Einen schlicht gekleideten, tiefsinnigen Geschichtenerzähler aus der Alpenrepublik Österreich und einen gepolsterten Hocker. Mehr brauchte es am Mittwochabend auf der Bühne nicht, um die rund 80 Kulturliebhaber im Bad Säckinger Kursaal restlos zu begeistern. Der Kabarettist Stefan Waghubinger war mit seinem neuen Programm „Ich sag‘s jetzt nur zu Ihnen“ Im Rahmen der Reihe „Kultur im Kursaal“ zu Gast in der Trompeterstadt und gab den findigen Baulöwen, verpackt als vermeintlich seriöser Unternehmer, jedoch immer den Profit im Hinterkopf.

Stefan Waghubinger begeisterte mit seinem neuen Programm im Bad Säckinger Kursaal.
Stefan Waghubinger begeisterte mit seinem neuen Programm im Bad Säckinger Kursaal. | Bild: Andreas Böhm

Fließend waren die Übergänge beim Erzählen. Waghubinger spannte geschickt den Bogen vom Monopoly Spielen in die reale Welt des Geldes: „Ich spiele Bank; ich bin systemrelevant.“ Der Gewinner des Kleinkunstpreises des Landes Baden-Württemberg 2021 zauberte eine Pointe nach der anderen aus dem Hut und sparte nicht mit zynischen Seitenhieben, etwa auf die Politik: „Man kann ruhig die schlechten Politiker wählen; die guten sind sowieso in der Minderheit.“ Und er setzte noch einen drauf: „Zeit kann man mit Geld nicht kaufen; ehrliche Politiker auch nicht.“ Geistreich hinterfragte der Kabarettist den Begriff „Staat“: „Was ist der Staat? Man hat ihn noch nie gesehen.“

Stefan Waghubinger schnitt viele Themen an.
Stefan Waghubinger schnitt viele Themen an. | Bild: Andreas Böhm

Auch an seinem Privatleben ließ Stefan Waghubinger die Zuhörer teilhaben. Da konnte man schon fast Mitleid bekommen, als er von einer Paartherapie erzählte, um das Liebesleben anzukurbeln. Das Resultat: Das Paar nimmt Abstand voneinander „für höchstens ein Jahr oder länger“. Ganz banale Dinge setzte Waghubinger mit bissigem Humor in Szene; zum Beispiel die Pflege seines Rasens. Drei Mähroboter habe er schon verschlissen; einer davon wurde vom Nachbarssohn glattweg erschossen. Waghubinger wunderte sich indes über den ausgeprägten Jagdinstinkt des Nachbarn, der eigentlich Vegetarier ist.

Freiheit

Auch das Thema Freiheit und deren Einschränkungen beschäftigten den Künstler. Als Beispiel zog er seinen Goldfisch heran, der im engen Glas immer nur im Kreis schwimmen kann. Sein Fazit: „Freiheit fängt dort an, wo man seine Grenzen nicht sieht.“ Grenzen gab es in diesem Programm ohnehin nicht und auch die geforderte Zugabe gewährte Stefan Waghubinger gerne.

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Zum Abschluss des amüsanten Abends bedankte sich die Kulturreferentin der Stadt, Christine Stanzel, beim Künstler mit einem kleinen Präsent. Zugleich zeigte sie sich erfreut, in Bad Säckingen nach acht Monaten Zwangspause wieder Veranstaltungen anbieten zu können: „Ich freue mich, dass wir wieder Kultur machen dürfen und hoffe, dass wir das geplante Programm durchführen können.“