Mit dem früheren Stadtpfarrer Ludwig Herr ist vor 75 Jahren eine markante Säckinger Persönlichkeit gestorben. Er war 31 Jahre Seelsorger der Münsterpfarrei, Wohltäter der christlichen Kinderfürsorge und Förderer des Säckinger Kurgeschehens.

Der Geistliche Rat Ludwig Herr (1870 bis 1946)
Der Geistliche Rat Ludwig Herr (1870 bis 1946) | Bild: Richard Kaiser (Repro)

Am 1. Februar 1870 in Fautenbach, einem heutigen Stadtteil von Achern (Ortenaukreis) geboren, wurde Ludwig Herr 1895 zum Priester geweiht. Nach verschiedenen Seelsorgestationen wurde er 1911 Stadtpfarrer in Säckingen. Für den Vinzentiusverein erwarb er 1918 das Säckinger Bad-Hotel, das damals viel von seinem guten Ruf verloren hatte. Dem dann als Marienhaus geführten Heilbad gelang in der Folgezeit die Wiederbelebung des Säckinger Bäder- und Fremdenverkehrsgeschehens. Nach dem Ersten Weltkrieg ließ Ludwig Herr das Säckinger Waisenhaus (das spätere Kinderheim St. Fridolin) modernisieren, gründete in Rickenbach ein Kinderheim und galt fortan als unermüdlicher Förderer beider Anstalten.

Der Sockel eines beinahe fünf Meter hohen Kreuzes auf dem Aufriedhof trägt die Inschrift „Gedenket Eurer Seelsorger, die hier in Gottes Frieden ruhen“. Hier liegen die beiden Pfarrer Ferdinand Hund und Ludwig Herr begraben.
Der Sockel eines beinahe fünf Meter hohen Kreuzes auf dem Aufriedhof trägt die Inschrift „Gedenket Eurer Seelsorger, die hier in Gottes Frieden ruhen“. Hier liegen die beiden Pfarrer Ferdinand Hund und Ludwig Herr begraben. | Bild: Richard Kaiser

Auf seine Anregung ließen sich Patres der rheinisch-westfälischen Provinz des Kapuzinerordens 1918 in Säckingen nieder und gründeten ein Kloster. Die Ordensgeistlichen wurde durch das Erzbischöfliche Ordinariat Freiburg beauftragt, die 1966 erbaute Heilig-Kreuz-Kirche zu betreuen. Als letzter Säckinger Pater des Kapuzinerordens war Frowin Möller bis in die 1980er Jahre Administrator der Pfarrei Heilig Kreuz.

Als hochgeschätzter Stadtpfarrer veranlasste Ludwig Herr 1935 auch eine umfassende Innenrenovierung des Fridolinsmünsters, bevor er sich aus gesundheitlichen Gründen als 72-Jähriger Geistlicher Rat 1942 in den Ruhestand begab. Am 30. November 1946, also vor 75 Jahren, starb der willensstarke Priester in Rickenbach und wurde auf dem Säckinger Aufriedhof beerdigt. Er ruht im Grab seines Vorgängers, des Dekans und Geistlichen Rats Ferdinand Hund, der von 1894 bis 1909 Säckinger Münsterpfarrer war.

An den tatkräftigen Seelsorger erinnert die um 1960 gebaute fast zwei Kilometer lange Ludwig-Herr-Straße, die von der Rippolinger Straße bis zum Beginn der Obersäckinger Marienstraße verläuft. Herrs Nachfolger im Münsterpfarramt war ab 1942 ein Vierteljahrhundert lang Ehrendomherr Hugo Herrmann (1893 bis 1985), bekannt als ebenso herausragende Persönlichkeit. Für seine Verdienste zum Wohl der Allgemeinheit verlieh ihm die Stadt 1967 das Ehrenbürgerrecht und 1970 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Auch nach ihm wurde in Bad Säckingen eine Straße benannt, die sich im Wohnbaugebiet Rhein-Au befindet.