Wer kennt sie nicht, die „Große Welle“ von Hokusai? Es ist das weltweit bekannteste Bild Japans. Aus dieser Serie mit „Ansichten des Berges Fuji“ findet sich kein Blatt in der Ausstellung „Im schönen Schein der Edo-Zeit“ im Kulturhaus Villa Berberich. Dafür sieht man einige andere Farbholzschnitte des „malverrückten“ Hokusai, dem größten Meister der japanischen Holzschnittkunst im frühen 19. Jahrhundert.

Aber nicht nur dieser weltbekannteste japanische Künstler ist präsent in der am Sonntag eröffneten Schau der Deutsch-Japanischen Gesellschaft/Freundeskreis Nagai mit Exponaten aus der Sammlung von Vereinsmitglied Hannspeter Kunz. Mit Ando Hiroshige („100 Ansichten von Edo“) ist ein weiterer Meister vertreten, dessen „Abendregen über der Brücke“ ein berühmtes Werk ist. Auch viele andere Holzschneider sind mit Alltagsszenen über die vergängliche Schönheit des Augenblicks, von Schauspielerporträts bis zu Kurtisanen und Sumo-Kämpfern, vertreten.

Die jahrhundertealte japanische Kunst kam erst spät nach Europa, inspirierte Künstler wie van Gogh und trug zum Japonismus und dem Jugendstil bei. Peter Haußmann, Präsident der Deutsch-Japanischen Gesellschaft und ein intimer Kenner der japanischen Kunst, der bei Bedarf durch die Ausstellung führt, sowie seine Frau Regine haben zur besseren Anschauung dieser speziellen Technik noch einen Druckstock und Werkzeuge mitgebracht. Wegen der lichtempfindlichen Bilder wurden Paravents vor die Fenster gestellt.

Regine und Peter Haußmann vom Freundeskreis Nagai betreuen die Japan-Ausstellung.
Regine und Peter Haußmann vom Freundeskreis Nagai betreuen die Japan-Ausstellung. | Bild: Jürgen Scharf

Die 68 ausgestellten Arbeiten sind thematisch nach Sujets geordnet und weitgehend chronologisch nach der Entwicklung vom 18. bis zum 20. Jahrhundert gehängt. Angefangen von frühesten Werkbeispielen in Schwarz-Weiß, teils noch Vorstudien und Entwürfe. Darunter reizende Scherzblätter mit humorvollen Szenen wie „Streit mit Straßenköter“ (um 1850). Zu entdecken sind viele höfische Szenen, Bilder aus dem Leben der Frauen, Aufführungen des Kabuki-Theaters – bis auf die typisch uniformen Gesichter alles prächtig illustrierte und detaillierte Motive. Waren die ersten Arbeiten noch Buchillustrationen, so sind der Rest „fliegende Blätter“, die später zum Kunstgegenstand wurden.

Besucher der Ausstellung sollten ausreichend Zeit mitbringen für die Räume in der Villa Berberich, die mit Poesie, Stillleben mit Gedichten, Liebespaaren, Bootpartien, Hofdamen im Park und all den Szenen aus der Geschichte des Kaiserreichs und Genrebildern über bekannte Romane und Theaterstücke gefüllt sind.

Das könnte Sie auch interessieren