Künstler, Konzertveranstalter, Roadies, die bei Konzerten die Bühnen aufbauen, die Technik installieren, Schausteller: Viele von ihnen stehen aufgrund der Corona-Krise aktuell vor dem finanziellen Aus – trotz der Hilfspakete der Bundes- und Landesregierung. „Unser Kerngeschäft ist komplett weggebrochen“, sagt Sebastian Dessecker vom Verein „Kombinat für Elastizität“. Er hat am Mittwoch eine Mahnwache in Bad Säckingen organisiert, um an die prekäre Lage der Branche zu erinnern.

„Meine Schwester ist Künstlerin und in einer schwierigen Lage“, sagt Gudrun Zimmermann aus Bad Säckingen, die deshalb ein Zeichen setzen möchte und gekommen ist. „Wenn ich Auftritte habe, sehe ich, wie viel Arbeit im Bühnenaufbau steckt und wie viele Arbeitsplätze daran hängen. Viele sind in ihrer Existenz bedroht“, ergänzt Sven Lawicki, der als Punk-Poet auftritt.

Sebastian Dessecker selbst ist seit 20 Jahren selbstständig in der Branche tätig, er hilft etwa Messebauern oder Konzertveranstaltern beim Aufbau von Bühnen oder Messeständen, organisiert Kunstevents. Im vergangenen Jahr unterstützte er die UEFA beim Anbringen von Bandenwerbung in Fußballstadien, etwa in Bulgarien. „Bisher bin ich immer gut durchgekommen und habe genug verdient, um davon leben zu können“, erzählt er.

Er habe sogar Geld zurücklegen können. Das habe er nun seit dem Beginn der Corona-Krise aufgebraucht. „Leider haben unsere Mitbürger, die jeden Monat ein festes Gehalt beziehen, nicht immer Verständnis für unsere prekäre Lage“, sagt Dessecker. Er weiß von Vermietern zu berichten, die sofort einen Anwaltsbrief schicken, wenn die Miete nicht pünktlich auf dem Konto ist, obwohl die Bundesregierung mit Blick auf die Corona-Krise entschieden hat, das säumige Mieter vorerst nicht gekündigt werden können.

Die Mahnwache fand parallel zu einer Demonstration unter dem Motto #AlarmstufeRot in Berlin statt, zu der die Veranstaltungswirtschaft aufgerufen hat. „Deutschlands sechstgrößter Wirtschaftszweig steht vor dem Kollaps“, heißt es auf der Homepage. Millionen Jobs seien bedroht. Eine Forderung lautet: „Überbrückungsprogramm für alle: alle Unternehmensgrößen, alle Kostenarten, alle Krisenmonate. Das Programm ist ohne Einschränkung aufzusetzen, vom Einzelunternehmer über kleine und mittlere Unternehmen bis zum Mittelständler mit bis zu 1000 Beschäftigten.“ Nach Berlin kamen mehrere tausend Menschen.