Als volkstümlicher Professor ist Gustav Oberholzer hierzulande bekannt. Am morgigen Sonntag, 12. Juli, kann er in München seinen 85. Geburtstag feiern. Von 1968 bis 1978 war er als leitender Ingenieur beim damaligen Flurbereinigungsamt Säckingen tätig, und danach trat er in München bei der Universität der Bundeswehr in der Fakultät für Bauingenieur- und Vermessungswesen die neugeschaffene Professur für Ländliche Neuordnung und Flurbereinigung an. In den drei Ortschaften des Markgräflerlandes Ötlingen, Tüllingen und Hausen groß geworden, zog es Gustav Oberholzer nach seinem Geodäsie-Studium an der Technischen Universität Karlsruhe (1955 bis 1959), seiner Beschäftigung als wissenschaftlicher Assistent mit anschließender Promotion und dem Referendariat für den höheren vermessungstechnischen Verwaltungsdienst mit seiner Familie nach Bad Säckingen, wo er als Leiter der Neuordnungsverfahren Weizen, Lausheim und Blumegg und danach in den Waldflurbereinigungen Bernau und Unteralpfen-Oberalpfen-Remetschwiel arbeitete.

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Neben der Neugestaltung des ländlichen Raumes nahm Gustav Oberholzer mit der Wahrung des kulturellen Erbes eine zusätzliche Herausforderung an. So trat er 1975 in Bernau für die Erhaltung des über 200 Jahre alten Resenhofes ein und stellte die Weichen zur Errichtung seines heutigen Museums. Die Kulturgeschichte des südlichen Schwarzwaldes faszinierte Oberholzer aber auch von München aus. Immer wieder weilte er mit seiner Frau Ilse, die ihm helfend zur Seite stand, im Hotzenwald und hielt so die Verbindung zu Land und Leuten aufrecht. Daher verwundert es nicht, dass er bahnbrechend für das Heimatmuseum Görwihl tätig war und selbst wertvolle Impulse für das Einrichten des Klausenhofs Herrischried, des Zechenwihler Hotzenhauses, des Energiemuseums Rickenbach, der historischen Waffenkammer Dogern und für das Kirchen-Ensemble Unteralpfen gab.

Volkskundliche Abhandlungen

Aus der Feder von Gustav Oberholzer stammen zahlreiche akademische Abhandlungen und volkskundliche Beiträge. Beispielsweise hatte sich noch niemand vor ihm ausführlich mit dem Thema „Die Ostausrichtung der mittelalterlichen Kirchen und Gräber“ befasst, als Oberholzer von einer Auseinandersetzung von Pfarrer und Gemeindemitglieder in Hochsal im Jahre 1901 las, dass die Bewohner darauf bestanden, die Gräber weiterhin nach Osten auszurichten. Eine wissenschaftlich fundierte Arbeit, in der er europaweit 569 Kirchen auswertete, veröffentlichte er 2015.

Bergalinger Wallmauer

Ein unvollendetes Werk würde er gerne noch zu Ende geführt haben: Die Bergalinger Wallmauer, deren Bedeutung er sich in letzter Zeit widmete, hätte er gerne noch in einem kurzen Abschnitt authentisch aufleben lassen. Es fehlen ihm jedoch Unterstützer, denn aufgrund seines fortgeschrittenen Alters kann sich Gustav Oberholzer nicht mehr vor Ort, sondern nur noch mental einbringen.