Heute läuft er den Trimm-Dich-Pfad „Vitaparcours“, in erster Linie nicht um sich fit zu halten, sondern um hier sauber zu machen. Steffen Schneider räumt dort auf, wo andere ihren Müll sorglos in die Natur werfen. Das letzte Mal als er hier war, hat er 40 Kippen mit nach Hause genommen. Heute möchte er aber auch etwas hier lassen: Mit im Gepäck hat er einen Dosenaschenbecher, den er hier anbringen will. Der „Saubermann von Säckingen“ ist in seinem Element.

Im März hat er die Gruppe „Cleanup Bad Säckingen ins Leben gerufen“, einmal im Monat treffen sich die 20 Aktiven zum Sammeln von Müll an unterschiedlichen Plätzen der Stadt. Und immer gehen sie mit gefüllten Müllsäcken wieder nach Hause. Und Schneider sei es auch gewesen, der Matthias Fieles dazu bewegt habe, in Rickenbach die Cleanup-Gruppe zu gründen.

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Aber auch allein ist Steffen Schneider unterwegs, ausgestattet mit Eimer und Holzzange. Jeden zweiten Tag ist er woanders auf Tour. Insgesamt war er schon 65 Mal in den vergangenen drei Monaten unterwegs. Von seinen „Sammlungen“ am Vitaparcours und im Badmattenpark erstellt er sogar Statistiken. Schon seit 20 Jahren beschäftigt sich der Familienvater mit Umweltschutz. Er komme aus der Berliner Demo-Szene. Das Umweltproblem sei für ihn das Größte, weil es direkt die Lebensgrundlage betrifft. „Umweltschutz sollte uns alle angehen“, sagt der 42-Jährige, der sich selbst Aktivist nennt. Mit vielen kleineren Aktionen ist er aktiv, so hat er in den vergangenen zwei Wochen 150 Taschenaschenbecher an Raucher in der Stadt verteilt. Das sind kleine Metalldosen, in denen die zu Ende gerauchten Kippen verstaut werden können. Schneider bekommt diese von der Zigarettenindustrie. „Jede Kippe verseucht 40 Liter Wasser“, klärt er auf. Ist er in Aktion, komme er mit Leuten ins Gespräch. „Manche sagen, einer alleine könne nichts bewegen, doch das stimmt nicht.“ Er macht dies alles für die nachfolgendenden Generationen. Ja, auch für seine beiden Kinder.

Auf dem Vitaparcours unterwegs, merkt Schneider den Effekt seiner Arbeit. Heute ist es hier viel sauberer als noch beim letzten Mal. „Dort wo viel Müll liegt, kommt schnell mehr dazu, wo ich aufgeräumt habe, kommt nur noch wenig dazu“, erklärt er.

Steffen Schneider in seinem Element.
Steffen Schneider in seinem Element. | Bild: Verena Wehrle

Hotspots in der Stadt seien vor allem der Bahnhof und der Bereich am Rhein und die Ortsausfahrten. Mit Corona und dem verstärkten To-Go-Geschäft seien auch die Müllmengen größer geworden. Für Pizzakartons sind die Mülleimer der Stadt einfach zu klein, so Schneider. Und gerade die Gesichtsmasken fallen seit Corona so sehr auf – vor allem in der Natur. Er lobt aber auch die Arbeit der Stadt, die auch sonntags die Mülleimer leeren würde. „Viele werfen ihren Müll auch aus dem Autofenster“, ärgert sich der Aktivist und betont gleich mehrmals, dass dies doch unterlassen werden sollte. Dabei möchte er eigentlich nicht mit erhobenem Zeigefinger unterwegs sein. „Das Beste ist, wenn ich andere zum Umdenken bewege oder auch zum Müll wegräumen“, erzählt er. Dies geschehe allein schon dadurch, wenn er gemeinsam mit Mitstreitern mit den Zangen unterwegs sei. Wenn sie gesehen werden. Und vor allem, wenn klar werden, dass sie es ehrenamtlich machen. „Ich brauche kein Lob, das was ich brauche, ist eine saubere Umwelt“, so Schneider.

Und wie erreicht man diese saubere Umwelt?

Für ihn gebe es dafür drei Lösungen: 1. genug Mülleimer und Aschenbecher in der Stadt, 2. Aufklärung und Bildung und 3. höhere Strafen und Kontrollen. Der Bußgeldrahmen für Umweltverschmutzung liegt laut Schneider bei 50 bis 250 Euro, in Bad Säckingen nur bei 20 Euro. Über seine Lösungsvorschläge hat Steffen Schneider bereits mit der Stadt gesprochen. Und diese möchte nun gemeinsam mit ihm und anderen Gruppen etwas erarbeiten. Was genau geplant ist, möchte die Stadt am 25. Juni der Öffentlichkeit vorstellen. Auch mit dem Jugendreferat hat Schneider schon gesprochen, denn er will die Jugendlichen mit ins Boot holen. Diese könnten sich beispielsweise beim Plogging beteiligen, eine sportliche Variante des Müllaufhebens. Einige Mitglieder der Gruppe machen dies bereits.

40 Kippen schnappt sich der Müllsammler an diesem Tag auf dem Vitaparcours. Bei Station 3 hängt er den Dosenaschenbecher auf. Denn dort sieht man genau, dass die Kippen ausgehen und auf dem Boden landen.

Am Schild von Station 3 befestigt Schneider einen bemalten Dosenaschenbecher. Er hofft, dass alle künftig ihre Kippen dort reinwerfen und nicht mehr auf den Boden.
Am Schild von Station 3 befestigt Schneider einen bemalten Dosenaschenbecher. Er hofft, dass alle künftig ihre Kippen dort reinwerfen und nicht mehr auf den Boden. | Bild: Verena Wehrle
Der bemalte Dosenaschenbecher.
Der bemalte Dosenaschenbecher. | Bild: Verena Wehrle

Nach einer Stunde am Ende des Parcours ist der kleine Eimer mit dem „Cleanup Bad Säckingen“-Logo noch nicht voll. Doch Schneider überquert die Straße und trifft hier am Waldrand auf wüst verteilten Müll, den vermutlich irgendwer aus dem Auto geworfen hat: zerbrochene Flaschen, aufgelöste Windeln, volle Mülltüten. Schnell ist der Eimer voll. Der große blaue Sack muss ran. Der Anblick des Mülls stimmt traurig.

Beim Kamp für eine saubere Umwelt trifft Steffen Schneider oft auf abgelagerten Müll wie hier gegenüber dem Vitaparcours am Waldrand.
Beim Kamp für eine saubere Umwelt trifft Steffen Schneider oft auf abgelagerten Müll wie hier gegenüber dem Vitaparcours am Waldrand. | Bild: Verena Wehrle

Ein weiterer Bürger fährt vorbei, erzählt von dort kürzlich abgelagertem Bauschutt und ist ebenfalls entsetzt, lobt Schneiders Engagement. „Solange sie nicht erwischt werden, ändert sich nichts“, sagt Schneider während er sein Logo auf den blauen Sack klebt.

Die Tour ist zu Ende und der blaue Sack ist gut gefüllt. Der Aufkleber muss noch drauf, damit bei der Entsorgung auch jeder weiß, dass dies eben keine illegale Müllablage ist.
Die Tour ist zu Ende und der blaue Sack ist gut gefüllt. Der Aufkleber muss noch drauf, damit bei der Entsorgung auch jeder weiß, dass dies eben keine illegale Müllablage ist. | Bild: Verena Wehrle
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