In Pandemiezeiten gehen die Kirchen neue Wege, um die Frohe Botschaft zu verkünden: Zum Beispiel durch Internetübertragungen von Messen oder indem sie ausformulierte Predigten und Liturgieabläufe für häusliche Gottesdienstfeiern bereitstellen. Oder sie nutzen eben das Autokino. So geschehen gestern am ersten Adventssonntag, als Dekan Peter Berg zum zweiten Mal – nach der Premiere im Mai – eine derartige Messe in Wallbach zelebrierte.

Mitarbeiter der Gebäudereinigung Huber wiesen die Gottesdienstbesucher ein.
Mitarbeiter der Gebäudereinigung Huber wiesen die Gottesdienstbesucher ein. | Bild: Michael Gottstein

In etwa 30 Autos waren die Besucher zum Verkehrsübungsplatz gekommen, wo Mitarbeiter der Gebäudereinigung Huber (sie ist die Betreiberin des Autokinos) die Gläubigen einwiesen und ihnen die Empfangsfrequenz verrieten. Die Besucher waren froh, in der wohligen Wärme ihrer Wagen bleiben zu können, denn das Wetter zeigte sich wenig einladend für Freiluftveranstaltungen: Das insgesamt durchwachsene Wetter passte nicht schlecht zur Stimmung in den Kirchen: Einerseits dürfen, anders als im Frühjahr, wieder Präsenz-Gottesdienste gefeiert werden, andererseits ist dies nur unter strengen Auflagen und mit einer stark beschränkten Zahl von Besuchern möglich. Und manche Risikogruppen scheuen den Weg in die Gotteshäuser.

Zusammen mit drei Sängerinnen des Münsterchores, Bezirkskantor Markus Mackowiak und Lektorin Waltraud Wunderle zelebrierte Dekan Peter Berg den Gottesdienst.
Zusammen mit drei Sängerinnen des Münsterchores, Bezirkskantor Markus Mackowiak und Lektorin Waltraud Wunderle zelebrierte Dekan Peter Berg den Gottesdienst. | Bild: Michael Gottstein

Irmgard Gerteis hatte die Tribüne mit Pampasgras, das im Wind hin und her wogte, und glaskugelummantelten Kerzenlichtern geschmückt, und für die musikalische Umrahmung sorgten drei Sängerinnen des Münsterchores und Bezirkskantor Markus Mackowiak, der sie mit dickem Schal am E-Piano begleitete. Dekan Peter Berg schlug einen Bogen vom Buch Jesaja über das Markus-Evangelium zur heutigen Pandemielage: Der Advent sei oft eine geschäftige Zeit, die mit dem ganzen Einkaufsstress vom Wesentlichen ablenke. Jetzt verlaufe das Leben zwangsweise in ruhigeren Bahnen, so dass es manchem fast beängstigend vorkomme. Der Prophet Jesaja schilderte, wie das Volk Israel nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft emsig mit dem Wiederaufbau des Tempels beschäftigt war. Gleichzeitig befand es sich in einer inneren Krise und stellte sich die Frage: „Wohin führt das alles.“ Auch heute habe die Gesellschaft manchmal den Glauben verloren und sei auf Sinnsuche, so der Geistliche. Der Advent sei daher die Zeit, sich zu besinnen und in Wachsamkeit für Gott offen zu sein: „Er kommt, aber oft anders als erwartet.“ Wo Menschen in Liebe füreinander da seien und die Schwachen und Risikogruppen nicht aus den Augen verlören, da spüre man, dass Gott für die Welt da sei. Offenbar hatte er die richtigen Worte getroffen, denn die Fahrer drückten ihre Anerkennung per Hupe aus.

Fröhlich hupend und in guter Stimmung fuhren die Gottesdienstbesucher von dannen.
Fröhlich hupend und in guter Stimmung fuhren die Gottesdienstbesucher von dannen. | Bild: Michael Gottstein

Ortsvorsteher Fred Thelen meinte: „Das Autokino ist eine schöne Möglichkeit, Gottesdienste mitzufeiern und mitzusingen – das ist in den Kirchen nämlich verboten.“ Martina Robert vom Münsterchor meinte: „Mir hat der Gottesdienst gefallen, denn man konnte sehen, wie die Leute in den Autos mitgefeiert und sich gefreut haben.“

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