In etlichen Ortschaften am Hochrhein wurden über Jahrhunderte hinweg an Hanglagen Reben angepflanzt. Dass es die Römer waren, die den Weinbau hierher brachten, ist kaum anzunehmen. Es waren vielmehr die Alemannen, die hierzulande zwischen dem vierten und sechsten Jahrhundert sesshaft wurden. Es entstanden Dorfsiedlungen mit Gewannfluren, deren Anbauweise die Dreifelderwirtschaft war. Darunter verstand man die Einteilung der zum Dorf gehörenden Ackerflur in drei „Zelgen“, die in jährlichem Wechsel mit Sommer- und Winterfrucht bebaut und einmal brach gelassen wurde. An Hängen, wo kein Ackerbau betrieben werden konnte, entstanden die Nutzungen Grünland, Reben oder Wald.

Der Straßenname „Weingarten“ soll an den früheren Rebenanbau erinnern. Der Weingarten befand sich 400 Meter östlich.
Der Straßenname „Weingarten“ soll an den früheren Rebenanbau erinnern. Der Weingarten befand sich 400 Meter östlich. | Bild: Richard Kaiser

Etwa im fünften Jahrhundert wurde die Siedlung Säckingen gegründet, die in diesem Zusammenhang aber nicht mit der auf der ehemaligen Rhein­insel gelegenen Stadt gemeint ist, sondern mit dem Dorf „oberes“ Säckingen, zu dem im „niederen“ Säckingen einige Höfe gehörten. Weil sich auf dieser Rheininsel im sechsten oder siebten Jahrhundert der Glaubensbote Fridolin niederließ und eine Kirche gründete, die dem Heiligen Hilarius geweiht war, entstand an diesem Platz in der Folgezeit ein Kloster. Dadurch gewann das dortige Umfeld immer mehr an Bedeutung. Es entwickelte sich zunehmend zur Stadt und dehnte sich auch flächenmäßig mit dem großen Wald oberhalb der Ortschaft Obersäckingen aus, sodass deren Bewohnern nur ein schmaler Streifen zwischen Rhein und Stadtwald verblieb. Der überwiegende Teil wurde landwirtschaftlich genutzt und etwas Wald war auch dabei. Außerdem boten sich zwei Hangflächen an, auf denen Reben angepflanzt wurden.

Schon im Obersäckinger Gemarkungsplan von 1776 ist im Gewann Weingarten kein Rebenanbau mehr zu erkennen. Es erstreckte sich einst vom Bächleweg (rechts oben) etwa 150 Meter weit in westliche Richtung.
Schon im Obersäckinger Gemarkungsplan von 1776 ist im Gewann Weingarten kein Rebenanbau mehr zu erkennen. Es erstreckte sich einst vom Bächleweg (rechts oben) etwa 150 Meter weit in westliche Richtung. | Bild: Repro: Richard Kaiser

Am nordwestlichen Ortsrand war es ein etwa ein Hektar großer Weingarten, dessen gleichnamige Flurbezeichnung noch heute an den Rebenanbau erinnert. Das Gebiet grenzt im Osten an den Bächleweg und liegt zwischen der Fridolinstraße und dem Waldweg, der beim Lehrbienenstand vorbeiführt.

Im Gemarkungs-Übersichtsplan der Katastervermessung von 1896 sind die Flurnamen enthalten. In Baugebieten verschwanden sie größtenteils, wurden aber als Straßenbezeichnung weitergeführt.
Im Gemarkungs-Übersichtsplan der Katastervermessung von 1896 sind die Flurnamen enthalten. In Baugebieten verschwanden sie größtenteils, wurden aber als Straßenbezeichnung weitergeführt. | Bild: Repro: Richard Kaiser

Den Obersäckingern schien ihr Wein allerdings nicht besonders gemundet zu haben, denn schon 1776 gab es im Gewann Weingarten keine Trauben mehr zu ernten. Vielmehr wurde der Hang aufgeforstet, wie aus dem „Grund-Riss des ober Segginger Bann“ zu entnehmen ist. Als Flurname blieb die Bezeichnung „Weingarten“ erhalten. Doch gaben findige Stadtplaner diesen Namen auch einer Straße, die das 400 Meter westlich entfernte, in den 1980er Jahren entstandene Neubaugebiet im Gewann Weihermatt erschließt, das oberhalb der Marienstraße und zwischen dem Hubertusweg und dem Gaisbühlweg liegt.

Die für dieses Neubaugebiet treffendere Bezeichnung „Weihermattstraße“ konnte nicht vergeben werden, weil diese bereits einer Straße im Nordwesten der Stadt verliehen war. Obersäckingen geriet damit ins Hintertreffen, denn eine Weihermattstraße gab es in Obersäckingen am gleichnamigen Gewann schon seit 1896, musste aber 1935 bei der Eingemeindung nach Säckingen abgegeben werden. Aus der Weihermattstraße wurde die Marienstraße. So ging es auch mit der Obersäckinger Rheinstraße, die zur Heinrich-Hübsch-Straße umbenannt wurde, weil die Wallbacher bei ihrer Eingemeindung 1972 ihre Rheinstraße behalten wollten.

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Auf zwei weitere Obersäckinger Gewanne soll hingewiesen werden. Das eine befindet sich südlich der Weihermatt und nördlich der Schaffhauser Straße. Es ist das „Klein Zelgli“, das an die Dreifelderwirtschaft erinnert. Das Gebiet ist längst zugebaut, der historische Fußweg trägt indessen noch diesen Namen. Beim nebenan liegenden Gewann mit dem nicht eindeutig zu interpretierendem Namen „Häflä“ ist es genauso. Auch dort findet man infolge der Bebauung nur noch auf dem Straßenschild diesen Namen.