Jürgen Scharf

Märchen sind bekanntlich Erzählungen von wunderbaren Begebenheiten, die Handlung oft schlimm, der Ausgang meist gut. Bei seinem neuen Programm „Schneewittchen und das gestiefelte Rotkäppchen“ mit dem originellen Untertitel „Juris völlig verrückte Rettung der Märchenwelt“ hat der stark fantasiebestimmte Moderator, Texter und Ideengeber ein hübsches Märchenspiel geschaffen, das im Kursaal Erwachsene und 80 Kinder ansahen, darunter drei Grundschulklassen der Weihermattenschule mit ihren Lehrerinnen. Aber auch viele Abonnenten der Kammermusik-Abende haben ihre Enkel zu dem Märchenabend mitgebracht.

Die vier Cellisten des Rastrelli-Quartetts und Erzähler Juri Tetzlaff gefielen mit ihrem musikalischen Märchen.
Die vier Cellisten des Rastrelli-Quartetts und Erzähler Juri Tetzlaff gefielen mit ihrem musikalischen Märchen. | Bild: Jürgen Scharf

Im Bad Säckinger Kursaal herrschte Mucksmäuschenstille, als die Musik von Kirill Timofeev im Stil osteuropäischer Volksmusik erklang und Juri Tetzlaff wie üblich über die Bühne wirbelte, die Figuren seines Märchens darstellte und den Märchenschatz der Grimm-Brüder neu zusammenwürfelte. Tetzlaff verblüffte mit verstellter Stimme und verschiedenen Stimmfarben, sprach auch mal ganz heiser. Beim „Gestiefelten Rotkäppchen“ hat er alles herrlich durcheinander gebracht, aber die Kinder wussten Bescheid und haben mitgespielt, als wären sie einstudiert gewesen.

Dieses neue Märchenprogramm mit konzertantem Charakter hat Tetzlaff im Frühjahr dieses Jahres für diese Cello-Besetzung entwickelt. Timothy Scherer, der Haustechniker im Kursaal, hat die Bilder dazu projiziert, vom Schloss, Wald, Teich und Hexenhaus, und auf der Bühne standen Tannenbäume, sodass es ein stimmiges vorweihnachtliches Programm war.

Jede Note sitzt

Für die Erwachsenen ging es dann im zweiten Teil des Märchenabends weiter. Von einer georgischen Volkssuite bis zu Henry Mancinis „Pink Panther“ reichte das Programm, das wegen Erkrankung des künstlerischen Leiters spontan umgeändert werden musste. Aber auch Reinhold Glières Walzer, Leroy Andersons „Synkopated Glock“, Faurés Traum-Impression, Sergio Drabkins jüdisches Lied bis zur für Audrey Hepburn geschriebenen Filmmusik „Moon River“ war alles meisterlich und liebevoll gemacht. Jede Note saß.

Es war kurzweilig, und vier Celli sind sowieso immer etwas Besonderes, zumal wenn sie mit so verblüffender Virtuosität und so homogen spielen. Aber auch ohne Geschichten zu erzählen, erfreute dieser klassische und konzertante Teil durch eine außergewöhnliche musikalische Überredungsgabe der vier Rastrelli-Cellisten, die mit ebenso viel Tonschönheit wie auch gestalterischer Fantasie aufspielten.