In einer Warteschlage zu stehen war schon immer nervig, mittlerweile ist es mehr als das. So geht es doch meistens um Testabstriche, Pieksen oder kontaktarme Behördentermine. Am Sonntagabend standen die Menschen in Bad Säckingen mal wieder aufgeregt und für etwas Schönes Schlange: Das Varian Fry Quartett war im Kursaal zu Gast und lockte zahlreiche Liebhaber der klassischen Musik in die Trompeterstadt. Mit dem Streichquartett aus den Reihen der Berliner Philharmoniker standen die Erwartungen auf Hochkarat. Und sie sollten erfüllt werden.

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Die Besetzung im Quartett ist die wohl bekannteste Formation – oder wie Kulturreferentin Christine Stanzel sagt „die Königsdisziplin“ – der Kammermusik. Das Genre der Kleinbesetzungen gibt Raum für solistisches Können und fordert umso mehr ein konzentriertes Zusammenspiel der Musiker, was das Varian Fry Quartett trotz zweier Vertretungen, bravourös meisterte. Mit Stücken von Claude Debussy, Dimitri Schostakowitsch und Pjotr Tschaikowskij widmeten sich die vier Streicher drei sehr unterschiedlichen aber auf ihre Art meisterhafte Kompositionen.

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Hadernd, vage und auf bestimmte Weise unsicher erklang Debussys Streichquartett in g-Moll von 1893 in der typischen Tonsprache des französischen Komponisten. In vier Sätzen, die in sich geschlossen harmonisch geschrieben sind, wandelte das Varian Fry Quartett von verspielten zu ernsten und zu weichen sowie zuletzt aufbrausenden Passagen. Es folgte das jüngste Werk des Abends: Das Streichquartett Nr. 10, das Schostakowitsch 1964 in nur elf Tagen schrieb. Das Stück in vier Sätzen zeichnet sich dadurch aus, dass es musikalische Motive immer wieder in den verschiedensten Interpretationen anklingen lässt. Besonders beeindruckend war die Darbietung des „Allegretto Furioso“. Das anschließende melancholisch schöne Adagio wirkte entspannt, bevor das Publikum mit einem abrupten zweiten Allegretto in die Pause verabschiedet wurde.

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Zum Abschluss ging es zurück in das Jahr 1876 mit dem Streichquartett Nr. 3 aus der Feder von Tschaikowskij. Über weite Strecken ließ sich das Stück nur schwer greifen, weil es immer wieder in neue Wendungen einbog. Umso entschlossener spielte das Varian Fry Quartett schließlich auf den Schlussakkord zu, der im wahrsten Sinne einem klassischen Finale entsprach.