Dieses Jahr sind die Wetter-Singularitäten in Bad Säckingen bis jetzt pünktlich. Nachdem zu Beginn der Eisheiligen die Tagestemperatur innerhalb 24 Stunden um 20 Grad gesunken ist, stellt sich das Wetter nach den vergangenen sommerlichen Tagen mit sehr viel Sonnenschein auch pünktlich zur Schafskälte um. Bei knapp 15 Grad niedrigeren Temperaturen könnte es den frisch geschorenen Schafen in den vergangenen Tagen kalt geworden sein.

Die Schafskälte ist eine sogenannte meteorologische Singularität, dabei handelt es sich um Wetterlagen, die zu bestimmten Zeiten im Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit auftreten. Mit der Schafskälte wird ein kühler Witterungsabschnitt bezeichnet, der häufig vom 1. Juni bis zum 25. Juni vorkommt. Da die Hirten traditionell zum Ende des Frühjahrs ihre Schafe scheren, wurde die die Singularität Schafskälte genannt. Bei besonders kalten Temperaturen ist die Situation für die Tiere sogar durchaus gefährlich.

Ursache der Schafskälte in Mitteleuropa ist normalerweise ein Kaltluftvorstoß aus dem Norden. Dieser kommt zustande, weil sich Land- und Wassermassen im Frühjahr unterschiedlich stark erwärmen. Da sich die Nordsee noch nicht so sehr erwärmt hat wie der europäische Kontinent, werden die kalten Luftmassen aus dem Norden nicht so erwärmt wie im Sommer, wo die Kaltlufteinbrüche immer geringere Ausmaße bekommen.

Bei einer ausgeprägten Schafskälte ist die Temperatur im Vergleich zum langjährigen Mittel etwa vier Grad kühler. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts trat die Schafskälte mit großer Regelmäßigkeit ein. In Deutschland trat dieses Phänomen in den Jahren 1881 bis 1947 zu 89 Prozent auf. In den vergangenen Jahren verkam die Schafskälte dagegen eher zum Mythos, ähnlich den sogenannten Eisheiligen, die im Mai auftreten.

Der Monat Juni zeigte sich in den vergangenen Jahren in Bad Säckingen oft von seiner hochsommerlichen Seite. In guter Erinnerung ist die Rekordhitze vom Juni 2002, welche bereits im Jahr darauf von der Jahrhundert-Junihitze 2003 nochmals massiv übertroffen wurde. Vor sechs Jahren gab es mit 36,5 Grad am 9. Juni sogar die höchste Temperatur des Jahres 2014. Heiß waren auch die Junimonate 2005 und 2006. Bei den Hochrhein-Aufzeichnungen seit 1997 trat die Schafskälte nur in den Jahren 1998, 2001, 2008, 2010, 2011 und 2019 auf.