Es dürfte eine Attraktion werden: Schon am Wochenende blieben Spaziergänger im Schlosspark vor den Fotos stehen, sahen und staunten. „Wir holen die Kunst aus der Quarantäne“ ist das Motto der Outdoor-Ausstellung, die als Rundweg von der Konzertmuschel in Richtung Rhein zum Pavillon aufgebaut ist.

Während man bei der Stadt Wehr auf digitale Ausstellungen setzt, geht der Kunstverein Hochrhein in Kooperation mit dem Tourismus- und Kulturamt Bad Säckingen andere Wege: analog und draußen mit „Fotos im Park“. 30 großformatige Fotografien von Barbara Bühlmann-Eschmann, Jakob Bosch und Barbara Keller sind Anziehungspunkt und Blickfang. Um sie haltbar zu machen, wurden die Fotos auf wetterfestem Untergrund gedruckt, mit versiegelten Oberflächen versehen und auf im Boden verankerten Staffeleien installiert.

Kunstvereins-Vorsitzender Frank van Veen (links) und Fotograf Jakob Bosch freuen sich über das gelungene Kunstprojekt im Freien.
Kunstvereins-Vorsitzender Frank van Veen (links) und Fotograf Jakob Bosch freuen sich über das gelungene Kunstprojekt im Freien. | Bild: Jürgen Scharf

„Wie schön, dass so ein wunderbarer Park für Kunst genutzt wird“, freute sich Kunstvereins-Vorsitzender Frank van Veen am Eröffnungssonntag, als auch Bürgermeister Alexander Guhl und Amtsleiter Thomas Ays sich die Ausstellung anschauten, über diesen „schönsten Park weit und breit“. Van Veen sprach von einem Experiment, das sehr gelungen sei, und von einer Alternative, die man gesucht habe, da Ausstellungshäuser derzeit geschlossen sind. Die Idee von Jakob Bosch habe man gerne aufgegriffen: „Wir gehen zu den Menschen und bringen die Arbeiten ins Freie.“

Die Idee von Fotograf Jakob Bosch (links) mit Fotos im Park griff Kunstvereins-Vorsitzender Frank van Veen gern auf.
Die Idee von Fotograf Jakob Bosch (links) mit Fotos im Park griff Kunstvereins-Vorsitzender Frank van Veen gern auf. | Bild: Jürgen Scharf

Angelegt ist die Fotoschau wie ein Stationenweg. Die drei Fotokünstler sind überaus unterschiedlich in ihren Sicht- und Arbeitsweisen, aber das Thema hält sie zusammen: Natur, Wald, Bäume, Pflanzen. Man sieht auch, dass das Waldthema nicht auf Deutschland oder Europa allein zu beschränken ist; es ist völlig unabhängig vom Ort.

Blick in den Bad Säckinger Schlosspark auf die Freilicht-Fotoausstellung.
Blick in den Bad Säckinger Schlosspark auf die Freilicht-Fotoausstellung. | Bild: Jürgen Scharf

Jakob Bosch zeigt recht verschiedene Waldlandschaften. Der winterliche Hotzenwald in der Nähe von Rickenbach mit Raureif und die bemoosten Bäume im Murgtal befinden sich in guter Nachbarschaft zu Bäumen aus Nationalparks im amerikanischen Westen. Bosch, der im vergangenen Früh- und Spätsommer im Murgtal unterwegs war, nutzte den besonderen Höhenblickwinkel auf die Bäume – eine sehr spezielle Perspektive. In Baumbildern aus der Bretagne, die gut in die Waldlinie passen, geht er sogar in die Sagenwelt und spürt in der Aufnahme „La Mort de Merlin“ der Artuslegende nach. „Sie betreten den Wald und sind in der Sage drin“, erzählt der Bad Säckinger Fotograf. Man spürt das auch schon beim reinen Betrachten.

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Einen speziellen Blickwinkel hat auch Barbara Keller in ihren eigenwilligen Naturstudien. Die Zürcher Fotografin macht analoge Aufnahmen mit altem abgelaufenem Filmmaterial, was für die Farbverfälschungen und Tönungen (Blaustich) verantwortlich ist. Ihre Momentaufnahmen vom verschneiten Schweizer Winterwald, gerade mal einen Monat alt, haben eine analoge Anmutung, nicht nur technisch, sondern auch vom Atmosphärischen her.

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Eine besondere ästhetische Gestaltung wählt Barbara Bühlmann-Eschmann. Manche ihrer Fotografien wirken malerisch, geradezu impressionistisch, etwa der Seerosenteich, andere gehen in Richtung „Nature morte“ wie das Motiv mit den rostigen Moniereisen und der alten Leitung, das allerdings mit zarten grünen Pflänzchen kontrastiert wird.

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Von der Präsentation zeigten sich die beiden Schweizer Fotografinnen sichtlich begeistert. Barbara Bühlmann-Eschmann fand es gar eine fantastische Idee und „großartig, wie die Stadt das unterstützt“. Auch die Spaziergänger fühlen sich von den Fotos im Park positiv angesprochen.