Wenn starke Regenfälle oder Unmengen an Schmelzwasser den Rhein anschwellen lassen, kann es für die Wasserkraftwerke durchaus kritisch werden. Denn der Fluss reißt dann auch viel mehr Material als sonst mit sich, teilweise selbt aus den höher gelegenen Uferlagen. Zwar treibt ständig sogenanntes „Geschwemmsel“ in Form von Laub und großen Ästen oder sogar ganzen Baumstämmen in die Rechen, die die Turbinen der Rheinkraftwerke schützen. Bei Hochwasser vervielfacht sich die Menge jedoch. So war es auch in den ersten Februartagen: Anhaltender Regen und Tauwetter ließen die Schneemassen, die Mitte Januar niedergegangen waren, dahinschmelzen. Schon am letzten Wochenende im Januar waren die Pegel überdurchschnittlich hoch angestiegen.

Jede Menge Holz: Treibgut bei hohem Rheinpegel vor dem Wasserkraftwerk Laufenburg.
Jede Menge Holz: Treibgut bei hohem Rheinpegel vor dem Wasserkraftwerk Laufenburg. | Bild: Energiedienst Holding AG

1000 Tonnen Treibgut an drei Tagen

In den Rheinkraftwerken Laufenburg, Ryburg-Schwörstadt, Rheinfelden und Wyhlen fielen allein am Wochenende vom 29. bis 31. Januar insgesamt 129 Container Geschwemmsel an, erklärt Sabine Trapp-Brüstle von der Energiedienst Holding auf Nachfrage unserer Zeitung mit: „Diese Menge entspricht rund 1000 Tonnen an angeschwemmtem Material.“ Ein sehr großer Teil dieses Treibguts ist natürlichen Ursprungs. Holz- und Pflanzenreste in allen Formen und Größen werden bei erhöhten Niederschlägen im Einzugsgebiet des Rheins vom Wasser mitgenommen.

Der Fangrechen vor dem Kraftwerk Bad Säckingen wird mit dem Kran von Geschwemmsel gereinigt.
Der Fangrechen vor dem Kraftwerk Bad Säckingen wird mit dem Kran von Geschwemmsel gereinigt. | Bild: Rheinkraftwerk Bad Säckingen AG

Fließen in anderen Jahren an der Messstelle Rheinfelden im gleichen Zeitraum sonst in jeder Sekunde durchschnittlich etwa 900 Kubikmeter Wasser den Rhein hinab, waren es jüngst bis zu 3200 Kubikmeter – also mehr als drei Millionen Liter Wasser pro Sekunde und somit dreimal so viel als der Jahresdurchschnitt.

Für die Wasserkraftwerke wäre es natürlich ein Problem, denn zu große Holzstücke könnten Turbinen beschädigen oder sogar blockieren. Um dies zu verhindern, sitzen vor den Wasserkraftwerken große Fangrechen, die großes Treibgut abfangen.

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Dauereinsatz bei Hochwasser

Der Fangrechen am Kraftwerk Bad Säckingen werde bei normalem Pegel etwa alle drei Wochen automatisch geleert, gibt Tatjana Stobe von der Rheinkraftwerk Säckingen AG Auskunft: „Führt der Rhein hingegen Hochwasser, müssen die Mitarbeiter den Rechen permanent freiräumen, weil ständig Treibgut nachkommt.“ Bei den Kraftwerken von Energiedienst läuft es ähnlich, erklärt Trapp-Brüstle. Bei Hochwasser müsse der Rechen rund um die Uhr im Schichtbetrieb gereinigt werden, um zu verhindern, dass sich zu viel Material vor dem Rechen ansammelt. Ansonsten kann es zu Einbußen bei der Stromproduktion kommen, im schlimmsten Fall würde der Rechen oder andere Teile der Anlage beschädigt.

Tag und Nacht ist der Kran des Kraftwerks Laufenburg bei Hochwasser im Einsatz, um Geschwemmsel aus dem Rhein zu schaffen.
Tag und Nacht ist der Kran des Kraftwerks Laufenburg bei Hochwasser im Einsatz, um Geschwemmsel aus dem Rhein zu schaffen. | Bild: Energiedienst Holding AG

Das Geschwemmsel wird an den Kraftwerken durch einen Fangrechenreiniger, meist ein Kran mit Greifklauen, in eine darüberliegende Rinne befördert. Ist die Rinne voll, wird sie kräftig mit Wasser aus dem Rhein gespült, das Treibgut wird dadurch in bereitstehende Auffangbehälter befördert. Das große Festholz wird einige Zeit zwischengelagert und dann zerkleinert oder zu Hackschnitzeln verarbeitet. Anschließend wird es zusammen mit dem feineren Geschwemmsel in Containern abtransportiert. Laut Energiedienst sortieren Partnerfirmen anschließend den Inhalt der Container: „Kompostierbares Material wird kompostiert und der Rest wird ordnungsgemäß entsorgt“, so Trapp-Brüstle.

Das angefallene Geschwemmsel wird an Land gebracht, sortiert und entsorgt.
Das angefallene Geschwemmsel wird an Land gebracht, sortiert und entsorgt. | Bild: Energiedienst Holding AG

Bierkisten und Flaschenpost

Denn tatsächlich findet sich nicht nur Holz oder dergleichen im Geschwemmsel, sondern auch Müll aller Art in den Fangrechen der Kraftwerke: PET-Flaschen und Kunststoffplanen, in wärmeren Monaten aber auch immer wieder Fußbälle oder Badelatschen. Tatjana Stobe vom Rheinkraftwerk Bad Säckingen weiß auch von angeschwemmten Autoreifen und manchmal sogar Flaschenpost zu berichten. In Bad Säckingen sei auch schon einmal eine ganze Waschmaschine angeschwemmt worden, so Stobe.

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Sogar gefüllte Bierkisten treiben laut Sabine Trapp-Brüstle gelegentlich den Rhein herab und finden sich anschließend im Fangrechen wieder. Wahrscheinlich wurden die Bierkisten zur Kühlung in den Rhein gestellt und nicht fest genug gesichert, vermutet Trapp-Brüstle. Aber auch wenn die Bierflaschen nach einem ausgedehnten Bad im Fluss sicherlich gut gekühlt sind, können sich die Mitarbeiter des Kraftwerks nach Dienstende nicht auf ein angeschwemmtes Feierabend-Bier freuen.

Denn wie alles andere Geschwemmsel werden auch solche Funde mit dem Rechenreiniger aus dem Rechen geborgen und fällt dann aus mehreren Metern Höhe in die Fangrinne. „Diese Prozedur übersteht leider keine Flasche“, schmunzelt Trapp-Brüstle. Ganz davon abgesehen bestehe auf dem ganzen Kraftwerksgelände natürlich ohnehin ein Alkoholverbot.

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