Einen würdigen und sehr schönen Auftakt zur Erinnerung an den ersten Hans-Thoma-Tag vor 70 Jahren bot die Feierstunde am ursprünglichen Ort von 1949: vor dem herrlich geschmückten Hans-Thoma-Haus im Ortsteil Oberlehen und bei typischem Thoma-Wetter mit Sonne und blauem Himmel. Der Abend begann zunächst mit einem Empfang im Garten vor dem Hans-Thoma-Haus mit Bürgermeister Rolf Schmidt, den Gemeinderäten und mit allen Generationen der Familie Thoma. Die zwischenzeitlich eingetroffenen etwa 300 Gäste wurden musikalisch vom Musikverein-Trachtenkapelle Bernau-Außertal begrüßt, der mit seinem Dirigenten Stefan Strittmatter die Feierstunde mit flotten Melodien eröffnete.

Thoma-Tag als Erfolgsgeschichte

Bürgermeister Rolf Schmidt hieß alle Anwesenden, auch im Namen von Hedwig Kaiser, zum 70. Hans-Thoma-Tag willkommen, der neuerdings Hans-Thoma-Fest heißt, wie er mitteilte. Dann gab er die Einladung zum 1. Thoma-Tag vom 18. September 1949 mit dem damaligen Programm bekannt. Damals hatte der Badische Staatspräsident Leo Wohleb verkündet, dass es den Thoma-Tag künftig alle Jahre geben werde und dass zu diesem Anlass jeweils auch ein Staatspreis an heimische Künstler verliehen werden soll. Das geschah dann erstmals ein Jahr später mit 3000 Besuchern beim Festnachmittag vor dem Thoma-Haus. Mit diesem herausragenden Fest habe die Erfolgsgeschichte des Thoma-Tages begonnen, so der Bürgermeister. Er gab bekannt, dass zum diesjährigen Jubiläum die Thoma-Stube im Geburtshaus herausgeputzt und der Gedenkstein aufgefrischt worden seien. Auch im Vortragsraum des Rathauses sei eine Ausstellung mit alten Bildern zu sehen.

"Kinderreigen" von Hans Thoma

Unter einem Baum vor dem Thoma-Haus tanzten Mitglieder der Kindertrachtengruppe barfuß und in historischen Kleidern wunderschön den „Kinderreigen“ von Hans Thoma, den sich die Besucher ein zweites Mal mit viel Beifall erklatschten, auch mit Dank an Leiterin Stefanie Bregger. Derweil hatte sich Karl-Heinz Weiser am Rednerpult eingefunden, um aus den Lebenserinnerungen von Hans Thoma einige Stellen vorzutragen, so die Geschichte von seinen ersten kindlichen Malversuchen und von seinem letzten Besuch 1912 in Bernau mit Einweihung der Altarbilder und seines Denkmals. Eine besondere Verbindung hatte Hans Thoma zum Männergesangverein Liederkranz, dessen Fahne er entworfen hatte. Der kleine Bernauer Männerchor wurde kräftig von den Sängern des Gesangvereins „Eintracht“ aus Menzenschwand unterstützt, die geleitet von Hanspeter Dietsche mit Liedern von der Heimat, vom Wiesental, vom Elternhaus und der schönen Bergheimat erfreuten.

Der Männergesangverein Liederkranz, zu dem Hans Thoma eine besondere Verbindung hatte, singt, unterstützt von den Sängern der Menzenschwander „Eintracht“, bei der Feierstunde.
Der Männergesangverein Liederkranz, zu dem Hans Thoma eine besondere Verbindung hatte, singt, unterstützt von den Sängern der Menzenschwander „Eintracht“, bei der Feierstunde. | Bild: Ulrike Spiegelhalter

Über ihr Elternhaus und die darin befindliche Thoma-Stube erzählte dann Hedwig Kaiser, geborene Thoma, Eigentümerin der Thoma-Hauses. Sie und ihre drei Geschwister Agathe, Olga und Isidor sind in diesem Haus geboren, berichtete sie. Hedwig Kaiser erinnerte an ihre Mutter Luise, die 60 Jahre lang die Thoma-Stube betreute und über 17 Gästebücher bis 1997 eisern wachte Darin hatte sich auch Hans Thoma 1904 verewigt, wie auch Großherzog Friedrich I. von Baden und Großherzogin Luise. Ihr Vater Isidor sei 50 Jahre aktiver Musiker und auch Vorstandsmitglied beim Musikverein Außertal gewesen, berichtete Kaiser unter anderem und gab bekannt, dass das Thoma-Haus nach der Sanierung vermietet werde, die Geburtsstube des Meisters jedoch geblieben sei. Sie dankte Gottfried Pütz und Robert Rosenfelder für die Umgestaltung der Stube und allen Besuchern, die zur Feierstunde gekommen waren, vor allem der großen Thoma-Familie.

Feierstunde vor Geburtshaus von Hans Thoma

Mit einer großen Überraschung meldete sich Gottfried Pütz zu Wort, zurückkommend auf die länger geführte Diskussion über das wahre Geburtshaus von Hans Thoma. Er fand nach eingehenden Recherchen in Kirchenbüchern und authentischen Unterlagen heraus, dass Hans Thoma wirklich in diesem Haus geboren wurde, vor dem die Feierstunde zum 70. Thoma-Tag stattfindet. Seine vollständige Dokumentation zum Nachweis des wahren Geburtshauses überreichte er jeweils an Bürgermeister Rolf Schmidt für die Gemeinde und an Hedwig Kaiser.

Historische Skifahrergruppe Bernau

Schön für Auge und Ohr stellte sich die Historische Skifahrergruppe Bernau mit fröhlichem Gesang von Volksliedern vor. Sie hatte die zünftige historische Ski-Ausrüstung mit ihrer schicken damaligen Sommerkleidung vertauscht. Die Gruppe begann ihre Darbietung mit dem Hans-Thoma-Lied, getextet vom Ski-Köpfer. Dessen Enkel Walter Strohmeier trug die Geschichte der Ski-Marke ‚Feldberg‘ seines Großvaters vor, untermalt mit wichtigen historischen Ereignissen im Zusammenhang mit der Skigeschichte des Schwarzwaldes und speziell des Feldberges. Sie lud die Besucher zum Mitsingen ein bei der Mühle und der Marie vom Schwarzwald und beim Badner-Lied. Für die Bewirtung sorgte die Jugendbergwacht Bernau, musikalisch verabschiedet wurden die Gäste nach dieser beeindruckend vom Musikverein Bernau-Außertal.