Eigentlich ist es eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Ein bis zwei Kinder mit einem besonderen Erziehungsbedarf könnten die geordneten Struktur eines Familienlebens kennenlernen, Frauen oder Männer hätten die Möglichkeit eine Arbeit von zu Hause aus anzugehen und die Pro Juve Kinder- und Jugendhilfe hätte ein weiteres Zuhause für Kinder geschaffen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr in ihren eigenen Familien bleiben können.

Die Jugendämter tun sich immer schwerer damit, Pflegefamilien zu finden. „Der Bedarf ist groß“, erklärt Isabel Hofmann. Sie ist die Pädagogische Leiterin bei der Pro Juve Caritas-Jugendhilfe Hochrhein. „Mehrmals jährlich kommen in der Pro Juve Anfragen für Unterbringungen von Kinder unter sechs Jahren im familiären Rahmen an“, sagt sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch in der Obersäckinger Pro Juve-Einrichtung sind die Kapazitäten begrenzt. Aber es gibt auch Kinder, die in familiären Strukturen besser betreut sind, als in einer der insgesamt vier Wohngruppen der Einrichtung. Aus diesem Grund hat Pro Juve bereits vor zehn Jahren Erziehungsstellen eingerichtet. Momentan drei Stellen dieser Art, in der ein bis zwei Kinder in einer Familie oder Lebensgemeinschaft leben.

Pädagogische Ausbildung Voraussetzung

„Es handelt sich bei allen drei Stellen um Mitarbeiter unseres Hauses“, erklärt Isabel Hofmann. Doch inzwischen ist der Bedarf so groß, dass die Caritas Jugendhilfe den Schritt in die Öffentlichkeit wagt und weitere Familien sucht, die im Auftrag der Pro Juve ein bis zwei Kinder im familiären Rahmen bei sich zu Hause betreuen.

Das könnte Sie auch interessieren

Eine ganz wichtige Voraussetzung ist dabei: „Ein Elternteil muss eine Betreuungsperson in einer Erziehungsstelle sein“, erklärt die pädagogische Leiterin. „Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einer Pflegefamilie“. Das können Erzieher, Sozial- oder Heilpädagogen sein. Weiter sollte die Familie in der Lage sein, dem Kind oder den Kindern jeweils ein eigenes Zimmer zur Verfügung zu stellen.

Und die Familien bleiben bei ihrer Betreuungsarbeit nicht allein. „Für die herausfordernde und spannende Aufgabe, ein Kind mit einem besonderen Erziehungsbedarf auf seinem Weg zu begleiten, unterstützt die Pro Juve im Hintergrund durch regelmäßige Beratung durch den Psychologischen Fachdienst, es gibt Begleitung durch das Leitungsteam, regelmäßige Fortbildungen für die Familien und natürlich gegenseitige Unterstützung durch die bereits bestehenden Erziehungsstellen und mögliche Kriseninterventionen.

Eine verantwortungsvolle Aufgabe

Eine schöne Aufgabe zwar, aber die von den Familien trotz der Unterstützung durch Pro Juve nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollte. „Die eigene Familie zu öffnen und zum Teil zur Jugendhilfefamilie zu machen ist eine tolle, aber auch sehr verantwortungsvolle Aufgabe“, betont es Isabel Hofmann.

Das könnte Sie auch interessieren

Denn diese Entscheidung muss von allen Familienmitgliedern mitgetragen werden. „Eigene Kinder sollten zum Beispiel nicht eifersüchtig auf den Neuzugang in der Familie reagieren“, erklärt die Pro Juve-Leiterin. Wobei die Fachkräfte, die eine Erziehungsstelle zur Verfügung stellen würden, nicht zwingend Familien mit eigenen Kinder sein müssen. „Das können Paare sein, Alleinstehende oder Alleinerziehende“, erklärt sie. Auch Altersbeschränkungen gibt es keine.

Regelmäßige Besuche in den Familien

„Die Betreuungsperson ist in dieser Zeit als pädagogische Fachkraft bei der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung Pro Juve angestellt“, erklärt Isabel Hofmann weiter. Das heißt, die Arbeit wird auch entlohnt. Doch braucht es für die Entscheidung für das Kind oder die Kinder und bis es so weit ist, das ein oder zwei Kinder in die Familie kommen, einen langen Atem. „Das kann bis zu einem Jahr dauern“, so die Sozialpädagogin. Denn nicht nur Pro Juve selbst, sondern auch der Kommunale Verband Jugend und Soziales (KVJS) prüft sehr genau, ob eine Familie geeignet ist.

Das könnte Sie auch interessieren

„Es finden mehrere Besuche in der Familie statt“, so Hofmann. Die Erziehungsstelle muss also bereit sein, sich der Caritas Kinder- und Jugendhilfe zu öffnen und Einblicke in den Alltag bieten. Intensiv geprüft werden aber auch die Kinder selbst, ob sie für ein Leben in einer Familie geeignet sind, oder besser in einer Wohngruppe untergebracht sind. „Viele Kinder auch in jungen Jahren, haben bereits schlechte Erfahrungen hinter sich“, weiß die Sozialpädagogin. Ab einem gewissen Alter sind die Kinder aber auch nicht mehr in der Lage, sich in einer Familie zu integrieren.

Aus diesem Grund sind die Kinder höchstens zehn Jahre alt, wobei es mit Ausnahme auch Kinder mit bis zu zwölf Jahren sein können. Auch wenn die Kinder in den Familien leben, sollte weiter Besuchskontakt zu den leiblichen Familien bestehen bleiben. „Dieser Kontakt ist sehr wichtig“, so Hofmann. Und den Erziehungsstellen muss klar sein, dass die Kinder, die in der Familie dann mitleben, keine eigenen Kinder ersetzen.

„Wir freuen uns auf jeden Fall sehr über Familien, Paare oder auch Alleinstehende, die Freude daran haben, einem Kind dauerhaft ein Zuhause zu geben und sich mit der Pro Juve in einen konstruktiven Prozess zu begeben“, sagt Isabel Hofmann.