Westlich von Harpolingen, am Neumattweg, kommt der Spaziergänger nach einem halben Kilometer an einem Ziegengehege vorbei, romantisch eingebettet zwischen Wiesen und Waldrand. Das Bimmeln der Glöckchen am Hals der Tiere hört man von der Weite. Die Geräuschkulisse erzeugt alpines Flair. Neugierig nähern sich die Tiere dem Zaun. Futter gibt es zur Genüge. Heu, Mais und Hafer steht üblicherweise auf dem Speiseplan, ausgestreut von fachkundiger Hand, dem „Ziegenvater“ Reiner Burkhardt. Reiner mit „e“.

Eigentlich ist das Ziegengehege eine unspektakuläre Angelegenheit, aber das Gehege auf der Gemarkung Rippolingen ist beim näheren Hinsehen schon eine besondere Sache. Ein großes Stallgebäude gehört dazu. Platz für Gerätschaften, Traktor, Tiere und Futter.

Die Anfänge des Burkhardt-Geheges waren fließend. Die Großväter werkelten in mehreren Schrebergärten und einem großer Hof in Westpreußen mit 7500 Quadratmeter. Reiner Burkhardt wuchs mit Kaninchen, Hühnern, Gänsen, Schweinen auf. Das prägte sein Leben mit Tieren im Teufelsmoor zwischen Bremen und Bremerhaven. Der höchste Berg hatte eine Höhe von 51 Metern über dem Meeresspiegel. In den Ferien fuhr er oft in den Süden, Tirol hatte es ihm angetan. Gletschertouren waren seine Leidenschaft, Biwak am Gletscherrand. Seine Frau hatte er ebenfalls im Süden kennenglernt und so kam es, dass er mit ihr in Harpolingen landete.

Das Ziegen-Gehege von Reiner Burkhardt, idyllisch am Waldrand bei Rippolingen/Harpolingen gelegen.
Das Ziegen-Gehege von Reiner Burkhardt, idyllisch am Waldrand bei Rippolingen/Harpolingen gelegen. | Bild: Harald Schwarz

Reiner Burkhardt ist neben seinem ausgeprägten Tierhobby Straßenbauplaner. Für ihn sind die Tiere ein Ausgleich zum Beruf. Im Jahr 2000 begann er mit der Ziegenaufzucht. Inzwischen verfügt er über acht Hektar Wiesenfläche. Neben den Ziegen zieht er seit acht Jahren Dexter-Kühe auf. Dexterrinder liefern Milch und Fleisch. „Das sind die kleinsten Europäischen Rinder. Sie sind in Futter und Haltung ziemlich anspruchslos“, erklärt Reiner Burkhardt. Da sie robust und abgehärtet sind, können sie sich im Winter sehr gut schützen. Fünf Kühe und ein Kalb gehören zu seinem Bestand. 13 Ziegen (Afrikanische Rasse und Pfauenziegen aus dem Appenzeller Land) sowie fünf Gitzis (Zicklein werden in der Deutschschweiz Gitzi genannt) leben in friedlicher Eintracht mit den Kühen.

Das Fleisch von dreimonatigen Jungtieren ist sehr begehrt. Ziegenmilch und -Käse sind ebenfalls beliebte Produkte aus der Ziegenhaltung. Burkhardt lässt aber die Jungtiere bei ihrer Mutter. So verzichtet er auf diese Spezialitäten.

„Warum mache ich das?“ fragt sich Reiner Burkhardt selbst. „Für mich ist das ein Abschalten aus dem Büroalltag. Körperlich macht man etwas. Es kommen viele Leute aus Harpolingen und Rippolingen vorbei. Kommunikation ist auch ein Teil des Wohlbefindens“, gesteht sich Burkhardt ein. Undwie sieht die Zukunftsplanung aus? „Größer werden macht keinen Sinn. Es soll ja Spaß machen“ betont er. „Ein Kuhstall wäre aber noch in der Planung“. Eine Option für die nahe Zukunft.