Nicht zuletzt monieren Anwohner den Zeitpunkt des Schnitts, mitten in der Blütezeit der Pflanzen. Doch wie eine Nachfrage unserer Zeitung bei den Technischen Diensten der Stadt zeigt, handelt es sich um eine durchaus erforderliche Maßnahme. Mit dem Schnitt solle dem ganzen Projekt sogar ein nachhaltiger Auftrieb ermöglicht werden, so Klaus Strittmatter, Leiter des Technischen Diensts.

Die Wiese ist als sogenannter „Hummeltummelplatz“ ausgewiesen und wurde laut Strittmatter erst vergangenes Jahr mit einer speziellen Saatmischung bepflanzt, um Insekten und Kleinstlebewesen als Lebensraum zu dienen.

Und diese Zielsetzung erfülle die Wiese voll und ganz, wie das Anwohner-Ehepaar Beate und Friedrich Plettenberg schildert: „Tatsache ist, dass diese Flächen von allerlei Insekten sehr gut angenommen wurden, zumal es in der Nähe keine vergleichbaren Wiesen gibt. Die gesamte Flora mit sehr vielen unterschiedlichen Blumen und Gräsern hob sich wohltuend von der „gepflegten“ Rasenfläche ab.“

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Allerdings: So ganz ohne Pflege lasse sich die gewünschte Zielsetzung dann doch nicht verwirklichen, sagt Klaus Strittmatter: „Das Problem ist, dass bei einer naturbelassenen Wiese nicht nur die gewünschten Pflanzen wachsen, sondern auch Unkräuter und schädliche Gewächse.

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Diese kommen in so großer Zahl vor, dass Jäten wenig Sinn machen würde.“ Um deren Wachstum zu unterbinden habe die Stadtgärtnerei einen so genannten „Schröpfschnitt“ vorgenommen: „Dabei handelt es sich um eine radikale Mahd der ganzen Wiese, um das Wachstum der Unkräuter nachhaltig zu unterdrücken.“

Das Ganze sei Bestandteil der vom Naturpark Südschwarzwald empfohlenen fachlichen Begleitmaßnahmen für derartige Wiesen. Der Naturpark habe auch die ausgebrachte Saatenmischung erstellt und in Kooperation mit dem Verband wurde das Projekt vergangenes Jahr umgesetzt, so Strittmatter. Auch der Zeitpunkt für den Schnitt wurde bewusst gewählt: „Das wird in der ersten Junihälfte gemacht, weil der Trieb der Unkräuter dann am stärksten und somit auch die Wirkung am größten ist.“

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Umweltreferent Ralf Däubler freut sich unterdessen, dass die Sensibilität vieler Bürger inzwischen so stark zugenommen habe, dass sogar auf die Pflege und Bewirtschaftung von Grünflächen geachtet werde. Auch er betont: „Beim Anlegen einer naturnahen, standortgerechten Blumenwiese ist Geduld vonnöten, und es ist nicht mit der Saat getan.“

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Er macht aber auch keinen Hehl daraus, dass es noch immer genügend kritische Stimmen gebe, die derartige Projekte selbst angesichts des Artensterbens für übertrieben hielten. Das müsse man als Stadt eben aushalten, wolle man die selbst gesteckten Ziele realisieren. Um Verwirrung wie im vorliegenden Fall zu vermeiden, werde im Moment ein Grünpflegemanagement für alle städtischen Flächen entwickelt, dessen Umsetzung aber nach Däublers Einschätzung noch einige Zeit dauern werde.

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