„Depression ist eine Erkrankung“ und „Depression ist behandelbar“: Diese Botschaften waren auf den Schildern zu lesen, welche die sechs Teilnehmer der Mut-Tour bei sich führten, als sie am Sonntag Station in Bad Säckingen machten. Sie möchten die Öffentlichkeit über diese oft verborgene Krankheit aufklären und sich dafür einsetzen, dass seelische Erkrankungen ebenso ernst genommen werden wie körperliche.

Die Mut-Tour war zunächst eine private Initiative von Sebastian Burger aus Bremen. Daraus entwickelte sich eine deutschlandweite Bewegung, die in diesem Jahr ihren zehnten Geburtstag feiert und von verschiedensten Partnern sowie den Krankenkassen Unterstützung erfährt. Im ganzen Land machen sich Hunderte von Menschen von Juni bis September per Rad auf den Weg, darunter sind viele von Depressionen Betroffene, die Gemeinschaftserfahrungen, Begegnungen und Gespräche suchen, um für mehr Mut und Offenheit im Umgang mit dieser Krankheit zu werben.

Insgesamt gibt es zwölf Touren, von denen die Nummer zehn vom 9. bis zum 16. August von Karlsruhe über Baden-Baden, Offenburg, Freiburg mit einem Abstecher an den Hochrhein bis Tuttlingen führt.

Die Tour sei keine bequeme Pauschalreise, aber auch kein Abenteuerurlaub, vielmehr wolle man die Teilnehmer aus ihrer Komfortzone herauslocken und sie ermutigen, sich gemeinschaftlich auf Unbekanntes einzulassen, erklärt Tourleiterin Julia Vermeer. Übernachtet wird in Zelten auf Grundstücken, die freundliche Menschen zur Verfügung stellen. „Die Hilfsbereitschaft ist riesengroß“, so Julia Vermeer. Eingekauft wird lokal, und das Essen bereiten die Teilnehmer selbst zu. Ein Sinnbild dafür, dass Depressive Menschen brauchen, die hinter ihnen stehen, sind die Tandem-Räder.

Kim Geißler und Hans Hansenson berichteten über ihre Erfahrungen mit Depressionen.
Kim Geißler und Hans Hansenson berichteten über ihre Erfahrungen mit Depressionen. | Bild: Michael Gottstein

Am wichtigsten ist der Austausch mit Menschen innerhalb der Gruppe, die das gleiche Schicksal teilen, aber auch mit den Einheimischen, denen man begegnet. Die öffentliche Wahrnehmung sei deshalb so wichtig, weil „Depression eine Krankheit ist, die man nicht sieht“, berichtet der 68-jährige Hans Hansenson aus Weimar. Die Patienten leiden unter Antriebslosigkeit und brauchen ein soziales Umfeld, das sie ermuntert, ärztliche Hilfe zu suchen. Dass Depressionen behandelbar sind – ambulant oder stationär, medikamentös oder psychotherapeutisch – ist eine weitere zentrale Botschaft.

Bei der Tour stellte Hans Hansenson fest, dass viele Menschen das Gespräch suchten. „Viele haben Angehörige und Freunde, die an Depressionen leiden, und sind froh, sich austauschen zu können.“ Der Zuspruch, den er selbst immer wieder erfahre, sei eines der schönsten Erlebnisse der Tour.

Die 26-jährige Kim Geißler aus Mainz hatte seit ihrer Jugend immer wieder mit Depressionen zu kämpfen, war schon zwei Mal in einer Klinik, ist aber jetzt in ambulanter Psychotherapie. Natürlich sei es eine ernsthafte Erkrankung, aber „Depressionen sind kein Dauerzustand, sondern verlaufen in Schüben“. Man könne auf jeden Fall etwas dagegen tun, und „für die Betroffenen ist es leichter, wenn die Öffentlichkeit zumindest in Grundzügen über diese Krankheit Bescheid weiß.“

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