Scheffels Versepos „Der Trompeter von Säckingen“ war ein enormer literarischer Erfolg im deutschsprachigen Raum. Doch wie wurde das Werk im Ausland rezipiert? Mit den Übersetzungen dieses Bestsellers beschäftigt sich der vierte Band der „Scheffeltexte“.

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Herausgegeben wurde er von Bernd Crößmann, dem Vorsitzenden des Vereins „Scheffel-Freunde“. Mit der Vorstellung des Bändchens am Donnerstag „wollen wir wieder ein Lebenszeichen von uns geben, denn viele Veranstaltungen waren und sind wegen der Corona-Krise nicht möglich.“ Im Bändchen finden sich viele spannende Geschichten rund um die Übersetzungen, wovon sich einige nach heutiger Rechtsauffassung haarscharf an der Grenze zur Legalität bewegen, doch im 19. Jahrhundert nahm man es mit dem Urheberrecht nicht so genau.

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So waren die ersten Übertragungen ins Niederländische „wilde, von Scheffel nicht autorisierte Übersetzungen“, so Crößmann – und die Verfasser waren just zwei protestantische Pfarrer. Der erste war Willem Bouman, dem der joviale, volkstümliche Katholizismus Scheffels wohl zusagte. Seine 1877 erschienene Übersetzung fand sofort Beachtung und inspirierte seinen Amtsbruder Eliza Laurillard, ebenfalls eine Übersetzung zu verfassen, wobei er aber größtenteils von Bouman abkupferte. Ob legal oder nicht – jedenfalls ist es den Pfarrern zu verdanken, dass Scheffel in den Niederlanden bekannt wurde.

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Im englischen Sprachraum waren es drei Frauen, die als Kulturvermittlerinnen wirkten. Die erste war Rebecca Brünnow, die amerikanische Ehefrau eines deutschen Astronomen, der an der Universität von Michigan arbeitete. Die 1877 erschienene und von Scheffel autorisierte Übersetzung war in den USA ein Erfolg, in England jedoch nicht.

Die Scheffel-Freunde haben Übersetzungen des „Trompeters von Säckingen“ gesammelt und analysiert.
Die Scheffel-Freunde haben Übersetzungen des „Trompeters von Säckingen“ gesammelt und analysiert. | Bild: Michael Gottstein

Erst die 1893 publizierte Übersetzung von Jessie Beck und Louise Lorimer ebnete Scheffels Versepos den Weg auf die britischen Inseln. In Italien buhlten Giovanni Battista Fasanotto und Giuseppe Cassone um die Übersetzungsrechte. Sie nahmen Kontakt zu Scheffel auf, der aber, wohl aus Angst vor Honorarforderungen, keine klaren Aufträge vergab – mit der Folge, dass es dem gewieften Anwalt Fasanotto gelang, seinen Konkurrenten auszubooten und 1878 eine Übersetzung zu publizieren.

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In Frankreich wurde Scheffel kaum zur Kenntnis genommen. Erst der Schweizer Alfred Ribeaud übersetzte den „Trompeter“ im Jahre 1902, wobei er Passagen ausließ und das Epos in Reime goss. Während das Werk in der französischsprachigen Schweiz Erfolg hatte, wurde es in Frankreich kaum rezipiert. „Über die Gründe kann man trefflich spekulieren“, so Bernd Crößmann. Weiterhin hatte er Übersetzungen ins Dänische, Schwedische und Ungarische entdeckt. Zu späten Ehren kam Scheffel in jüngster Vergangenheit: Im Frühjahr 2017 erhielt Crößmann eine Mail aus Russland. „Ich war zuerst etwas misstrauisch“, doch der Absender war der Chef-Bibliothekar der Boris-Jelzin-Bibliothek, Alexander Gimadeev, der eine Übersetzung anfertigte. „Schön, dass sich heute noch jemand für Scheffel interessiert, wir hoffen auf Nachahmer“, so der Vorsitzende.

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