Eine rund 30-köpfige Besuchergruppe hatte sich am Sonntagnachmittag im Hans Thoma-Museum in Bernau eingefunden, um die Führung durch die aktuelle Ausstellung „Babberger und die Höll“ zu erleben. Kunsthistoriker Andreas Gabelmann, der über Babberger promoviert hat, gab entlang der inhaltlichen Gliederung der Ausstellung Einblicke in das künstlerische Schaffen der Höllmaler.

Den Anfang machte Gabelmann in dem kleinen Museumsraum im Obergeschoss, der die vier Höllmaler mit kurzen biographischen Texten vorstellt. Rudolf Gudden hatte 1919 die Höll mit ihren drei dicht beieinander stehenden Höfen entdeck, und nacheinander erwerben Gudden, Robert Hoffmann und August Babberger diese drei Höfe.

Unabhängig davon hatte Hans Brasch 1920 oberhalb der Höll ein Haus gekauft, das heute nicht mehr erhalten ist. Mit dem frühen Tod Babbergers 1936 erlischt die Künstlerkolonie der Höll und gerät vollkommen in Vergessenheit, nicht zuletzt deshalb, weil ihre Mitglieder in dieser zeit ohnehin als entartete Künstler gebrandmarkt sind.

Gabelmann erinnerte daran, dass die eigentliche Keimzelle der kleinen Künstlerkolonie in der Höll, dem abgeschiedenen Tal der heutigen Gemeinde Dachsberg, in der kurze Zeit zuvor gegründeten Frankfurter Ateliergemeinschaft von Gudden, Hoffmann und Babberger lag. Die Reproduktion eines im Original verschollenen Bildes aus dem Jahr 1919, das diese Ateliertrias zeigt, sowie ein „Freunde der Natur“ betitelter Linolschnitt aus dem Folgejahr vervollständigen die Dokumentation der Anfänge in dem kleinen Erinnerungsraum. Von dort aus ging die Führung dann zu den Werken, die in direktem Zusammenhang mit der Höll stehen. Dabei machte Gabelmann auf die erstaunliche Tatsache aufmerksam, dass die vier Maler eine intensive Lebens- und Arbeitsgemeinschaft pflegten, ohne sich künstlerisch gegenseitig in irgendeiner Weise zu beeinflussen.

So halten die beiden eine Generation älteren Maler Gudden und Hoffmann an ihren impressionistischen Lichtstimmungen fest, während Brasch und vor allem Babberger als Verfechter des Expressionismus in der Kunst innere Erregungszustände auszudrücken beabsichtigen, anstelle von wie auch immer durch den künstlerischen Blick geformten Abbildern der Natur. Dabei ist – neben der möglichst autarken Lebensführung – allen gemeinsam der direkte Dialog mit der Natur, die Arbeit im Freien. Immer wieder nimmt Babberger den Blick, ausgehend von den Häusern über das sich öffnende Tal bis hin zu den Alpen ins Visier, ein Thema mit Variationen.

Was die kleine Künstlerkolonie der Höll indes ebenfalls auszeichnet, ist ihre illustre Besucherschar, denn Babbergers Haus wird schnell zum Treffpunkt für Freunde, aber auch für Schüler. Die Abgeschiedenheit dieses Naturidylls sowie das Gesamtkunstwerk, das Babberger durch die Ausgestaltung der Räume und der Möbel aus seinem Haus machte, wirkten offenbar extrem anziehend, wie Reproduktionen aus dem Fotoalbum einer Schülerin in der Ausstellung dokumentieren. Sie zeigen Babberger als engagierten Protagonisten der Verzahnung von Kunst und Handwerk, etwa in Analogie zu den damaligen Ideen der Bauhauskünstler.

August Babbergers zweitem großem Thema mit Variationen schließlich ist der Kopfraum im Obergeschoss gewidmet. Durch seine Frau Anna Maria Tobler lernt Babberger die Landschaft rund um den schweizerischen Klausenpass kennen, pachtet dort eine Sennhütte und versenkt sich in naturmystische Betrachtungen, die er in umfangreichen Tagebuchaufzeichnungen festhält. Zur Malerei tritt die literarische Gestaltung hinzu. In unzähligen Blättern hält Babberger die Doppelspitze seines „heiligen Berges“, des Scheerhorns, fest, und gestaltet mit der Lebensgefährtin seiner letzten Jahre zusammen ein Buch, in dem er seine Texte abdruckt.

Auch die zweite große Majolika-Arbeit neben der aus dem Haus in der Höll geborgenen – nur als Fragment erhalten und in Bernau in Gestalt des Originalkartons als Vorlage zur endgültigen Arbeit ausgestellt – thematisiert eindrücklich die Harmonie von Mensch und Natur mit dem lebensgroßen Paar im Vordergrund und der alles überstrahlenden Krone des Scheerhorn.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 29. Juli, zu sehen, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10.30 bis 12 und 14 bis 17 Uhr; Samstag, Sonntag und Feiertag 11.30 bis 17 Uhr.