Eine wenig sehe es aus, wie beim einem Zahnärztekongress, kommentierte Helge Thun die zahlreichen Lücken in den Zuschauerreihen des Bad Säckinger Kursaales. Auf den Künstler selbst und sein Programm „Held der Komik“ war die überschaubare Zuschauerresonanz aber nicht zurückzuführen. Corona zum Trotz begeisterte Helge Thun sein Publikum mit einer Mischung aus Zauber- und Comedyshow, bei der einmal mehr die witzig-geistreiche Wortakrobatik vollauf überzeugen konnte.

Eingefleischte Fans von Helge Thun mussten sich allerdings auf eine große Umstellung gefasst machen. Seit 2001 war der gebürtige Norddeutsche als „Helge und das Udo“ im Duett mit Udo Zepezauer auf den Bühnen Deutschlands präsent. Frisch getrennt präsentierte sich Helge Thun am Donnerstag erstmals im Bad Säckinger Kursaal. Für das Publikum hätte die Trennung aber durchaus Vorteile: „Udo ist weg – damit hat sich aber auch das Ansteckungsrisiko halbiert“, so Helge Thun.

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Ein wahrer Künstler weiß ohnehin, wem er Erfolg und Misserfolg beim Publikum zu verdanken hat. Einen entsprechend breiten thematischen Raum nahm die Covid-Pandemie ein. „2G – 2 Gäste“, lautet die mit gehörigem Galgenhumor präsentierte neue Formel für die Auswirkungen der Pandemiebeschränkungen auf den arg gebeutelten Kulturbetrieb.

Ordentlich ihr Fett weg bekamen jene Zeitgenossen, die sich derzeit mit ihrer Haltung gegen Impfpflicht und Pandemiebeschränkungen auf den Straßen Deutschlands Gehör verschaffen. Anleihen nahm Hege Thun dabei bei der Viele-Welten-Theorie der Quantenphysik. Manchen Menschen hätten einen starken Bezug zu parallelen Universen, witzelte Helge Thun. „Menschen, die in der einen Welt leben, in einer anderen Welt aber denken“, so die bitterböse Diagnose des Künstlers. Es sei ein „Hin und Her – dann denken sie quer“. Als zusätzliche Anregung für den Gebrauch des gesunden Menschenverstandes gab Helge Thun den mit viel Applaus bedachte Hip-Hop-Song „Ich bin die Realität“ zum Besten.

Bestechend sind die beeindruckenden wortakrobatischen Einlagen Helge Thuns. Sprachliche Verirrungen und Verwirrungen finden letztlich wieder ihren tiefen humoristischen Sinn. Wortspiele, Gedichte und ein tiefsinniges Feuerwerk an unterschiedlichsten Reinformen können dabei als Hommage an deutsche Sprachkomik in der Tradition von Heinz Erhard gedeutet werden. Sie verbinden sich aber immer wieder mit künstlerisch auskomponiertem modernem Wortwitz sowie Elementen des literarischen Dadaismus und monovokaler Lyrik.

Gute Tradition haben bei Helge Thun die Zaubershowelemente, die beim Publikum durchaus für Erstaunen sorgen. Gleichzeitig entbehre diese im Stil einer Persiflage präsentieren Seil, Ringe- und Kartentricks nicht einer gewissen ironischen Note, was dem humoristischen künstlerischen Gesamteindruck einen zusätzlichen Auftrieb verleiht.

Die Sorge, dass es bei den Soloprogrammen von Helge Thun auf der Bühne künftig weniger lebhaft zugehen könnte, ist unbegründet. Stets ist der Künstler auf Tuchfühlung mit seinem Publikum. Als Überraschungsgast präsentierte Helge Thun den Künstlerkollegen Topas alias Thomas Fröschle, der bei einem mit viel Humor gewürztem Zaubertrick assistierte.