Das in Workshops erarbeitete Bürgerleitbild der Stadt hat der Gemeinderat diese Woche nur zur Kenntnis genommen. Damit ist das Leitbild für die Kommunalpolitik nicht verbindlich. Das hatte sich bereits in der Sitzung vor zwei Wochen abgezeichnet. Der Gemeinderat beschloss nun die Kenntnisnahme mit einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen. Bürgermeister Alexander Guhl hatte auf mehr gehofft, sah aber, dass im Gemeinderat nur ein „Kenntnisnahme“ durchzusetzen war.

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Was die Mehrheit im Ratsrund störte, war dreierlei: Die Teilnahme von nur 40 Bürgern an den Workshops schien vielen zu gering, um daraus eine verbindliche Grundlage für die Gemeindepolitik abzuleiten. Zudem seien die Leitziele zu allgemein gehalten. Dort, wo sie konkret wurden, wollte sie die Mehrheit nicht mittragen – etwa bei der Forderung nach einer autofreien Innenstadt. Gegenrede kam von den Grünen. Franz Stortz forderte, dass dieser von Bürgern erarbeitete Zielekatalog nicht „einfach in der Schublade verschwinden darf“, er müsse im Gegenteil mehr als nur zur Kenntnis genommen werden. Einen formalen Antrag zur Abstimmung darüber wollte er jedoch nicht stellen. Auch sein Fraktionskollege Matthias Geck sah in dem Beschlussvorschlag eine Geringschätzung des Bürgerwillens. Er bezeichnete die bloße Kenntnisnahme „ein Armutszeugnis“. Es sei das beste Dokument, das ihm bisher im Gemeinderat vorgelegt worden sei. Geck, der in der Sitzung vor zwei Wochen fehlte, forderte die anderen Gemeinderatskollegen auf, ihre Argumentation gegen das Bürgerleitbild nochmal zu wiederholen, sodass er es nachvollziehen könne. Fred Thelen, Fraktionschef der Freien Wähler, konterte: Er werde das jetzt „nicht noch einmal durchkauen“, nur weil in der vorangegangenen Sitzung ein Ratsmitglied gefehlt habe – aus welchen Gründen auch immer.