Betritt man diesen kleinen, im Bebauungsplan als „Grünfläche“ ausgewiesenen Park, so ist der Rosenfreund nach dem Passieren des mächtigen, schmiedeeisernen Tors von der Artenvielfalt und Farbenpracht der Rosen und anderer Blumenarten eingenommen. Ein gepflasterter Weg führt hindurch, den viele Anwohner nutzen, um in die Innenstadt zu gelangen. Das Gelände war einst die Parkanlage der Villa Mutter, in der eine Schnapsfabrikantenfamilie lebte. Klaus Strittmatter, Leiter des Technischen Diensts Bad Säckingen, schätzt die Größe der mittlerweile städtischen Fläche auf etwa 150 bis 200 Quadratmeter. Die Stadtgärtnerei kümmert sich heute um die Anlage.

Villa Mutter in Bad Säckingen. Das Datum der Aufnahme ist unbekannt.
Villa Mutter in Bad Säckingen. Das Datum der Aufnahme ist unbekannt. | Bild: Stadtarchiv Bad Säckingen

Zuvor allerdings haben die Ehepaare Höltmann, Becker, Fritsche über viele Jahre hinweg dem Rosengarten erst sein heutiges Gesicht gegeben und unter großen Anstrengungen aus dem damals verwahrlosten Garten einen ansehnlichen kleinen Park geschaffen. Inzwischen wachsen und gedeihen dort nahezu 300 Rosen- und andere Sträucher.

Welche Historie steckt im Wandel der Zeit dahinter?

Das Stadtarchiv mit deren Leiterin Eveline Klein hilft an dieser Stelle weiter. Als junge Frau, die sich der Natur sehr verbunden fühlte, begann Josefa Dossenbach mit den verschiedensten heimischen Kräutern, die ihr die Natur bot, zu experimentieren. Es fanden sich immer neue Zutaten mit deren natürlichen Kräften. Bis sie eines Tages eine Mixtur gefunden hatte, die nicht nur neu war und gute Wirkung versprach, sondern zu all dem auch noch sehr gut schmeckte. Die Mixtur, so berichtet die Stadtarchivarin, bekam den Namen „Hiddigeigei“, nach dem gleichnamigen schwarzen Kater aus der 1854 verfassten Versnovelle „Der Trompeter von Säckingen“.

Das ehemalige Etikett der Brennerei Bado in Bad Säckingen.
Das ehemalige Etikett der Brennerei Bado in Bad Säckingen. | Bild: Harald Schwarz

Der Name sollte einen Bezug zur Geburtsstätte der Rezeptur herstellen. Josefa Dossenbach eröffnete zusammen mit ihrem Mann Ferdinand Baumgartner die Weinbrennerei Bado, um fortan Obstwässer, Weinbrände aber auch den so beliebten „Hiddigeigei“ herzustellen. Der Großherzog von Baden war begeistert. Er verlieh Bado mit dem edlen Kräuterelexier das Prädikat „Hoflieferant“, weiß die Historikerin Eveline Klein. Tochter Olga folgte den Fußstapfen ihrer Eltern und übernahm zusammen mit ihrem Ehemann Josef Mutter die Brennerei. Die Mutter-Villa samt Park entstand in den Folgejahren. Die Geschäfte liefen gut. Weitere Brennereien in Mainz und Göttingen wurden dazu gekauft. Kriegswirren hinterließen jedoch tiefe Kerben im Unternehmen.

Die Weinbrennerei Bado im Jahre 1940. Links der Standort Bad Säckingen. Rechts oben ist die Villa Mutter zu erkennen. Im rechten Teil das Zweigwerk Weende.
Die Weinbrennerei Bado im Jahre 1940. Links der Standort Bad Säckingen. Rechts oben ist die Villa Mutter zu erkennen. Im rechten Teil das Zweigwerk Weende. | Bild: Stadtarchiv Bad Säckingen

Die Brennerei in Mainz wurde ausgebombt. Ein Grund, die Standorte zu überdenken. Die Herstellung des Kräuterelexiers „Hiddigeigei“ blieb bis in den 60er Jahren in Bad Säckingen. Danach wurde die Produktion nach Mainz verlagert, so Eveline Klein. Der edle Tropfen wird nun unter dem Namen „Mutter‘s bester Tropfen“ hergestellt und vermarktet. Die Villa Mutter wurde 1981 abgerissen. Sie wich der modernen Wohnanlage „Kloster“. Der kleine Park verwilderte. Er wurde aber dank privater Initiativen und der Unterhaltung durch die Stadt Bad Säckingen zu einem romantischen Flecken in der Trompeterstadt.