk Ausgezeichneten zu betrachten.

Einen sehr persönlichen Bezug zu dem Künstler hat Staatssekretärin Petra Olschowski, wie sie in ihrer Rede zur Preisverleihung verriet: Als Lehrling im Stuttgarter Kunsthaus Schaller war sie Platino Mitte der 1980er Jahre zum ersten Mal begegnet. Der Leiter der Rahmenwerkstatt des eher traditionellen Kunsthauses lud als Gegenpol zeitgenössische Musiker oder Konzeptkünstler ein, unter ihnen auch Platino. „Ein hagerer Typ mit markantem Gesicht und prägnantem Blick, ganz in Rot gekleidet“, erinnerte sich Olschowski, der mit Dias sein Projekt „Red Space I“ präsentierte, ein Raum, in dem er lebte und arbeitete, und in dem jedes Objekt rot war. „Ich erinnere mich, dass ich nicht wirklich verstand, was er da machte, aber eine Ahnung bekam davon, was es bedeutet, wenn Kunst und Leben eins werden“, sagte die Staatssekretärin weiter.

Und eine Ahnung davon bekamen auch die Gäste der Preisverleihung. „Sie werden das Rathaus nicht wiedererkennen – im positiven Sinne“, hatte schon Bürgermeister Rolf Schmidt in seiner Rede versprochen, und wer später mitging in die Räume des dortigen Hans-Thoma-Museums, der bekam tatsächlich eine Ausstellung der besonderen Art zu sehen. Die Decke und die Wände des Ausstellungsraumes sind mit farbigen Flächen bedeckt. Großformatig und glänzend stehen die „Externs“, Abbildungen von Platinos experimentellen Räumen, an den Wänden.

Nach „Red Space I“ (1979 bis 1886) gab es nämlich noch weitere Spaces, „Space 2“ (1985 bis 2003) und nun „Space 3“, den Platino mit seiner Familie seit 2003 bewohnt. Hier experimentiert der Künstler nicht mehr primär mit Farbe, sondern mit Strukturen, legt etwa Rohre und Leitungen frei, die sonst unter Putz und Verschalungen versteckt werden. Und auch diese Prozesse werden via „Externs“ sichtbar gemacht.

Iris Dressler, Direktorin des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart, hatte in ihrer Laudatio schon Lust auf die Ausstellung gemacht, die den Titel „à travers l’autre/durch einander“ trägt: „Was auf den ersten – und nur auf den ersten – Blick ohne klare Ordnung erscheinen mag, ist übrigens bis ins letzte Detail geplant und mathematisch berechnet worden: also alles andere als ein Durcheinander.“ Der erste Schritt für die Ausstellung im Hans-Thoma-Museum, so Dressler weiter, habe darin bestanden, den Raum komplett zu vermessen.

Die Gemeinsamkeit von Hans Thoma und Platino betonte Petra Olschowski in ihrer Rede: „Als Hans Thoma einmal gefragt wurde: 'Worauf wollen Sie mit Ihrer Kunst hinaus’, antwortete er: 'Ei, ich will gar nirgends hinaus – ich sorge nur, dass ich bei mir selber bleibe.“ Diese Haltung, so betonte sie, zeichne auch Platino aus. Und so, wie der Künstler Leben und Kunst miteinander mischt, waren sicher auch die Farben seiner Kleidung (gelbe Jacke, blaues Hemd, rostfarbene Hose) nach dem Anblick der Farbflächen im Ausstellungsraum keinesfalls zufällig gewählt.