Unter dem Titel „Vom Jura zum Schwarzwald“ bürgt das Jahrbuch der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde (FBVH) für wertvolle regionalgeschichtliche Forschungsarbeit und die Pflege kultureller Verbundenheit beiderseits des Hochrheins. Nicht zufällig stellten Vereinspräsident David Wälchli und Redaktionsteamleiter Linus Hüsser den 93. Jahrgang des Jahrbuches in Mumpf vor.

Archäologische Spuren

Das lateinische „Ad montem firmum“ (beim starken Berg) kann wohl als Ursprung für die Bezeichnung der Siedlung am Rhein angenommen werden, für die sich später der Name „Mumpf“ herausbilden sollte. Von römischer Besiedelung zeugen jedenfalls archäologische Spuren, denen sich Valentin Häseli und Peter-Andrew Schwarz aus Basel im ersten Beitrag des Jahrbuches 2019 unter dem Titel „Altes und Neues zur spätantiken Magazinstation Mumpf-Burg“ gewidmet haben.

Magazinstation Mumpf

Die Magazinstation Mumpf gehörte zu einer ganzen Reihe von Wachtürmen und anderen militärischen Anlagen, die Kaiser Valentinian I. Ende des dritten und zu Beginn des vierten Jahrhunderts zwischen dem Bodensee und Basel errichten ließ. Verarbeitet sind in dem Beitrag Erkenntnisse aus neuesten archäologischen Untersuchungen der vergangenen Jahre in Mumpf, anlässlich von Umbauarbeiten beim Gasthaus „Anker“ im Jahre 2017 sowie Sanierungsarbeiten im Bereich der Hauptstraße im Jahre 2019.

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Mit dem zweiten Aufsatz „Nachbarschaft am Hochrhein im Zeichen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71“ komme Andreas Weiss aus Tuttlingen das Verdienst zu, die Fokussierung der Forschung auf den Ersten und Zweiten Weltkrieg etwas aufzubrechen, wie Hüsser lobend anmerkte. In seiner Untersuchung kommt Weiss zu dem Ergebnis, dass die jeweiligen Parteinahmen für die französische und deutsche Sache für die gewachsenen grenzüberschreitenden Bindungen eine Belastung bedeuteten, die „Misstöne, Reibereien und Distanzierungen“ zur Folge hatte.

Spesenabrechnung gibt Auskunft

Nicht zum ersten Mal bereichert Adelheid Lang das FBVH-Jahrbuch mit einem Beitrag. Anhand einer im Münsterarchiv Bad Säckingen aufgefundenen Reiseabrechnung unterzieht die Historikerin eine „Badenfahrt 1583 ins Luthern Bad im Napfgebiet“ einer genaueren Untersuchung. Quellengrundlage ist also – modern ausgedrückt – eine von Säckinger Stiftsfrauen aufgestellte Spesenabrechnung, die Auskunft gibt über den Verlauf der Reise, Aktivitäten am Aufenthaltsort sowie Einkehr, Verköstigung und verschiedene Begegnungen. Gestossen ist die Autorin dabei auf eigenhändige Eintragungen der Säckinger Äbtissin Jacobé von Sulzbach.

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Der letzte Artikel im Jahrbuch widmet sich schließlich einem „Jahrzehnt intensiver Planung und Arbeit“. Thema ist das „Zechenwihler Hotzenhaus“ in Murg bei Laufenburg. Die beiden Autoren Georg Kirschbaum und Florian Rauch zeichnen dabei den Weg des zum Kulturgut avancierten Denkmals von den Anfängen des Fördervereines über den Erwerb des Hauses durch die Gemeinde Murg bis zu den derzeit laufenden Sanierungsarbeiten mit Kosten in Höhe von umgerechnet knapp 1,34 Millionen Franken nach.

Wichtige Impulse

Auch die neueste Auflage des Jahrbuches der FBVH beinhaltet Jahresberichte und Buchbesprechungen. Besonders erfreut zeigte sich Wälchli über die wissenschaftlichen Beiträge „Arme Siechen“ von Reto Bucher sowie „Der Rest von Fest“ von Miriam Hauser. Von beiden Monografien erwartet sich Wälchli „wichtige und weiterführende Impulse“ für die Aargauer Kantonalarchäologie.

Stolz ist Wälchli, dass die FBVH in der Vergangenheit einen wichtigen Beitrag geleistet habe, den es im kommenden Jahr zu würdigen gelte: Die Sektion der freiwilligen Bodenforscher unter der Leitung von Werner Brogli feiert 2021 ihr 40-jähriges Bestehen.

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